laut.de-Kritik

Hymnen für die ganze Familie.

Review von

Kein Zweifel, Weihnachten steht vor der Tür. Diese elementare Weisheit kam mir zur Abwechslung nicht auf dem Lokus oder beim Blick auf den jetzt schon nervenden Weihnachtsmarkt, sondern beim Blick in den Briefkasten. Dort fand ich nämlich vor ein paar Tagen eine CD mit silbernem Elchkopf auf rotem Grund und dem klangvollen Titel "We Wish You A Metal Xmas And A Headbanging New Year".

Zur Weihnachtszeit leg ich ja immer noch gern den "Bangin' Round The Xmas Tree"-Sampler ein, auf dem sich diverse Mucker von Rage, Holy Moses, Mekong Delta und Living Death ein paar Weihnachtslieder vorgenommen haben und ihnen eine meist radikale, räudige Metal-Infusion verpasst haben. Auf dem vorliegenden Sampler sieht die Sache ein wenig anders aus, denn hier gibt es meist eher ordentlichen (Blues-)Rock in den Infusionsschlauch.

Ganz weit vorne ist da natürlich "Run Rudolph Run", das vom genialen Gitarrenspiel des ZZ Top-Chefs Bill Gibbons lebt. Dass Dave Grohl hier den Beat angibt, schadet natürlich auch nicht und wenn einem Lemmy abschließend ein herzliches "Merry Christmas, motherfuckers!" entgegen raunzt, wird einem gleich ganz warm ums Herz.

"Santa Claws Is Coming To Town" lässt die Kinderaugen wohl auch groß werden, aber weniger vor Freude, sondern weil sich die kleinen Schisser eher nass machen. Alice Cooper singt die Nummer wirklich gut, auch wenn mir dafür spontan noch Rob Zombie oder Wednesday 13 einfalen. Trotz gewisser Härte bleiben einige Sachen dennoch irgendwie besinnlich, zum Beispiel "We Wish You A Merry Christmas", das durch George Lynchs Gitarre später ganz schon qualmende "Little Drummer Boy" oder das von Doro Pesch intonierte "O' Christmas Tree". Fast schon festlich für die ganze Familie ist das abschließende "Auld Lang Sygne", das sich Girlschool haben einfallen lassen.

Während die Zeitlupenausgabe von "God Rest Ye Merry Gentlemen" mit Dio und Iommi beinahe wie ne Original Black Sabbath-Nummer tönt, geht einem der Gesang von Geoff Tate bei "Silver Bells" nur auf die Eier. Könnte auch daran liegen, dass die Stimme extrem in den Vordergrund gemischt wurde. Dann doch lieber den Ripper, der in "Santa Claus Is Back In Town" eine klasse Leistung hinlegt. Steve Morse geht die Sache auch sehr bluesrockig an und tut es den Kulick-Brüdern gleich, die "Rockin' Around The Xmas Tree" für Joe Lynn Turner fast schon ins Rockabilly-Gewand kleiden.

Was Chuck Billy, Scott Ian und John Tempesta "Silent Night" antun, ist im wahrsten Sinne des Wortes harte Kost. Auch was der Testament-Fronter hier zusammen röhrt, dürfte jeden Elch in Finnland erschrecken und hätte deutlich besser auf den eingangs erwähnten Sampler gepasst.

Das ein bisschen zu dick und schmalzig aufgetragene "Happy Xmas (War Is Over)" will ebenfalls nicht ganz in den Zusammenhang passen und zündet genauso wenig wie "Deck The Halls", falalalalala ....

Letzteres ist auch schwierig, zumal kurz zuvor mit "Grandma Got Ran Over By A Reindeer" ein weiteres Highlight auf dem Album steht. Das Ding ist schlicht und ergreifend eine coole Glam Rock-Nummer mit einem bitterbösen Text - einfach nur der Brüller. Gibts das Ding echt als Weihnachtssong?

Trackliste

  1. 1. We Wish You A Merry Xmas
  2. 2. Run Rudolph Run
  3. 3. Santa Claws Is Coming To Town
  4. 4. God Rest Ye Merry Gentlemen
  5. 5. Silver Bells
  6. 6. Little Drummer Boy
  7. 7. Santa Claus Is Back In Town
  8. 8. Silent Night
  9. 9. Deck The Halls
  10. 10. Grandma Got Run Over By A Reindeer
  11. 11. Rockin' Around The Xmas Tree
  12. 12. Happy Xmas (War Is Over)
  13. 13. O' Christmas Tree
  14. 14. Auld Lang Sygne

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9 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    hi eddy,
    seit meinem 13. lebensjahr (1984) muß ich mir jedes jahr mitanschauen, wie unsäglich mittelmäßige interpretationen von xmas.tracks zum x-ten mal verwurstet werden, bis man kotzt. da ist so viel schlimmes bei gewesen.....brrrr.....

    und jetzt das:

    dio und iommi schenken der welt ein geiles pre-historic-doom juwel, das ehemals "god rest je, merry gentlemen" war :D

    das ist so atmosphärisch, inspiriert und umwerfend gesungen und gespielt, dass fast alle anderen daneben nur noch zum gähnen sind; mit ihren halbgaren rocknroll/growl/08/15 hardrock-interpretationen.

    da klopfen immer alle dem guten lemmy auf die schulter, dass er mit gerade 60 noch nicht von der bühne kippt oder wundern sich, dass halford mit gerade 57 schon vergreist.
    aber niemandem fällt auf, dass ronnie james dio fast 70 ist und noch immer über stimmvolumen, fitness und charisma verfügt, dass seinesgleichen sucht.

    und spätestens nach diesem genuß werde ich so milde gestimmt, dass auch doro und tate platz in meinem vorweihnachtlichen chanukah-herzen finden....für ein paar minuten

  • Vor 6 Jahren

    Sorry für OT, aber... o wir gerade schon bei den etwas anderen Weihnachts-Alben sind... Hat zufällig mal jemand die "Happy Holidays" von Billy Idol gehört? Taugt die?

  • Vor 6 Jahren

    großartiger trash :D

    da sind teils gute, teils extrem überladen kitschige us-typische sachen drauf.

    das ist sehr unterhaltend; in etwa so wie ed wood filme schauen.