Porträt

laut.de-Biographie

Crooked I

Nach dem Mord an 2Pac und dem Abgang von Dre und Snoop Dogg geht das Death Row-Label Ende der 90er Jahre schweren Zeiten entgegen. Gestützt von der Musikindustrie, drängen der Doktor und die coole Hundeschnauze den gefürchteten Labelboss Suge Knight mit Skills und Signings wie Eminem oder 50 Cent aus dem Game.

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Die zweite Death Row-Generation um Vizepräsident und Supertalent Crooked I sitzt dabei zwischen allen Stühlen. Erst langsam erholt sich Crooked und kämpft sich mit Slaughterhouse und vielen Tapes wieder ins Rampenlicht. Doch erst 2013 kickt er sein offizielles Debütalbum ins Netz. Nix wars, mit dem einstmals anvisierten Superstar-Status, bye bye Junimond.

Dabei fängt die Karriere für den 1978 in Long Beach in Kalifornien geborenen Dominick Wickliffe gut an. Hiphopdx.com erzählt er später: "Ich hab' etwa mit sechs angefangen zu rappen. Gerade mal sechs, und schon gerappt und Reime geschrieben. Meine erste Studiosession hatte ich mit acht. Ich hab' immer schon gewusst, dass das genau das ist, das ich machen will. Immer. Manche sagen: 'Wenigstens wusstest du, was du mit deinem Leben anstellen willst. Du bist ein Glückspilz.'"

Die nicht so glücklichen Freunde fahren den Gang-Lifestyle, den Crooked I in der armen Nachbarschaft immer umgibt. Getrieben von der Sehnsucht nach Millionen gründet Crooked I 17-jährig mit den NFL-Profis Chucky Miller und Leonard Russell das Label Muscle Records.

1995 unterschreibt er bei Noo Trybe / Virgin Records. Kurz darauf schickt die Plattenfirma ihre Rap-Abteilung jedoch nach Hause. Für immer. Crooked I lernt so schon früh die Schattenseiten des Musikbiz' kennen: zur richtigen Zeit am falschen Ort.

Crookeds Kontakte und Reputation in L.A. stehen jedoch auf einem starken Fundament. Er holt sich 20 Prozent des von Big C-Style und Daz Dillinger gegründeten Death Row-Sublabels DPG Records. Erste Songs und Tapes sind erfolgreich, doch Daz hat andere Pläne, und Crooked I steht wieder auf der Straße.

Dr. Dre fragt an, möchte aber 1999 erst einmal mit Eminem durchstarten. Auch andere Firmen planen eher mit Eastcoast-Emcees als mit einem weiteren Westcoastler. Also erneuert Crooked seinen DPG Records/Death Row Records-Deal und avanciert zum musikalischen Aushängeschild der zweiten Death Row-Generation.

Bis 2004 rappt er sich hochwertig durch Compilations und 2Pac-Leichenfledder-Alben. Da jedoch Suge Knight ständig zwischen Knast und Freiheit wandelt und der anfangs erwähnte Gegenwand aus Richtung der restlichen Musikindustrie zunimmt, bleiben seine beiden Scheiben "Untouchable" und "Say Hi To The Bad Guy" Rohrkrepierer, sprich: Sie verstauben ungehört im Keller. Auch das kurz nach Vertragsende aufgenommene "Mama's Boy" fällt der ungeklärten Situation bei Death Row zum Opfer.

Doch Crooked I kämpft. Er schmeißt noch im selben Jahr das Mixtape "Young Boss Vol. 1" auf den Markt und zeigt nach positiver Resonanz allen Kritikern: Hey, ich bin noch da, und ich bin hungrig. Es folgen mehrere Projekte auf dem Indie-Weg, darunter die DVD-Doku "Life After Death Row". Ein offizielles Debütalbum bleibt jedoch lange aus.

Bis Ende 2008 schiebt Crooked I Mixtapes und wöchentlich veröffentlichte Songs nach, die ihn im Gespräch und im Game halten – bis zur Gründung der umstrittenen Supergruppe Slaughterhouse.

