Porträt

laut.de-Biographie

Danny Brown

Verfallen, verlassen und von Arbeitslosigkeit zerfressen, steht Detroit als Archetyp für städtischen Verfall. Industrie und Bevölkerung sind längst abgewandert, während die Mordrate unter den höchsten landesweit rangiert. Jack White, eines der vielen unerwarteten Role Models des Daniel Sewell, ging nach Nashville. Andere berühmte Musiker der Stadt aus der Hip Hop-Szene gingen, wie J Dilla, für immer.

Danny Brown: "25 Bucks" mit Purity Ring
Danny Brown "25 Bucks" mit Purity Ring
In Danny Browns neuem Clip aus seinem aktuellen Album "Old" steht die Zeit still. Der Rapper selbst aber bleibt wie immer in Bewegung.
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In und aus diesem gesellschaftlichen Abwärtsszenario heraus agiert Sewell. Unter dem Künstlernamen Danny Brown trifft der 1981 im verrufenen Detroiter Bezirk Linwood geborene Rapper seit den 2010er Jahren einen wichtigen Nerv. Auf elaborierte Weise mischt der ehemalige Kleinkriminelle autobiografische Beschreibungen seines prekären Alltags ("blunts, bricks of cocaine, and being broke"), pointierte Popreferenzen und einen äußerst kruden Humor zusammen.

Wie das Verhältnis Zynismus zu drogeninduziertem Empathieverlust beim Midwestler genau ausfällt, lässt sich nicht exakt bestimmen. In jedem Fall beinhaltet seine schillernde Persönlichkeit einen guten Anteil Wahnsinn, wie schon der rohe Rapstil zeigt. Die überdrehten Vorträge bringen Danny Browns rastlosen Charakter sofort ans Tageslicht - individueller klang auch Dizzee Rascal nie. Ständig unter Strom, verkörpert er den Crack-Junkie genauso wie den schizoiden Choleriker. "Aufreibend und frei" lautet die süffisante Selbstbeschreibung im Interview.

Obwohl mit Nas' "The World Is Yours" aufgewachsen ("Ich habe mich dazu jahrelang für die Schule fertiggemacht"), sieht Brown sich nicht ausschließlich den Hip Hop zugehörig. Im Rahmen einer Performance zum Gedenken an den legendären Stilfusionisten J Dilla betont er auch seinen House- und Techno-Hintergrund: Vater Charles ist 16 Jahre jung und House-DJ, als sein Sohn zur Welt kommt.

Danny Brown - Old Aktuelles Album
Danny Brown Old
Reißt die Clubs ab wie Detroiter Baufirmen.

Obgleich diese Elemente seine Musik nicht dominieren, liegen Sewell Genrescheuklappen fern. Auf dem Durchbruch-Gratisalbum "XXX" kommen adipöse Elektrobässe so problemlos unter wie Elemente aus Gangsterrap, UK Grime oder der Rockdramaturgie entlehnte Ausbrüche. Zu den entfernten Verwandten zählen Acts wie A$AP Rocky, Death Grips und Killer Mike.

In hippen Skinny Jeans, mit kruder Frisur, Lederjacke und fehlenden Vorderzähnen gewinnt das Faszinosum Danny Brown (MTV: "one of rap's most unique figures in recent memory") mit jenem Album auch die Trendavantgarde für sich. Bei Pitchfork etwa begeistert man sich schon länger für Browns traditionelle Street Lyrics auf experimentellem Sound. Der Künstler selbst greift zur Blunt und nimmts gelassen. Zwar wollte er, wie er erzählt, seit Kindergartentagen Rapper werden; um Geld oder Ruhm ging es ihm aber nie.

Möglicherweise liefert das - neben Browns offenkundiger Drogenneigung - auch Erklärung dafür, dass die Plattendeals mit Roc-A-Fella und G-Unit trotz gegenseitiger Zuneigung und Einladungen nach New York letztlich nicht zustande kommen. Lieber gibt er, der seine Karriere 2003 als Teil der Rapgruppe Rese'vor Dogs beginnt, erst dem Indie Rappers In Know und schließlich für "XXX" DJ A-Traks Fool's Gold Records die Unterschrift.

Andererseits: "Es hat wegen meiner Jeans nicht geklappt. Fifty stand auf meine Musik, aber nicht auf mein Aussehen." Wieder grinst Danny breit. Immerhin zum Split-Album "Hawaiian Snow" mit Tony Yayo hat es ja offensichtlich gereicht - und zur Hip Hop-Platte des Jahres im Spin Magazine.

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Alben

Danny Brown - Old: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2013 Old

Kritik von Stefan Johannesberg

Reißt die Clubs ab wie Detroiter Baufirmen. (0 Kommentare)

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