Porträt

laut.de-Biographie

Tim Taylor

Obwohl mit Curse weder verwandt noch verschwägert, schüttelt der Kasseler Tim Taylor ähnliche Lyrik locker aus dem Handgelenk. Die nordhessische Stadt mit der höchsten Mordrate Deutschlands scheint vom öffentlichen Interesse lange schmählich übergangen worden zu sein.

Tim Taylor - Ein Anderer Grund Aktuelles Album
Tim Taylor Ein Anderer Grund
Raps gut, Stimme gut, Delivery gut: Lobenswert.

Neben den heißen Anwärtern auf die Rookiekrone des Jahres 2004, den Raportaz, schickt die dortige Rapszene mit Tim Taylors Crew die nächste viel versprechende Combo ins Rennen. Den namentlich durchaus Furcht einflößenden Deadly Hyenas gehören neben Tim noch Jintanino, Pablow Picasso und Eska an, die Beats stammen größtenteils von Bronco.

Ende der 90er startet der stimmungsaffine Rapper, Jahrgang 1981, seine ersten lyrischen Gehversuche. 2003 hält er die Ergebnisse endlich für befriedigend: "Ein Hörspiel Und Ein Allboom" erscheint auf dem seinerzeit recht angesagten Untergrundlabel Wu-Tal. Interessant daran: die Hälfte der Scheibe besteht wirklich aus einem Hörspiel mit dem Thema Schizophrenie.

Ein Jahr später nimmt das Kasseler Label Gambit die vielversprechenden Newcomer, die schon Erfahrungen mit Schwergewichten wie Guru und Afu-Ra gesammelt haben, unter Vertrag. 2004 folgt die Crewscheibe "Mukoma".

Tim und Kollege Eska ziehen in eine Bude und leisten sich gemeinsam von der bisherigen Gage ein kleines Studio. Einige Liveauftritte und eine Tour mit Planet Asia später erscheint Anfang 2005 der zweite Wurf "Tim Der Mensch", eine ebenso hervorragende wie unbeachtete Sammlung von 17 Storytell-Versuchen.

Der Wahnsinn zeigt sein wahres Gesicht allerdings erst richtig auf einer kurz darauf folgenden EP. Die Tracks "Der Lange Weg", "Ein Tag" und die Kollabo "Goldene Tore" mit Pablow und Jintanino zählen zum besten, das deutscher Rap im Jahr 2005 zu bieten hat. In Planung sind ein Kassel-Mixtape mit Bronco sowie "Renaissance", eine Kollabo mit Pablow und Jintanino.

Geschlagene drei Jahre warten die Fans auf Tim Taylors nächstes Projekt. "Der Mensch Und Die Anderen" erscheint 2008. Wiedermals besticht der Kasseler mit inhaltichlich starken Texten, punktgenauen Punchlines und ausgefallenen Beats.

2013 widmet sich Tim einem Studium der bildenden Künste. So verwundert es auch nicht, dass seinem im selben Jahr erscheinenden Album "Ein Anderer Grund" ein Heft beiliegt, das selbstgezeichnete Werke, passend zu einem Songtitel, zeigt.

Seinen vielversprechenden Newcomer-Status hat Tim Taylor aber mittlerweile verspielt, vielmehr ist er, trotz solider Leistungen, in der zu dieser Zeit längst aufgeblühten deutschen Rap-Szene untergegangen. Entmutigt? Nö:

"Auch wenn es Grund zur Kritik gibt / will ich nicht dissen, sondern euch euch wissen lassen / dass es eine Ehre ist, einer von euch zu sein / die Dichter der Neuzeit / Ich freue mich, meinen Teil hier beitragen zu können und zu reimen", gibt sich Tim Taylor bescheiden. Immer noch: eine Zier!

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