Porträt

laut.de-Biographie

Rustie

"In diesem aufrührerischen jungen Hirn geht innerhalb von zehn Minuten mehr ab, als in der kompletten Karriere manch anderer." Mitte 20 ist Russell Whyte, als er Mary Anne Hobbes von BBC Radio 1 anlässlich seiner "Bad Science"-EP zu solcher Begeisterung hinreißt. Wie ein tropischer Regensturm, der in einem Handy gefangen sei, klingen seine Ergüsse laut NME.

Gemeinsam mit dem ebenfalls aus Glasgow stammenden Hudson Mohawke verkörpert er anno 2009 die neue Generation der elektronischen Avantgarde, die, wie könnte es anders sein, in der unmittelbaren Umgebung von Warp Records ihre Geburtsstunde feiert. Anders als die Labelgrößen Flying Lotus oder Aphex Twin findet Rustie seine Ursprünge und Innovationen allerdings nicht im Jazz.

Er ist eher der Playstation- oder allerhöchstens Gameboy-Jahrgang, dessen Konsolenlebenslauf sich immer wieder in Midi-ähnlichen Synthiesounds niederschlägt. Die vereinen sich letztlich in einer Kolchose aus Hip Hop, Dubstep, Grime und Trance. Um seinen expressiven Tech-Mix zu bewerben, erfindet der Veranstalter eines Gigs kurzerhand eine neue Genrebezeichnung: Aqua-Crunk.

Ein recht einzigartiger Umstand, der Rustie in einen nicht gerade bescheidenen Idealismus treibt: "Vor kurzem wollte mich Eminems Label signen. Sie sagten mir, ich könnte Beats für Leute wie Beyoncé produzieren. Der Vertrag sah aber scheiße aus. Ich habe keine Lust, meinen Arsch zu verkaufen."

Zum Ende seiner Teeniejahre legt er die Gitarre beiseite und widmet sich ganz Turntables und Produktionssoftware. Seinen Stil findet er jedoch erst nach zwei bis drei Jahren Spielerei. "Ich hab eine Zeit lang ein paar Sachen an Stuff Records geschickt, aber das meiste Zeug war Müll." Etwa in die gleiche Zeit fällt die Gründung der Künstlergemeinschaft und des späteren Labels LuckyMe.

Das Kollektiv macht es sich zunächst zur Aufgabe, den weißen Fleck mit der Form von Schottland auf der Hip Hop-Landkarte zu tilgen, wächst jedoch mehr oder weniger unfreiwillig zum Innovativsten, Originellsten und vor allem Jugendlichsten heran, das die schottische Kunst- und Musikszene zu bieten hat.

Bevor er Mitglied wird, kommt Rustie auf verschiedenen Partys in und um Glasgow immer wieder in Kontakt mit den abgesehen von Hudson Mohawke außerhalb der Highlands weitgehend unbekannten Kollegen.

Rustie hingegen macht sich schnell einen Namen, Remixe von Zombys "Spliff Dub" für Hyperdub und Jamie Lidells "Another Day" für Warp ebnen den Weg zu seinem ersten Langspieler, dem zunächst jedoch die viel beachtete EP "Bad Science" und die Single "Zig-Zag" auf Wireblock sowie eine Veröffentlichung des Voltaic-Projektes auf Point.One vorausgehen.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich zu den europäischen Labels große amerikanische gesellen. Denn Interesse an einer Kooperation im Bereich Hip Hop oder R'n'B hat Rustie laut Spex allemal. Er muss dabei ja nicht zwingend seinen Allerwertesten verscherbeln.

News

Alben

Videos

Video Video wird geladen ...

Noch keine Kommentare