Porträt

laut.de-Biographie

Snaga und Pillath

Seit 2005 kündigen Snaga und Pillath ihr Debütalbum schon an. Erst zwei Jahre und einen Labelwechsel später soll es so weit sein: "Aus Liebe Zum Spiel" erscheint unter dem Dach von Samy Deluxes Deluxe Records und soll endlich, endlich die verdiente Aufmerksamkeit von der Rap-Hauptstadt Berlin auf den Ruhrpott lenken.

Was bisher geschah: Timm Zumbrägel, Jahrgang 1978 und geboren in Gladbeck, wächst bei seinen Großeltern auf. Im Alter von 15 Jahren zieht er zu seiner Mutter zurück, die ihm alle Freiheiten lässt. Im Kreise seiner weitgehend älteren Freunde scheint eine Drogenkarriere vorprogrammiert. Davor bewahrt die Hinwendung zum Boxsport.

Timm trainiert sieben Jahre lang, bevor ein Herzleiden dem Traum von der Laufbahn als Profi ein Ende bereitet. Immerhin geht er nicht ohne einen Kampfnamen aus dieser Phase seines Lebens hervor: Einer seiner Sparringpartner verpasst ihm aufgrund seiner Muskelmasse den Alias Snaga, den serbischen Ausdruck für "Kraft".

Snaga wurstelt sich mit einigen Verzögerungen bis zum Abitur durch. Das Studium der Film- und Fernsehwirtschaft schließt er dafür nach hurtigen acht Semestern mit einem Diplom in der Tasche ab. Gemeinsam mit zwei Freunden gründet er die Filmfirma Timaxx Entertainment, die unter anderem Low Budget-Musikvideos produziert. Snaga ist hier für Regieaufgaben sowie für das Erstellen von Dreh- und Konzeptbüchern zuständig.

Sein Mitte der 90er Jahre greift er mehr oder weniger regelmäßig zum Mikrofon. Zusammen mit Fard, DJ Fidel Kutzo, Mad Mischief, Knuckles und Tobflow bildet Snaga die Crew Die Knappschaft, in deren Reihen er sich als einziger der englischen Sprache bedient. In diesem Zusammenhang trifft er auf seinen Ruhrpott-Nachbarn Pillath.

Oliver "Big" Pillath kommt am 26. Mai 1982 in Gelsenkirchen zur Welt. Mit elf, zwölf Jahren noch ein ganz passabler Schüler, geht er den Drogen weniger konsequent aus dem Weg als sein künftiger Kompagnon. Dealerei und Handgreiflichkeiten auf dem Schulhof tragen dazu bei, seine Schulzeit drastisch zu verkürzen: Pillath verlässt das Gymnasium schwungvoll noch vor dem Erreichen eines Hauptschul-Abschlusses.

Trost finden auch und besonders ganz harte Jungs in den Armen der Rapmusik. Pillath erkennt die Qualität von Worten als Waffen, rappt sich quer durch die Freestylebattles rund und um seine Heimatstadt und verschafft sich einigen Respekt im Austeilen derber Punchlines. Mit Knight, Oso, Necrow, Faust und DJ Chris formiert er sich zum Team Nordkurve. Beim Paderborner Indie-Label Rec.on veröffentlicht man 2003 das Tape "I-Block".

Im Gespräch mit Hiphop.de erinnert sich Pillath: "Wann haben wir uns kennen gelernt? 2003 oder so. Da hat er noch auf Englisch gerappt. Ich habe gerade mit Mr. Knight die EP gemacht (Anm.: 'Unsigned', 2003) und hab' Snaga gesagt, wir müssen 'n Song gemeinsam machen. Zwei Tage später sind wir ins Studio gegangen, und da guckt er mich an und sagt: 'Ich hab' aber auf Deutsch geschrieben.' Alter, ich war richtig angepisst. Was soll der Scheiß, auf Deutsch kann ich auch selber schreiben."

Offenbar überzeugt der Part dennoch: Über Pillath kommt auch Snaga mit Rec.on in Kontakt. Beide treten fortan häufig gemeinsam auf. 2004 entsteht ein gemeinsames Mixtape der Crews Nordkurve und Knappschaft. Snaga und Pillaths Ruf eilt ihnen voraus. Bald schon lädt Kool Savas das schwergewichtige Duo zu seinen Shows ein. Hier treffen die beiden auf Illmatic, der den nächsten Stein ins Rollen bringt.

Pläne für ein unter dem Namen Horndogz Mafia geplantes Kollabo-Album von Kool Savas, Ercandize und Illmatic mit Snaga und Pillath zerschlagen sich zwar. Trotzdem reisen die Jungs aus dem Pott nach Frankfurt, um mit Illmatic an gemeinsamen Tracks zu feilen. Im Studio begegnen sie Moses Pelham. Die Frage, wo das geplante Mixtape erscheinen soll, steht am Ende dieses Zusammentreffens nicht länger ungelöst im Raum: Snaga und Pillath unterschreiben nach friedlicher Trennung von Rec.on einen Vertrag bei 3p Records.

Hier veröffentlichen sie 2005 das erste Mixtape "Die Linke Und Die Rechte Hand Gottes". Kontrahent Massiv soll sich später fürchterlich empören: Der in seinen Augen gotteslästerliche Titel sei Haram, also Sünde nach islamischem Gesetz. Pillath kontert in der Juni-Ausgabe der Juice 2007: In diesem Fall entsprächen Massivs Zeilen, in denen er seinen Phantasien über koksende Nutten freien Lauf lässt, die die Lines von seinem Schwanz ziehen, Harams großem Bruder. Die endgültige Klärung dieser Frage überlasse bitte jeder dem Mufti seines Vertrauens.

