Porträt

laut.de-Biographie

Krisiun

Dass es im brasilianischen Busch ab und an auch dann mächtig rappelt, wenn nicht gerade ein Affe vom Baum fällt, haben Sepultura schon bewiesen. Dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt, zeigen Krisiun (frei übersetzt: Meere der Scheußlichkeiten) seit geraumer Zeit.

Drei Langhaarige, die sich ihre Jugend im heimischen Rio Grande Do Sol eigentlich eher mit Black Sabbath und Dio vertreiben, plötzlich aber in den Genuss von Slayers "Show No Mercy" und Morbid Angels "Altars Of Madness" kommen, rufen 1990 die Band ins Leben.

Ab diesem Zeitpunkt sitzt die Hose stramm, und der Wind bläst nur noch in eine Richtung, was das Trio, namentlich die Kolesne-Gebrüder Moyses (Gitarre) und Max (Drums) sowie Basser/Shouter Alex Camargo (der den Mädchennamen der Mutter als Nachnamen gewählt hat) dazu veranlasst, sich schleunigst Instrumente zu beschaffen und es den Vorbildern gleich zu tun. Zwischenzeitlich sind sie als Quartett mit Altemir Souza an der zweiten Gitarre unterwegs, doch der verabschiedet sich bald in Richtung Torture Squad.

Nach zwei Demos entschließen sich Krisiun, nach Sao Paulo zu ziehen, und kommen tatsächlich an einen Deal mit dem brasilianischen Indie-Label Dynamo Records. Dort erscheint 1993 die EP "Unmerciful Order", das sie ursprünglich noch selbst finanzieren und in Eigenregie aufnehmen. Auch die erste Full Length-Scheibe "Black Force Domain" kommt zunächst über Dynamo raus, ehe man bei GUN Records das Potenzial der Truppe erkennt und sie unter Vertrag nimmt.

Schon zu diesem Zeitpunkt gehen Krisiun in Europa auf Underground-Tourneen. Doch auch größere Shows mit Kreator, Dimmu Borgir, Napalm Death oder Morbid Angel sind bis 1998 für die Jungle-Bros. drin. "Apocalyptic Revelation" erscheint ebenfalls noch über GUN. Eine Headliner-Tour mit Soilwork als Support festigt den Ruf als Brasiliens talentierteste und extremste Band.

1999 bietet sich den Südamerikanern endlich die Möglichkeit, den nördlichen Nachbarkontinent mit Incantation und Angel Corpse zu beackern. Unter anderem machen sie auf dem renommierten Milwaukee Festival Station und können sich anschließend den besten Deal mit einem neuen Label aussuchen. Century Media macht das Rennen und schickt die Herren ins Studio. Aufgenommen wird der Rundling unter Regie vom damaligen Morbid Angel-Klampfer Erik Rutan (jetzt Hate Eternal) und Andy Classen (Ex-Richthofen, Holy Moses) in dessen Stage One Studio in Bühne.

Ende 1999 geht endlich ein Traum für die Jungs in Erfüllung: Sie stehen mit Morbid Angel auf der Bühne, mit denen sie seitdem ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegen. "Conquerors Of Armageddon" erscheint 2000, im Anschluss geht es auf eine 120-Gigs-Marathon-Tour durch mehrere Kontinente.

Trotzdem stehen Krisiun beinahe ohne Pause wieder im Studio, um diesmal mit Produzent Thcelo Martins im Creative Sound Studio in Sao Paulo, "Ageless Venomous" einzuknüppeln. Wie auch schon auf dem Vorgänger, verpflichten sie Joe Petagno fürs Cover-Artwork, der auch schon für Motörhead künstlerisch tätig war. Die neue Scheibe zeigt wieder einmal, wie leicht das Trio extremen Death Metal mit aberwitziger Geschwindigkeit und technischer Finesse paart und ähnliche Acts dieses Genres verdammt alt aussehen lässt.

Entspannung scheint für Krisiun ein Fremdwort zu sein, denn nach insgesamt 150 Shows (mit Marduk, Nile, Cannibal Corpse oder Dark Funeral) entern sie beinahe umgehend wieder die heimischen Bebop Studios und lassen sich produktionstechnisch von Pierre Rémillard (u.a. Cryptopsy, Gorguts, Anvil) unter die Arme greifen. Dieser mischt das Album in seinem eigenen Studio in Kanada ab.

"Works Of Carnage" erscheint Ende September 2003. Bis dahin haben Krisiun schon wieder eine kurze Südamerika-Tour absolviert und sitzen in den Startlöchern, um mit Deicide und Hate Eternal durch die USA zu brettern. Die geplante DVD "Live Armageddon" erscheint Anfang 2004.

Da Urlaub nur etwas für Weicheier ist, verkrümelt sich das Trio recht schnell wieder ins Studio, um dort ein paar Songs einzuschroten. Diese veröffentlichen sie unter dem Titel "Bloodshed" zusammen mit den vier Tracks der ersten "Unmerciful Order"-EP. Da auch drei In-, beziehungsweise Outros auf der Scheibe sind, ist der Kauf eher was für Die-Hard Fans, auch wenn die neuen Songs einen gewissen Reiz haben, da die Brasilianer nicht mehr nur die Geschwindigkeitsgrenze ausloten.

Den Sommer 2005 über sind Krisiun mit Hate Eternal, Incantation, Into Eternity und All Shall Perish in den USA auf Tour, setzten anschließend aber nach Deutschland über, um auf dem Summer Breeze 2005 zu spielen und danach am nächsten Album zu arbeiten. Dafür gehen sie erneut zu Andy Classen und spielen dort "Assassination" ein. Das Album erscheint Ende Februar 2006 und setzt ebenfalls nicht mehr nur auf Tempo, sondern auch auf Eingängigkeit. Inzwischen steht sogar das Veröffentlichungsdatum für die DVD im selben Jahr fest.

Nachdem sie im Herbst des Jahre wieder in den USA ihre Runden gedreht haben, steigen Krisiun tatsächlich aus den geplanten Dates der X-Mas-Festivals in Europa wieder aus. Dafür geht es im Frühjahr wieder nach Europa, um dort mit Immolation und Grave die Clubs zu beackern. Damit nicht genug, folgen sowohl in den USA als auch in Europa immer weitere Touren, ehe sie im November endlich ein wenig kürzer treten und sich an die Arbeiten zum nächsten Album machen.

Die Aufnahmen laufen im April 2008 wieder bei Andy Classen in Deutschland ab. "Southern Storm" liegt Mitte Juli in den Regalen. Wie nicht anders zu erwarten, ist der Rest des Jahre schon wieder mit Touraktivitäten ausgefüllt. Nachdem Brasilien und Chile dran waren, sind sie im November im Rahmen der "Hammer Battalion"-Tour mit Unleashed und One Man Army And The Undead Quartet in Europa unterwegs.

Mit Überraschungen muss man bei Krisiun musikalisch kaum noch rechnen. So treu, wie die Brüder dem Death Metal in all seinen Facetten bleiben, bleibt wohl kaum ein Mann seiner Frau.

Alben

Krisiun - Bloodshed: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2004 Bloodshed

Kritik von Michael Edele

Der Sound ist mit unterirdisch noch schmeichelhaft umschrieben. (0 Kommentare)

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Live auf dem Summer Breeze 2005 Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste.

Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele) Auch nach Sepultura thrasht Brasilien auf's Heftigste., Live auf dem Summer Breeze 2005 | © LAUT AG (Fotograf: Michael Edele)

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