Porträt

laut.de-Biographie

Brooke Candy

Brooke Dyan Candy (Jahrgang 1989) ist das Amalgam verschiedenster Einflüsse. Die L.A.-Rapperin vereint die feministische Reclaim-Attitüde einer Lady Bitch Ray oder Peaches, die provokante Optik und Modeaffinität Lady Gagas und die Genre-Führerschaft der Slutwave genannten Pop-Bewegung auf sich. Das Drumherum der bei Sony gesignten Internet-Newcomerin ist mindestens genauso wichtig wie die Musik.

Als wohlsituierte Tochter des Finanzvorstands des Männermagazins Hustler zeigt sich Candy von einem Praktikum bei Celebrity-Stylistin Rachel Zoe schnell gelangweilt – und bewirbt sich bei Hustler-Legende Larry Flynt um einen Job als Fotografin. Der stellt sie aber lieber ins Schaufenster der Hustler-Filialen, wo die Kalifornierin Mannequins möglichst aufreizend stylen soll.

Aber auch das reicht dem späteren Aushängeschild einer Diesel-Modekampagne bald nicht mehr. Sie wendet sich dem professionellen Striptease zu. "Azealia Banks hat als Stripperin nach drei Wochen den Job geschmissen. Ich habe das acht Monate gemacht. Prostitution kam für mich aber nicht in Betracht – allerdings würde ich Pornos nicht ausschließen", zeigt sich die frühere exotische Tänzerin auch im Interview offen. 2014 wird sie von Starfotograf Terry Richardson für den Playboy abgelichtet.

Einen Widerspruch zwischen emanzipatorischem Anliegen und Zurschaustellung des eigenen Körpers sieht Brooke Candy nicht. So präsentiert sie sich auch in ihren Musikvideos in sexuell aufgeladenen Posen: als Pole-Tänzerin mit rosa Braids, als Plateau-besohltes Cyborg-Alien, wie es Jahre zuvor schon Robyn, Kelis oder Christina Aguilera taten, und vor allen Dingen als mit extremem Make-up und extraordinären Glitzeroutfits hochgezüchtete Trap-Rap-Amazone.

Dementsprechend tragen die Songs kampfbereite Titel wie "I Wanna Fuck Right Now" und "Pussy Make The Rules". Sie sehe sich als Sprachrohr für sexuell unterdrückte Frauen und Homosexuelle, unterstreicht Candy, die sich selbst als bixexuell bezeichnet. "Mein Hauptziel ist es, Frauen zu ermächtigen und die Grenzen einzureißen, wie Frauen sich sexuell verhalten sollten. Der Begriff 'Slut' ist heutzutage ein Kompliment."

Während sie also twerkend wie ihre Freundin Miley Cyrus Männer in Umkehrung von sexistischen Hip Hop-Klischees auffordert, mit ihren Penissen zu wackeln, steht die Musik mitunter hintan. Allerdings bezieht sich die Kalifornierin, die erstmals in Grimes' 2012er "Genesis"-Clip zu sehen ist, in ihrem trashy Selbstverständnis stark auf Lil' Kim, Gwen Stefani und Christina Aguileras "Dirrty"-Phase.

"Jeder, der mich kennt, weiß, ich bin total Hood. Ich kann jederzeit ein paar echte Hood-Motherfuckers anrufen, die wegen Polizistenmord 25 Jahre im Knast gesessen haben. That's my Lifestyle", proklamiert die Rapperin. Dass sie mit ihrer Mischung aus aggressiven Rap-Shouts auf Dubstep-Beats oder Major Lazer-Sound stark an Kolleginnen wie Iggy Azalea, Azealia Banks, Charli XCX sowie Nicki Minaj erinnert, übergeht sie dabei geflissentlich.

Schließlich weiß sie für ihre Debüt-EP "Opulence" (2014) eine starke Entourage aus Fotografen, Modeikonen, Musikproduzenten (Sia, Diplo), Kostümdesignern und Choreografen hinter sich. "Ich könnte eine Abschlussklasse über Rollenspiel anleiten. I'm so next-level", sagt die Performerin, die auch bei der Mailänder Modewoche anzutreffen ist. Der Stripper-trifft-Tumblr-Eklektizismus ihrer Darbietung soll schließlich vor allem eines: die Meinungen spalten.

"Meine Eltern wissen nicht genau, was ich tue. Sie haben mich aber strippen und auf Nacktfotografien gesehen. Und ja, sie hassen mich", freut Candy sich. "Als Kind hatte ich eine schreckliche Zeit. Ich vermute, das lag daran, dass ich in so einer Stepford-Mom-Umgebung voller Robotermenschen aufgewachsen bin."

Larry Flynt-Verehrung UND hyper-sexuelle Befreiung aus Genderrollen, Terry Richardson-Fotos UND ein hochstilisierter Pop-Feminismus - als Anhäufung vermeintlicher Widersprüche funktioniert die "Freaky Princess" in jedem Fall hervorragend.

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