Neben einer Überdosis Punchlines birgt "Die Linke Und Die Rechte Hand Gottes" unter anderem Gastauftritte von Ercandize, Illmatic und Labelboss Moses Pelham und wird bei den Juice Awards in der Kategorie "Mixtape National" nominiert. Snaga und Pillath belegen in der Kampfklasse "Newcomer National" einen achten Platz.

"Wenn du das Mixtape analysieren wollen würdest, dann hörst du ein bisschen Dipset raus, ein bisschen G-Unit, ein bisschen D-Block", so Pillath gegenüber hiphop.de. "Das sind einfach die Sachen die wir hören. Das ist nicht biten, das ist inspirieren lassen, weißte wie ich meine?" Die Vorwürfe, Snaga und Pillath erinnerten in ihrem Stil allzu deutlich an ihre amerikanischen Vorbilder, kommen wieder und wieder auf, werden von den beiden jedoch regelmäßig vom Tisch gewischt.

Das Dasein als "3p-Hustler", wie eine inoffizielle Compilation von Bootlegs Pretty Snaga und Big Pillath noch betitelt, findet 2006 ein Ende: Der Deal mit Pelhams Stall läuft aus, das Angebot für eine Verlängerung scheint den Ruhrpott-Buben nicht lukrativ genug. Verhandlungen mit dem Major SonyBMG gestalten sich schleppend. Samy Deluxe ist schneller mit einem Angebot bei der Hand: Snaga und Pillath wechseln ins Camp von Deluxe Records. Und das, obwohl es kurz zuvor im Interview mit rapheadz.com noch hieß, Kontakte nach Hamburg seien nicht geplant: "Goddamned, ich war noch nie in Hamburg!"

So schnell kanns gehen. Snaga, Pillath und Manuellsen gehen als Support von Samy Deluxe im Rahmen von dessen "Deluxe Records Let's Go"-Tour auf Reisen. Das zweite Mixtape liegt auch bereits vor: Der neue Labelboss persönlich liefert das Intro zu "Eine Frage der Ehre". Beats stammen unter anderem von Brisk Fingaz, Monroe, Shuko und Phrequincy. Manuellsen, Fard und etliche weitere Gäste greifen zum Mikrofon. Zu "Komm Mit" entsteht ein Video, bei dem selbstredend Fachman Snaga bei Regie und Schnitt mitmischt.

In den vergangenen Jahren platzierten sich Snaga und Pillath auf zahlreichen Veröffentlichungen ihrer Kollegen. Exemplarisch seien Featureparts auf Moses Pelhams "Geteiltes Leid 2" (2004), "Aus Der Platte Auf Die Platte" von Joe Rilla und DJ Nicons "Optische Elemente 2.5" (beide 2005), Abroos "Zwischen Liebe Und Hass" sowie Samys "Deluxe Von Kopf bis Fuß" (jeweils 2006), Ercandizes "Verbrannte Erde" sowie Alpa Guns "Geladen Und Entsichert" (beide 2007) genannt.

Für Sommer 2005 war es bereits versprochen, Ende Juni 2007 steht "Aus Liebe Zum Spiel" auch schon in den Läden. Albumtitel sowie das Feature mit Cassandra Steen in "Keine Zweifel" stammen noch aus der Zeit bei 3p. Auch der Vorsatz, neben dem bewährten Punchlinefeuerwerk etwas tiefer zu gehen und ein klein wenig mehr von sich preis zu geben, bleibt bestehen. Man wolle ein runderes Bild der Personen Snaga und Pillath zeichnen, heißt es im Interview mit hiphop-jam.net: "Nicht wieder nur der Spitterkram."

Kool Savas, mit dem man einst noch täglich zusammen im Studio abhing, hat man 2007 zwar nicht mehr lieb. Nichtsdestotrotz bleibt die Gästeliste beeindruckend: Neben Cassandra Steen, Samy Deluxe, Illmatic und Manuellsen, der in der Hook zur Vorab-Single "R.U.H.R.P.O.T.T." zu hören ist, steuert Berlins Goldjunge einen Part bei. "Sido hat uns Props gegeben, dass er uns feiert, usw. Dann haben wir uns getroffen und ein Ding für Alpa gemacht (Anm.: 'Wir Sind Echt' auf 'Geladen Und Entsichert'), er dann im Gegenzug einen Song für uns." (hiphop.de)

Die Beats liefern Monroe, DJ Katch, Brisk Fingaz, Joe Rilla, Don Tone und Samy Deluxe. Zwei Singles, ein Video sowie eine Promo-Tour zum Album: Das Geld von EMI, das hinter Deluxe Records steckt, machts möglich. Die Fangemeinde, ohne die gar nichts geht, die haben sich Snaga und Pillath allerdings bereits aus dem Untergrund mitgebracht.

Ebendiese rettet das gewichtige Doppel auch nach dem Aus bei Deluxe Records über die Runden. Statt mit dem Labelboot unterzugehen, nehmen Snaga und Pillath ihr Schicksal in die eigenen Hände und veröffentlichen fortan über die eigene Platform Ruhrpott Illegal.

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Snaga & Pillath - II: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2009 II

Kritik von Dani Fromm

Niveau is' alle jetzt, ab jetzt gibt es Pimmel. (0 Kommentare)

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