Porträt

laut.de-Biographie

The Diplomats

Der Wu-Tang Clan gilt als die größte Hip Hop-Gruppe aller Zeiten. Neun Leute plus und unzählige Familienmitglieder und andere Crews vereinen sich in der Hochphase Ende der 90er unter dem W-Banner. Neben dem Clan fallen dann noch die Namen Run DMC, NWA, Bone Thugs N Harmony oder Public Enemy als halbwegs ernsthafte Konkurrenten. Leider vergisst die Rap-Gemeinde oft, dass es da eigentlich nur eine Truppe gibt, die es in Sachen Skills, Masse und Einfluss mit den Staten Island-Emcees aufnehmen kann: The Diplomats aka Dipset.

Dipset: Das Video zu "Dipshits" Aktuelle News
Dipset Das Video zu "Dipshits"
"It's Dipset you dipshits!" Cam'ron und Juelz Santana melden sich mit neuem Track und passendem Video zurück.

Von Cam'ron und Jim Jones 1997 in Harlem gegründet, stoßen erst Freekey Zekey, 1999 dann Juelz Santana und ab 2004 noch Hell Rell, 40 Cal. und J.R. Writer hinzu. Allesamt starke Charaktere oder talentierte Emcees.

Und wie der Clan baut auch Cam nach und nach mit U.N., Max Bs Byrd Gang, der Skull Gang, Purple City, Vado, A-Mafia oder Stack Bundles ein heimisches Netzwerk an Harlem-Künstler um die Diplomats auf. Zudem setzen Dipset in den Jahren ihres Hypes eine Vielzahl an einzigartigen Styles und Trends. Die Schwierigkeiten so vieler Egos überfordern Cam und Jim Jones noch mehr als den Rza. Dieser kann immerhin auf Verwandschaft setzen, während das Diplomaten-Movement nach ein paar Jahren wieder in seine Einzelteile zerfällt.

Die Bewegung startet jedoch zur Jahrtausendwende mit Cam'rons Debütalbum "0SDE" erst einmal recht erfolgreich ins Rapgame. Zwar läuft Cam'ron für eines der Videos noch mit einem Wu-Pulli durch die Gegend und auch das Label Epic scheitert an optimaler Promotion, doch Camrons Swagger und seine Vertragsunterzeichnung 2002 bei Rocafella Records von Damon Dash und Jay-Z puschen auch Jim Jones und Juelz Santana immer weiter ins Rampenlicht.

Vor allem Punchline-König Juelz prägt neben Cam mit seinen Gastauftritten bei den Singles "Oh Boy" und "Hey Ma" den neuen Style aus Harlem. Um den Hype komplett für die Crew zu nutzen, schmeißen die Jungs aus Harlem die Mixtape-Reihe "Diplomats Volume 1-5" auf den Markt und revolutionieren im Vorbeigehen das komplette Mixtape-Game. Mehr dazu hier: Tapediggaz.

2003 erscheint ihr Debüt "Diplomatic Immunity" - angetrieben von dem "Hey Ma"-Remix und der "Dipset Anthem" als Doppelalbum. Diese Unverfrorenheit, einfach mal gegen alle Ratschläge zu agieren, symbolisiert perfekt das Erfolgsgeheimnis der Diplomats. Ihre Verse enthalten oft komplexe achtfach Reime und krude Adlibs (No Homo, Pause) ohne Sinn, aber mit viel Humor, und stellen so den Gegenentwurf zum klassischen New Yorker Lyricist dar.

Zudem versorgen sie die Straße mit wilden Real Life-DVDs und tragen USA-Bandanas, ultrabreite Baggys, XXXL-Shits und rosa Polohemden. Wie umschrieb es der dipset-inspirierte Deutsch-Rapper Pillath einst bei Hiphop.de so treffend: "Mein ausgewöhnlicher unnachahmlicher Stil, mit reichlich Wortwitz besteht aus einer Mischung aus Jeezy und Dipset."

