Porträt

laut.de-Biographie

Hudson Mohawke

Drei Jahrzehnte nach Gründung von Postcards Records, die mit Orange Juice und den Go-Betweens die New Wave/Post-Punk Epoche geprägt hatten, läuft ihnen ein gerade Jungspund den Rang ab.

"Butter" heißt die Debüt-LP des Glasgower Russ Birchard, den der Guardian umstandlos zum legitimen Nachfolger und neuen Vertreter des 'Sound Of Young Scotland' kührt. Zusammen mit seinen Kollegen vom Künstlerkollektiv LuckyMe, zu dem unter anderem auch die nicht minder gefeierten Rustie und Mr. Copy zählen, führe er die Tradition fort, wenn auch in einem anderen Genre: andersartige Sounds mit sprudelnder Independent-Seele.

"Ich versuche einfach nur Klänge zu kreieren, an die das Ohr noch nicht so gewöhnt ist", umschreibt der Shootingstar, dem Warp nur zu gerne einen Vertrag aufsetzt, sein Schaffen. "Angesichts der Standards dieses Label ist es echt harte Arbeit, dem gerecht zu werden. Ich dachte erst 'Shit, ich muss alles, was ich gemacht habe nochmal überdenken' - obwohl man das natürlich nie tun sollte. Sie kamen ja schließlich auf mich zu, weil sie mochten, was ich mache."

Der Rummel um seine Person ist ihm indes weniger geheuer. Lange versucht er, seinen bürgerlichen Namen geheim zu halten und steht für Bilder nur äußerst ungern zu Verfügung. Ein Grund dafür ist ein unautorisierter Remix von Tweets "Oops (Oh My)", ursprünglich eine Timbaland-Produktion, die im Jahr 2008 als Bootleg im Internet für Furore sorgt.

Das DJ-Handwerk lernt Hud Mo von der Pike auf. Sein aus Los Angeles stammender Vater hat in den 1980ern eine kleine Radioshow in Glasgow. Die Vinylscheiben, die Papa nach Hause mitbringt, landen zumeist auf Sohnemanns Plattenspieler. Mit elf liegt sein erstes Paar Decks unter dem Weihnachtsbaum, 2003 qualifiziert er sich mit 15 Lenzen als bis dato jüngster Teilnehmer aller Zeiten für das UK DMC-Championships-Finale.

In seinem jugendlichen Leichtsinn verliert er alsbald die Lust an Scratches und Cuts: "Irgendwann wurde mir bewusst, dass mir die Szene, der ich nahezu 100% meiner Zeit opferte, außer dieser DMC-Trophäe eigentlich nichts bieten konnte. Ich hatte die technische Seite satt und begann, Musik wieder als Zuhörer zu genießen." Glücklicherweise stößt er kurze Zeit später auf Dominic Flannigan alias Dom Sum, einen Stundenten an der Glasgow School of Art, der ihn für LuckyMe begeistern kann. "Wir wollen mehr sein als nur eine dieser Standard-Hip Hop-Kollektive mit ihren schreienden Mitgliedern", umschreibt Hud die lose Vereinigung.

Er selbst definiert dieses in stillschweigendem Einverständnis definierte Credo als einen überbordenden Hybrid aus dreckigem Hip Hop und Elektro, gespickt mit primitiven Rave-Tunes und zur Unkenntlichkeit bearbeiteten Vocal-Samples. Eine Folge seiner Sozialisation, die die für Warp typischen Punkte Free Jazz und Aphex Twin rotzfrech einfach nicht berücksichtigt und in den Billboard-Charts ihren Usprung hat: DJ Premier, Pete Rock, D.I.T.C. einerseits, die frühen Neptunes und Timbaland - oder wie er es nennt: "amerikanischer Science-Fiction-R&B" - andererseits.

"Mittlerweile bevorzuge ich den Mainstream, um ehrlich zu sein. Jahrelang habe ich mir Underground-Hip Hop reingezogen, aber er hat sich einfach nicht dahin entwickelt, wo er sich hätte hinentwickeln sollen. Natürlich ist 80% des Mainstreamzeugs mies, aber es gibt einige Sachen, die Hip Hop weiter voranbringen als der sogenannte Untergrund." Dahingehend lässt sich Hudson Mohawke, den die Spex als Mitentscheider der "Zukunft des sequenzierten Grooves" bezeichnet, tatsächlich nichts vormachen.

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Hudson Mohawke - Butter: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2009 Butter

Kritik von David Hilzendegen

Ein Holzhammer, der Prince, die Neptunes und Prefuse zermatscht. (0 Kommentare)

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