Neben Crooked tummeln sich Ende des ersten 2000er Jahrzehnts einige talentierte Emcees im Zwielicht zwischen Sein und Schein. Einer davon: Joe Budden. Der New Jersey-Native holt sich für sein Album "Halfway House" unter anderem die Kollegen Crooked I, Royce Da 5'9 und Joell Ortiz auf den Track "Slaughterhouse".

Die Chemie passt, 2009 erscheint das selbstbetitelte Debüt. Zuerst als Ansammlung, schweißt eine Auseinandersetzung mit Wu-Tangs Raekwon (bei einem gemeinsamen Auftritt in Crooked I Heimat LBC lässt Rae dem Joe Budden ein blaues Auge verpassen, nachdem dieser despektierlich über Method Man gesprochen hat) die Truppe noch weiter zusammen.

KXNG Crooked - Good Vs. Evil
KXNG Crooked Good Vs. Evil
Wir sitzen auf dem Pulverfass und baumeln mit den Beinen.
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Gegenüber hiphopdx.com erzählt Crooked I: "Ich habe so viel Respekt für Wu-Tang und kenne die Jungs auch persönlich, aber in dem Moment, als ich trotzdem Joe verteidigen und rächen wollte, wusste ich, dass wir wie Brüder und definitiv mehr als eine Rap-Crew sind."

Die Mehr-Als-Eine-Rap-Crew unterzeichnet Anfang 2011 dann einen Vertrag bei Eminems Shady Records und veröffentlicht ein weiteres Album. Währenddessen hustlet Crooked wie eh und je als Solokünstler independent bzw. mit seinem Label C.O.B. weiter.

Im Sommer 2013 erscheint nach unzähligen Jahren, Irrungen und Wirrungen endlich doch noch sein offizielles Debüt "Apex Predator". Der Traum vom Rap-Superstar-Dasein ist da natürlich längst ausgeträumt, doch die einstige Death Row-Hoffnung hat seinen Frieden mit seiner Karriere gemacht.

"Ich habe einen weißen BMW mit schicken Schlappen, ich wohne in meinem eigenen Haus in einer coolen Gegend und sorge für meine engsten Leute ... und das Wichtigste ist: Ich wurde geboren, ein Emcee zu sein. Und ich bin einer. Ende der Durchsage."

Ende der Durchsage vielleicht, nicht jedoch das Ende seiner Laufbahn. Auch, dass Crooked I irgendwann seinen Bühnennamen zu KXNG Crooked ändert, tut seiner Produktivität keinen Abbruch. Ob mit Slaughterhouse, einzelnen, handverlesenen Kollegen oder solo: Er veröffentlicht Mixtape um Mixtape, EP um EP und inzwischen auch ein Album am anderen.

Viel Lob, aber auch reichlich Kritik trägt ihm sein im November 2016 veröffentlichter Longplayerein: "Mit 'Good Vs. Evil' habe ich eine Welt erschaffen, in der die Opfer von Polizeigewalt, einer korrupten Regierung und einem diskriminierenden Klassensystem zurückschlagen", sagt er. "Nicht mit schweigendem Protest, sondern mit Gewalt. Manchmal musst du die Menschen aufrütteln und schockieren, damit sie dir Aufmerksamkeit schenken."

Klar, dass sich manch einer auf den Schlips getreten fühlt, wenn einer hässliche Wahrheiten unverblümt ausspricht. Auch klar, dass besagte Schlipsträger versuchen, KXNG Crooked aus seinen brutalen, gewalttätigen einen Strick zu drehen und "Good Vs. Evil" als Aufruf zur Gewalt gegen Polizisten fehlinterpretieren.

"Wenn jemand das Album hört, und das einzige, das bei ihm ankommt, ist, dass ich sage, ich würde einen Cop töten, dann haben sie verpasst, worum es mir eigentlich geht", so KXNG Crooked gegenüber Cuepoint. In einer Zeit, in der Polizeigewalt gegen Schwarze an der Tagesordnung ist, will er Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und einen Diskussion anstoßen.

Bleibt zu hoffen, dass er ein Schreckensszenario entworfen hat, keine Prophezeiung. Die Chancen, dass seine grausige Apokalypse Realität wird, stehen allerdings leider gut: Der Mann, der KXNG Crooked als Vorlage für seinen "Puppet Master" diente, zieht wenig später tatsächlich ins Weiße Haus ein.

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