Porträt

laut.de-Biographie

Bomb The Bass

Erinnert sich noch jemand an die Zeit des C64er Homecomputers? 8Bit-Farben und piepige 8Bit-Sounds? Die Hintergrundmusik bei Computerspielen stellte man in diesen grauen Zeiten meist besser auf Off und zog sich lieber genüsslich den eigenen Lieblingssound über Kopfhörer rein.

Ein Umdenken in vielen Teenagerstuben bewirkt Anfang 1988 der Vertical-Shooter "Xenon 2 Megablast". Plötzlich hämmern die Beats aus dem PC-Speaker als fände im Rechner eine Disco statt. Was ist passiert?

Ganz einfach: Die Game-Hersteller sicherten sich die Dienste von Tim Simenon, Kopf von Bomb The Bass. Der im Londoner Stadtteil Brixton aufgewachsene Sohn eines malaysisch-schottischen Paares beginnt bereits früh, sich für Computer und Sampletechnik zu interessieren. Im Alter von 19 Jahren landet der als DJ des Wag Clubs erste Meriten sammelnde Simenon mit der Debütsingle "Beat Dis" seinen ersten Hit in den UK-Charts.

Die Dance-Szene steht Kopf: In viereinhalb Minuten liefert der Song einen fundamentalen Einblick in Simenons Sampletechnik-Know How, das er sich in einem Produktionskurs aneignete. Das Acid House-Vorläuferstück mit dem apodiktischen Sample "This is a journey into sound" und den zahlreichen Versatzstücken von Public Enemy bis Ennio Morricone lässt die Jugend der 80er erstmals vom Groove der Zukunft träumen.

Später bei DJs in Mode kommende Cut Up-Techniken werden hier und bei folgenden artverwandten Singles mitbegründet: "Pump Up The Volume" von M/A/R/R/S, Coldcuts "Doctorin' The House" und S'Express' "Theme from S'Express", ebenfalls allesamt Charthits.

Später wird sich Simenon vehement gegen die ihm zugeschriebene House- und Rave-Patenschaft zur Wehr setzen. Er sei schon immer ausschließlich dem Hip Hop nahe gewesen, während seine frühen DJ-Sets Soul und Funk abgefeiert hätten.

Wie dem auch sei: Auf seinem Debütalbum "Into The Dragon" stellt der Londoner eine Werkschau seiner technischen Künste aus, mit Unterstützung von Nellee Hooper (später Soul II Soul-Mitglied und Starproduzent) und Jonathan Saul Kane (Depth Charge). Mit dem Burt Bacharach/Dionne Warwick-Cover "Say A Little Prayer" schafft es Simenon erneut in die UK-Charts.

1989 startet er seine erfolgreiche Produzenten-Karriere. Neneh Cherry bringt er mit den Songs "Buffalo Stance" und "Manchild" in oberste Chartregionen. Adamskis "Killer" lässt Discogänger durchdrehen und der auf genanntem Track erstmals in Erscheinung tretende Sänger Seal bekommt mit "Crazy" den weltweiten Durchbruch auf dem Silbertablett serviert.

Bomb The Bass lebt derweil besonders von Simenons Liebe zu Gastsängern. Für "Future Chaos" besuchen ihn 2008 Jon Spencer und Mark Lanegan im Studio. Hauptsänger ist Paul Conboy (A.P.E.), der zwei Jahre später auch auf "Back To Light" vertreten ist.

Auch wenn er immer mal wieder Alben unter seinem alten Projektnamen veröffentlicht, so bleibt Tim Simenon vor allem als Produzent ein gefragter Mann. David Bowie, Depeche Mode, Björk, Massive Attack, die Liste der Auftraggeber spricht eine deutliche Sprache.

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