Porträt

laut.de-Biographie

Knarf Rellöm

Frank Möller ist der etwas andere Sexgott, der irgendwann auf die Idee kommt, dass sein Name rückwärts gesprochen viel besser vor R.E.M. einsortiert werden kann - und Knarf Rellöm klingt einfach sexy. Manchmal fügt er noch ein "Ladies Love" oder zum Album "Einbildung ist auch ne Bildung" ein reimendes "with the Shi Sha Shellöm" hinzu. Mit jeder neuen Platte verändert sich sein Name, und jede Veröffentlichung ist ein Kunstwerk für sich.

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Auf die Fehler im System Popmusik macht Herr Rellöm immer wieder gerne aufmerksam. 1999 heißt es "Fehler Is King", und im Grunde seines Herzens liebt er den Pop. Denn schließlich ist dieser ganze Dreck, der von Morgens bis Abends in den Medienknästen gezeigt wird, sein Arbeitsmaterial. Rebellische Texte mit viel Sprachwitz, eingepackt in wummernde Bässe und elektronische Experimente. Plus jede Menge Rock'n'Roll-Gitarren machen nicht nur die Platten zu einem musikalischen Hörgenuss. Für seine Live-Shows ist der Mann längst legendär, und gemeinsam mit DJ Patex (Groove it, Baby) und Viktor Marek (Elektronik-Gott) rumpelt er laut und mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein jede Bühne, egal wie groß sie ist.

Ganz unter dem Motto "Scheiß Kapitalismus" erscheint 1990 das Debütalbum seiner ersten Punkband Huah! Diese Parole ist noch heute aktuell, und gerade in Zeiten von "Superstars" und "Medienidioten" wichtiger denn je. Knarf Rellöm in eine Schublade zu stecken, fällt schwer. Rock'n#Roll steht an erster Stelle, gepaart mit Soulpunk, Elektronik und Country- Style. Tanzbare Disco-Schwünge sind auch zu hören, und bittersüße Liebesballaden lassen einen willenlos dahin schmelzen. "Du nervst mich schwer", ein Titel der 1997 auf dem Album "Bitte vor R.E.M. einordnen" erscheint, sollte man nicht seinem Ex-Freund, seiner Ex-Freundin oder dem Erzfeind vorenthalten. Seine politischen Parolen packt er gekonnt in seine bestechende Musik ein. Was die Toten Hosen nie geschafft haben, klappt in unseren Breitengraden nur noch mit den Goldenen Zitronen und Surrogat. Knarf Rellöm selbst sagt dazu: "Pop ist ein grundsätzlich kapitalistisches Segment, in dem sozusagen der Kapitalismus ganz selten mal (aber dann mit großer Freude) mit den eigenen Waffen geschlagen werden kann."

Vier lange Jahre hat es gedauert, bis Knarf Rellöm sein mittlerweile drittes Album unter diesem Namen veröffentlicht. Mit "Einbildung Ist Auch Ne Bildung" ist der Punkrocker 2004 endlich wieder in aller Munde. Das heißt natürlich nicht, dass er sich in dieser Zeit auf die faule Haut legt. Im Gegenteil. Der Kosmopolit zieht in die schöne Schweiz, eröffnet die Sue Ellen Bar in Zürich, sammelt fleißig Material für seine neuen Songs, tüftelt gemeinsam mit Vikor Marek und DJ Patex an gut gelaunten Sounds und veröffentlicht hier und da mal eine Single für diverse Sampler. 2003 gibt es eine großartige Splitsingle gemeinsam mit Saalschutz.

Als Headliner vom Wir Sind Fucking Independent-Festival in Köln lässt er den Club aus allen Nähten platzen, egal wie krank er und seine Bandmitglieder auch sind. Man muss ihn einfach lieb haben. Und wenn es einen gibt, dem man ein Haus am Meer, zwei Autos und eine Jacht gönnen sollte, dann ist es Knarf Rellöm. O.k., ist alles Spießerkram. Dann sollte wenigstens die Kohle fürs nächste Album gesichert sein. Kauft mehr Knarf Rellöm-Platten!

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