Porträt

laut.de-Biographie

Delinquent Habits

Als sich 1991 in Los Angeles die Delinquent Habits formieren, haben sich N.W.A. soeben aufgelöst. Anstatt wie ihre Übervorgänger Texte um das harte Leben der Pimps und Hos zu stricken, verschreiben sich die "Tres Delinquentes" einem eher partytauglichen Sound: "Für uns ist das Leben keine lebenslange Haftstrafe."

Mit den Kollegen von Cypress Hill zählen sie in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zur Speerspitze des Latino-Hip Hops. Die Habits verarbeiten Einflüsse aus Hip Hop, Alternative und Classic Rock und Blues und kombinieren Funk, Beats und Mariachi-Trompeten mit Texten in einer eigenen Mischung aus Spanisch und Englisch. Dafür verantwortlich zeichnen die Rapper Ives S. Martin und Kemo The Blaxican (bürgerlich: David L. K. Thomas) sowie Alejandro R. Martinez, besser bekannt als DJ O. G. Style.

1996 gelingt mit "Tres Delinquentes" ein weltweiter Erfolg, der nicht nur in Hip Hop-Kreisen zum Alltime-Klassiker aufsteigt. Im Fahrwasser der Single, die auch Pop- und R'n'B-Publikum zum Kochen bringt, wandern über eine Million Exemplare des Debüts "Delinquent Habits" über die Verkaufstresen. Für die Produktion zeichnet neben O. G. Styles Cypress Hills Sen Dog verantwortlich.

Der steht auch für das Nachfolge-Album parat und holt zudem noch Mellow Man Ace an Bord: "Here Comes The Horns", garniert mit einem Gastauftritt Big Punishers, erscheint 1998. Die Bühnenpräsenz der Habits ist ungebrochen, dennoch verkauft sich der zweite Streich nicht annähernd so gut wie der Erstschlag. Die Ursache sehen Kemo & Co. vorwiegend in mangelhafter Promo-Arbeit seitens ihres Labels.

Die Lösung des Problems liegt auf der Hand: Was andere nicht fertig bringen, muss man selber machen. Die Delinquent Habits gründen mit Station 13 Records ihre eigene Plattenfirma. "Wenn wir es an die Wand fahren, müssen wir eben mit den Konsequenzen leben", so Kemo in einem Interview. "Im Fall, dass wir erfolgreich sind, landet das Geld dann allerdings direkt bei unseren Familien und nicht in den Taschen irgendwelcher Labelfritzen."

2001 startet mit "Merry Go Round" der erste Versuch in Eigenregie und siehe da: Von "die Sache an die Wand fahren" kann keine Rede sein. Neben zahlreichen Feelgood-Songs ziehen die Habits eine Überraschung aus dem Hut: Sängerin Michelle, eine alte Bekannte Ives', unterstützt die Herren stimmgewaltig am Mikrofon. Touren mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Fugees, Korn oder Beck beweisen: Nach wie vor verfügen die Mariachi-Rapper über enormes Crossover-Potenzial.

Das nächste Album tendiert musikalisch wesentlich stärker hin zum Hardcore. "Freedom Band" von 2003 erscheint ebenfalls unter dem Dach von Station 13, wo man sich mittlerweile nicht mehr nur als Selbstvermarkter sondern auch als Plattform für andere spanischsprachige Künstler versteht. "Wir sind sehr glücklich, dass sich Latino-Hip Hop in eine Richtung bewegt, die wir eingeschlagen haben", so das stolze Statement auf der Homepage.

Nach "Freedom Band" verlässt mit Kemo The Blaxican das einzige wirklich zweisprachige Mitglied die Band. Kemo versucht sich fortan im Alleingang und debütiert 2004 mit seinem Solo-Album "Simple Plan". Die Habits rocken auch ohne ihn weiter. Michelle sitzt inzwischen schon längst fest mit im Sattel.

Tracks der Delinquent Habits finden Verwendung in Soundtracks und zahlreichen Computerspielen. Ein Sportartikelhersteller bedient sich für einen Werbespot der Hymne "Return Of The Tres". Bis zu deren tatsächlicher Rückkehr geht allerdings einige Zeit ins Land. Erst 2006 erscheint, überraschenderweise beim Schweizer (!) Label PW Records "New & Improved".

Nachdem 2009 auch O. G. Style ausgestiegen ist, bleibt Ives als einziges Gründungsmitglied zurück. Er siehts gelassen: "Ich kann nun selbständig über alle Aspekte der Musik entscheiden, angefangen bei den Lyrics über die Beats bis hin zu den Leuten, mit denen ich arbeiten will." So entsteht "The Common Man" unter anderem in Zusammenarbeit mit Sick Jacken, Andre Horstmann und den Superstar DJs.

Am Sound hat sich, obwohl inzwischen auch kritischere Töne angeschlagen werden, wenig geändert, und noch eine andere Sache ist gleich geblieben: Die Bühnenshows der Delinquent Habits erweisen sich ungebrochen als überaus schweißtreibende Angelegenheit. Nach wie vor wird an die ersten Reihen großzügig Tequila ausgeschenkt. Die Frage "Are you motherfuckers crazy enough to drink with us?" gestattet letztlich nur eine Antwort.

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