Porträt

laut.de-Biographie

Slightly Stoopid

Der kalifornische Way of Life ist nicht zum ersten Mal musikalisches Thema, man denke an die Beach Boys, die Eagles, Sublime, Grateful Dead oder jüngst Jack Johnson. Slightly Stoopid, die Truppe um die zentralen Figuren Miles Doghty und Kyle McDonald, fügt sich nahtlos in diese illustre Aufzählung ein.

Slightly Stoopid - Live & Direct: Acoustic Roots Aktuelles Album
Slightly Stoopid Live & Direct: Acoustic Roots
Im ZDF-Fernsehgarten würde man sofort mitklatschen.

Miles und Kyle kennen sich, seit sie ein und zwei Jahre alt sind. Von einer Sandkastenfreundschaft kann keine Rede sein - kein Mensch braucht Sandkästen, in Ocean Beach, San Diego. Wie es sich für kalifornische Jungs gehört, wachsen die beiden quasi am Strand auf. Keine Frage: Natürlich sind sie Surfer. Und wenn man gerade nicht surft, dann spielt man Surfpunk. Konsequenz ist alles. Verstärkt werden die beiden Multiinstrumentalisten (beide spielen Gitarre, Bass und singen, Kyle vergreift sich darüber hinaus gelegentlich an den Keyboards und am Schlagzeug) durch Keyboarder Ryan Moran und Percussionist Oguer Ocon.

1995, Miles und Kyle gehen noch zur Highschool und treten gelegentlich in Bars auf, wird Bradley Nowell, Frontmann von Sublime, auf die beiden aufmerksam und nimmt sie umgehend auf seinem Label Skunk Records unter Vertrag. Für Miles und Kyle, riesige Sublime-Fans (Sublime gelten schließlich als DIE Surfpunk-Formation der 90er), gehen Teenagerträume in Erfüllung. Nowell bringt ihnen den Reggae nahe, der mehr und mehr Einzug in den Slightly Stoopid-Sound halten soll. Allerdings existieren bereits solide Grundlagen: Miles hört seit seinen Kindertagen Reggae-Musik.

Das 1996 erscheinende, schlicht "Slightly Stoopid" betitelte Debüt gerät allerdings noch ausgesprochen punkig. Mentor Nowell beteiligt sich bei einem der Tracks an Bass und Tambourin. "Slightly Stoopid" ist seit 1998 vergriffen. Die CDs erweisen sich als hervorragende Geldanlage: Sie erzielen bei Ebay mittlerweile mehr als absurde Preise von 200 bis 400 Dollar. Da soll noch einer sagen, Fans seien nicht vollkommen irre. "Slightly Stoopid" wird 2005 in einer Auflage von 5000 Exemplaren auf Vinyl neu herausgegeben. Wucherer sollten sich also schon mal danach umsehen.

Noch im Jahr 1996 stirbt Nowell an einer Überdosis Heroin. Seine musikalische Saat geht dennoch auf: Slightly Stoopids Nachfolge-Album "The Longest Barrel Ride" (1998, ebenfalls bei Skunk Records) gerät nicht nur wesentlich besser produziert als der Erstling, sondern auch bei weitem Reggae-lastiger. In bester Punk-Manier wird auf einen Vertrieb weitgehend verzichtet; Slightly Stoopid erreichen auch so ordentliche Verkaufszahlen. Wie das?

Die Combo befindet sich mehrere Jahre lang nahezu ausschließlich auf Tour. Zweihundert Live-Shows im Jahr sind normal, mindestens zweistündige Auftritte an fünf Tagen pro Woche die Regel. Dabei wird großer Wert auf persönlichen Kontakt zu den Konzertbesuchern gelegt: Resultat ist eine stabile Fanbasis, die sich unter dem Namen "Ese Locos" oder "Stoopidheads" zu einem regelrechten Street-Team formiert. Slightly Stoopid geben unter anderem den Support-Act für die Marley Brothers, Sublime, die Roots, G. Love And Special Sauce, die Red Hot Chili Peppers, Blink-182, N.E.R.D. und Toots and the Maytals.

Präsentierten die ersten beiden Alben auf Skunk noch weedgeschwängerten, südkalifornischen Skatepunk mit einigen Thrash- und Reggae-Elementen, wagen Slightly Stoopid 2001 etwas ganz Neues: Im Rahmen einer Radiosession bei San Diegos Rock 105.3 spielen sie "Live And Direct: Acoustic Roots" ein. Kyle und Miles greifen beide zur Akustikgitarre und gewähren Einblicke in die Entstehungsgeschichte ihrer Songs, denn: "Die meisten Ideen kommen uns ohnehin beim Jammen, unplugged auf der Couch", so Miles im Interview. Knappe vier Jahre später ist "Acoustic Roots" auch schon auf dem europäischen Markt erhältlich.

Slightly Stoopid schlagen drei Vertragsangebote von Majorlabels aus. Sie legen großen Wert auf ihre künstlerische Unabhängigkeit: "Wir haben zu hart gearbeitet, um uns jetzt von anderen Leuten vorschreiben zu lassen, was wir zu tun haben, und wie." Die logische Konsequenz wäre ein eigenes Label. "Acoustic Roots" liefert hierfür sozusagen die Starthilfe. Das dritte Studioalbum allerdings, "Everything You Need" (2003), nehmen Slightly Stoopid in Zusammenarbeit mit dem Indie-Label Surfdog Records auf. Inzwischen dominieren Pop und Hip Hop den Sound; nur noch gelegentlich werden Ausflüge in den Surfpunk unternommen.

2005 erscheint mit "Closer To The Sun" das erste in vollkommener Eigenregie produzierte Album. Acoustic Rock, Ska, Dub und Reggae, entspannte Hip Hop-Beats und Anleihen aus Folk und Blues treffen auf den Punk vergangener Tage. Chris D, Hausproduzent von G. Love, hat seine Hände an den Reglern, ebenso ist die Dub-Legende Scientist involviert. Bei "Somebody" wird das verblichene Wu-Tang-Clan-Mitglied Ol'Dirty Bastard gesamplet, die Vocals zu "See It No Other Way" stammen von Barrington Levi. Die Surf-Musik erreicht durch die Mischung Slightly Stoopids wahrhaftig das nächste Level.

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