laut.de-Kritik

Ambienter Soundtrip des früheren Sample-Fetischisten.

Review von

Woran erkennt man ein Produzentenalbum? Die Gästeliste ist ellenlang und das Album am Stück kaum auszuhalten. Wo es gerade Produzenten als vermeintlichen Meistern atmosphärischer Stimmungen doch besser wissen müssten. Tim Simenon weiß es anscheinend besser.

"Future Chaos" ist sein erstes Album in 13 Jahren unter dem guten alten Projektnamen Bomb The Bass, dessen unvergessenes "Beat Dis" in den späten 80ern dank Cut Up-Technik und Acid House-Geplucker über Nacht ein neues Dance-Kapitel aufschlug. Mit Coldcut und M/A/R/S/S bildete Simenon 1987 die Speerspitze des neuen Sounds.

Und heute? Hört man die ersten Songs seines neuen Werks, scheint diese Zeit Lichtjahre entfernt. Von jeglichen Sturm- und Drang-Schemata entkoppelt, lullt einen der saftig-zarte Bass von "Smog" ein, bevor Simenons neue Gesangsentdeckung Paul Conboy seine leicht an Thom Yorke gemahnende Stimme zum Einsatz bringt.

Sieht man von einem augenzwinkernd Kraftwerk huldigenden Tonleiterspielchen und dem etwas energischeren Beat-Impetus ab, macht "Butterfingers" genau da weiter. Hier für die Soundspielereien zuständig: Das Elektro-Insider-Quartett Fujiya & Miyagi aus dem Seebad Brighton, das womöglich für die düstere Grundstimmung verantwortlich zeichnet.

Leicht könnte man die Behauptung, dass Simenon seit zehn Jahren an "Future Chaos" sitzt, für eine Fehlinformation der Plattenfirma halten. Dabei scheint den Londoner nur das Wissen um Flüchtigkeit und der Wille zu nachhaltiger Stringenz stärker zu umtreiben als einen Kollegen wie Pharrell.

Der Hörer begibt sich, vom Titel eventuell irregeleitet, auf einen meditativen, durchaus minimalistischen Soundexkurs, dem auch die gelegentlichen Positionswechsel hinter dem Mikrofon nicht störend entgegen stehen. Die so genannten Stargäste hinterlassen unterschiedliche Eindrücke: Während Alleskönner Mark Lanegan "Black River" auf eine gesonderte Emotionsstufe hebt, bleibt das für Jon Spencer reservierte "Fuzzbox" eher blass.

Streckenweise mag dem sphärisch-ambienten Soundtrip das gewisse Spannungsmoment fehlen. Songs wie "Old Jon" oder "So Special" machen solche Überlegungen aber schnell vergessen. Letztlich zeigt Simenon wie schon zu Beginn seiner Karriere überaus anschaulich, wie man sich dem Pop trotz experimenteller Grundhaltung nicht verweigern muss. Nur heute eben mit ganz anderen Mitteln.

Trackliste

  1. 1. Smog
  2. 2. Butterfingers
  3. 3. Old John
  4. 4. Burn The Bunker
  5. 5. So Special
  6. 6. No Bones
  7. 7. Black River
  8. 8. Hold Me Up
  9. 9. Fuzzbox

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