Porträt

laut.de-Biographie

Ira

Nennen wir es mit Martin Büsser einfach: Rock. Nicht Post-Rock. Nichts, was in irgendeiner Weise ironisch gebrochen wäre oder sonst wie um die Ecke gedacht.

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Ira knüpfen an eine Zeit an, als Rock noch eine ernste Angelegenheit war, mit tiefen und existenziellen Gefühlen verbunden. Es geht schlicht um Erhabenheit. Diese Band will überwältigen. Ihre langen, epischen Stücke zwingen den Zuhörer, sich wie in einem Strudel zu verlieren, sich mitreißen zu lassen, hin- und hergerissen zwischen Furcht vor dem Kontrollverlust und dem angenehmen Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Doch Ira sind keine virtuosen Selbstdarsteller. Sie ahmen nicht das aufgeblasene Rock-Spektakel der frühen Siebziger nach. Ihr Spiel mit Effekten und Emotionen ist kalkuliert, der Breitband-Sound gerinnt nie zu Pathos. Nicht Griffbrett-Akrobatik, sondern atmosphärische Dichte zeichnet die Nummern aus, die so luftig angelegt sind, dass genügend Raum für Assoziationen bleibt.

Ira gelingt es, den ausufernden Post-Rock-Sound von Bands wie Mogwai und Isis in klassische Rocksongs rückzubinden. Doch es ist nicht mehr der fordernde, geradlinige Rock, der zur geballten Faust anregt - diese langen, lodernden Stücke sind durchsetzt von Melancholie, Zweifel, Brüchigkeit.

Ira - These Are The Arms
Ira These Are The Arms
Endzeit-Pop für die ganz große Arena.
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Und doch gibt es in den Songs, die von Kommunikationslosigkeit und Ohnmacht handeln, auch Referenzen an große Momente. Wer fühlt sich bei Zeilen wie "Is there anyone left laughing? Is there anyone left?" aus "Empire In Your Bag" nicht an "The Wall" von Pink Floyd erinnert? Ira formulieren die Angst, die uns alle umtreibt, und tragen bewusst dick auf, damit etwas davon haften bleibt.

Waren der 2003 in Konstanz gegründeten Band auf ihrem Debüt "The Body And The Soil" (2005) die Wurzeln im Hardcore, Doom und Punk noch deutlich anzuhören, verfeinern Toby Hoffmann (Gesang), Xandi Fromm (Bass), Thomas Klaus (Drums), Andreas Rosczyk und Steve Hartmann (beide Gitarre) auf "Visions Of A Landscape" ihren hypnotischen Stil und erweitern ihn um die Klangfarbe Pop.

Nachdem im Mai 2007 die instrumentalen Spuren in Blackmails Tonstudio-45 bei Koblenz gelegt sind, sorgt Produzent Tobias Levin in den Hamburg für den letzten Feinschliff und veredelt den voluminösen und transparenten Sound der Band. In intensiver Zusammenarbeit mit Levin hat Hoffmann seinen melodiösen und ausdrucksstarken Gesang perfektioniert - leidenschaftlich, aufwühlend, aber nicht exaltiert.

Der preisgekrönte Autor und Poetry Slammer versteht es auch als Musiker, komplexen Texten einen angemessenen Klang zu geben: An der Schnittstelle von Traum und Wirklichkeit, Poesie und Wut gelingt es Hoffmann, die ganz große Rock-Geste mit der lakonischen Desillusionierung des Post-Punk zu verbinden. Black Sabbath trifft auf Ian Curtis - Welten implodieren. 2014 veröffentlicht die Band ihr viertes Album "Ghost Tones" in Eigenregie via Bandcamp.

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