Einen ersten Rückschlag erfährt Dipset als der oft im Hintergrund agierende Freekey Zekey am 25. April 2003 angeschossen wird und kurze Zeit später auch noch für drei Jahre in den Knast wandert. Trotzdem expandiert der Set und veröffentlicht "Diplomatic Immunity 2" mit den Mitgliedern Hell Rell, 40 Cal und J. R. Writer. Der Höhepunkt ist da.

Was nun folgt, kennt auch Wu-Chef Rza zu genüge: Alle Mitglieder wollen ihren Teil vom Kuchen vergrößern und bauen ihre Solokarrieren auf unterschiedlichen Labels und in ihren eigenen Gruppen aus. Mit wechselndem Erfolg. Während Cam mit Vado die Gruppe U.N. gründet und solo immer aktiv bleibt, laufen die Projekte von 40 Cal ("Skeme Team"), Santana ("Skull Gang") oder Hell Rell ("Top Gunnas") eher bescheiden. Einzig Jim Jones drückt dem Game mit der Byrd Gang 2006 bis 2008 seinen Stempel auf.

Mit dem aufkommenden Trap Rap aus Atlanta oder Birdmans Truppe aus New Orleans – beide stark vom Dipset-Style beeinflusst – endet die rosige Ära. Erst 2013 – im 20-jährigen Clan-Bestehen - feiern die Diplomaten zusammen auf der Bühne nach zehn Jahren das Jubiläum ihres Debüts.

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Surftipps

  • Dipset im Complex Magazin

    Schöne Zusammenstellung, wie Dipset Hip Hop veränderten

    http://www.complex.com/music/2013/03/10-ways-dipset-changed-hip-hop/
  • Camron im Complex Magazin

    Interessante Fakten zum Dipset-Boss

    http://www.complex.com/music/2013/03/25-things-you-didnt-know-about-camron/

2 Kommentare mit 16 Antworten

    • Vor 2 Jahren

      Dope! Der Song ist ja schon länger bekannt ("1st of the Month"-Reihe), aber #cooledudes wie Cam können mich auch bloß mit neuen Videos erfreuen!

  • Vor 10 Monaten

    Haben die Dipset-Spezis von früher mal ein paar Anspieltipps bzgl Tapes etc, chea?

    Diplomatic Immunity rotierte hier heute einige Male. Hab das Movement damals eher beiläufig wahrgenommen und mich eher über die (wie im Skit) Clown Ass Niggas amüsiert :D

    Aber schon sehr geiles Debüt. Besonders die Just Blaze-Beats sind unfickbar. Okay, Camron übertreibt bisweilen mit seinem Zweckreimmassaker.

    https://www.youtube.com/watch?v=Sib-js9K3C8

    • Vor 10 Monaten

      Oh, ich sehe gerade, Just hat ja gerade mal zwei Beats produziert. Hm, kein Plan, wer die dann gemacht hat, jedenfalls fire!

    • Vor 10 Monaten

      The Heatmakerz waren das damals, sind leider irgendwie verschwunden, nachdem der Dipset-Hype verebbte.

      Beste Gruppenalben und Tapes:
      Diplomatic Immunity 1+2
      Dipset: More Than Music Vol. 1.

      Beste Soloalben und Tapes:
      Cam'ron - Purple Haze
      Cam'ron - Come Home With Me
      Jim Jones - On My Way To Church
      Jim Jones - Harlem: Diary Of A Mad Summer
      Juelz Santana - Back Like Cooked Crack 1-3
      Juelz Santana - What The Game's Been Missing
      Hell Rell - Hard As Hell
      J.R. Writer - History In The Making
      J.R. Writer - Writer's Block 1-5

    • Vor 10 Monaten

      Der Killa spielt sprachlich in einer anderen Liga, homes. Noch krasser als Gucci Mane, da kann mir keiner was erzaehlen. Fuer mich top 5 dead or alive. Gib dir alles von ihm, da machst du nirgends was falsch. Der koennte auf Mueslibeats rappen und es waere noch dick.

