Porträt

laut.de-Biographie

The Spores

Was genau Molly McGuire über ihren Mondo Generator-Chef Nick Oliveri denkt, als dieser an einem sommerlichen Abend im Juli 2004 bei einem Konzert in Trossingen (!) vor aller Augen den örtlichen Mischer vermöbelt, wissen wir nicht.

Es braucht aber wenig Phantasie, um zu ahnen, dass der Mondo-Tross im Anschluss an diese Aktion verstärkt die Worte "Schwachmat" und "Vollpfosten" im Munde führt. "I just wanna have a good time, cause music is fun" - Oliveris Leitmotto war nachhaltig überreizt.

Bereits einen Tag später endet die gemeinsame Europa-Tournee: Molly und ihre Kollegen proben den Aufstand, werfen den bärtigen Hitzkopf kurzerhand aus dem Bandbus und reisen alleine zum nächsten Auftritt nach Italien. Zurück in den USA, ziehen Bassistin McGuire und Gitarrist Dave Catching die Konsequenz und verlassen Oliveris Band.

McGuire wächst in Kanada auf und gründet dort mit ihrem damaligen Freund die Band Rhudabega, ein Trommel-und-Bass-Duo sozusagen. Gemeinsam siedeln sie nach New Orleans um und spielen sich rund sechs Jahre quer durch Nordamerika die Finger wund.

Mit der Liebe endet auch die Bandkarriere, wodurch McGuire zunächst sechs Monate in Toronto verbringt, bevor sie in New Orleans mit Dave Catching und Drummer Michael Brueggen zusammen trifft. Dies ist die Geburt der Combo Yellow 5, mit der sie allerdings erst später in Los Angeles ein Album aufnimmt.

Nach Joshua Tree/Kalifornien geht die Bassistin um das Jahr 2000 gemeinsam mit Gitarrist Catching auf Einladung von Fred Drakes Earthlings?, die statt Stoner Rock eine musikalische "Desert-Science-Fiction-Kraut-Medium-Fi-Experience" im Sinn haben.

Kaum dort eingetroffen, lernt McGuire schnell sämtliche Desert Sessions-Musiker der Region kennen, schließlich springen mehr oder weniger alle im dortigen Rancho De La Luna-Studio herum, das von Drake und Catching geführt wird: Josh Homme, Nick Oliveri, Gene Trautmann, Dave Grohl, Jesse Hughes und natürlich Brant Bjork, der auf dem Yellow 5-Debüt "Demon Crossing" hinter der Schießbude Platz nimmt. Ihr Bruder Brenndan fungiert als Toningenieur.

2003 spielt Molly Bass auf Oliveris Mondo Generator-Album "A Drug Problem That Never Existed", hilft Mark Lanegan bei "Here Comes That Weird Chill" aus und spielt mit Frank Black auf dem They Might Be Giants-Cover "Road Movie To Berlin". Ihre bekannteste Teilnahme dürfte allerdings das Queens-Album "Songs For The Deaf" (2002) darstellen.

2003 und 2004 ist sie festes Mitglied bei Mondo Generator, erst nach ihrem Ausstieg denkt sie über ein neues Soloprojekt nach. Ein paar Songs der Spores liegen bereits komponiert in der Schublade und auch für die Art der Präsentation hat Molly erste Ideen.

So will die heimliche Handarbeitsfachfrau selbstgenähte Puppen zu den Stars der Band küren, ähnlich dem virtuellen Vorbild der Gorillaz. Als sie dann ihre Mitstreiter Greg "Stunbunny" Biribauer (Gitarre, Loops), der ebenfalls aus Toronto stammt und den Toningenieur für At The Drive-In oder Modest Mouse abgibt, sowie Kenny Pierce (Schlagzeug) kennen lernt und gemeinsam neue Songs einstudiert, verflüchtigt sich diese Idee zunächst.

"Our whole thing is about entertaining the audience", lässt McGuire nach ersten Liveshows verlauten. Das Debüt geht im August 2004 im kalifornischen Wüstenkaff Pioneertown über die Bühne. Die frischgebackene Sängerin integriert aber eine Puppe nach der anderen ins Konzept, so dass die Spores-Konzerte 2006 vom Veranstalter als "Puppet/human extravaganza" angekündigt werden.

Musikalisch dominiert bei den Spores überraschenderweise nicht geradliniger Punkrock à la Mondo Generator, sondern eine Mischung aus elektronischen Beats und schmutzigem 90er Punk-Pop. Zusammen mit Mollys klarer Stimme erinnert das gerne mal an Garbage oder auch an die guten alten Breeders. Die LoFi-Single "(Don't) Kill Yourself" erobert zunächst die Playlist eines Indie-Radiosenders, bevor auch die kalifornische Mainstream Rock-Institution K-ROQ auf den Zug aufspringt.

Schnell spricht sich auch der Live-Spaß herum und so spielen The Spores im Rahmen der Veröffentlichung ihres Debütalbums "Imagine The Future" Mitte 2006 eine größere Tournee. Im Januar 2007 erscheint die experimentelle Platte auch hierzulande, was die Band dazu nutzt, ihre Puppen einzupacken und eine kleine Europatour anzuleiern.

Dort trifft man sie bereits im folgenden Herbst im Zuge der Veröffentlichung des Zweitlings "Doom Pop" erneut an - seit anderthalb Jahren sind die Spores mittlerweile zwischen Prag und Portland unterwegs. Bei Album Nummer zwei sitzt der DJ und Remixer Chris 2Cpen" Penny hinterm Drumkit.

Alben

The Spores - Doom Pop: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2007 Doom Pop

Kritik von Eberhard Dobler

Mondo Generator-Molly lässt die Psycho-Puppen tanzen. (0 Kommentare)

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Fotogalerien

Gesehen in Konstanz 2007 Dirty Puppentheater in der Kantine.

Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen) Dirty Puppentheater in der Kantine., Gesehen in Konstanz 2007 | © laut.de (Fotograf: Björn Jansen)

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