    • Vor 10 Monaten

      Wer käme denn da noch so in die Top 5? Nachdem du mich schon mit Cam'ron überrascht hast. :D

    • Vor 10 Monaten

      Ich bin totaler Cam'ron-Fanboy, da habe ich nie ein Geheimnis draus gemacht. Ich hoffe auch immer noch auf PH2. Ansonsten keine grossen Ueberraschungen, denke ich: Future, Gates, Clipse und Ka. Das hat sich ueber die letzten Jahre so ergeben, vor 10 Jahren haette ich da wohl noch andere genannr.

    • Vor 10 Monaten

      Ja, geht mir ähnlich. Fällt mir schwer, Leute wie Biggie zu nennen, da die mich die letzten Jahre kaum mehr beeinflusst haben und sich vieles weiterentwickelt hat.

    • Vor 10 Monaten

      Ganz ehrlich: ich habe inzwischen fast alle Neunziger-Alben aus iTunes entfernt. Was noch drauf ist: 'Southernplayalisticadillacmuzik' und 'ATLiens', 'Nocturnal', 'Fly Shit' und das Killarmy-Debut. 'Let's Get Ready' ist von 2000, kann man an sich auch noch zaehlen. Alles andere beruehrt mich einfach nicht mehr. Natuerlich wuerde ich nie 1 schlechtes Wort ueber die fruehen Wu-Sachen verlieren, oder Nas. Und ich wuerde auch nie sagen, dass Future usw. im Grunde besser rappen als Nas. Andererseits wuerde ich sagen: Tech N9ne ist fuer mich einer der 10 beschissensten rapper, weil er mir einfach nicht beigeht mit seinem seelenlosen Silbengeratter. Der Typ ist einfach langweilig.

      Vom Killa ist halt alles drauf. Wer sonst erwaehnt in seinen tracks schon den Unicampus der Ohio State? Spontan wuerde mir kein anderer einfallen, der so viele lokale und kulturelle Referenzen raushaut wie der Killa. Vielleicht Can Ox noch, aber die haben derweil auch nicht Cams Reichweite.

      Cam ist der Einzige, der mit Gay-Z, Cuuuuuuuurtiiiiis und Kanye beefen kann und unverletzt davon kommt. Und Kanye lutscht dabei sogar noch fett Schwanz, wenn er von ihm gedisst wird.

    • Vor 10 Monaten

      Cam ist einfach eine meiner größten Bildungslücken im Rap, werde ich wohl demnächst nachholen. Außer Juelz habe ich damals kaum Dipset auf Albenlänge gehört.

    • Vor 10 Monaten

      Du bist jetzt bereits der 2. Genrefirme mit Cam-Bildungsluecke. Was ist da los?

      https://www.youtube.com/watch?v=SaytzZxwP9Q

      'Ghetto Heaven Vol. 1' wurde hier auch noch von Stefan gefeiert.

    • Vor 10 Monaten

      Oute mich auch mal, habe Cam´ron zwar immer am Rande mitbekommen, aber nie wirklich vertieft reingehört. Mit welchem Album soll ich anfangen?

    • Vor 10 Monaten

      Ich würde "Come Home With Me" vorschlagen. Für die volle Dröhung Dipset-Attitütude lieber "Purple Haze".

    • Vor 10 Monaten

      Dann tue ich was der Affe sagt, thx! :)

    • Vor 10 Monaten

      Stefan ist sich seiner frueheren Fehlgriffe ja durchaus mal bewusst, ich glaube, das duerfte hier der Fall sein. ;)

      Ich wuerde aber, um eine Spannung aufzubauen und PH nicht schon zu Beginn zu verbraten, am Anfang starten: 'Confessions Of Fire' ('Death'!), 'S.D.E. usw. ganz durch bis zu dem kriminell unterschaetzten 'Crime Pays' und den Kollabos mit Vado.

    • Vor 10 Monaten

      Ah, Affe war der Tipp-Geber, Danke! Siehe Album-Thread.