Porträt

laut.de-Biographie

Annie

Was hat eine junge norwegische Popsängerin, was Madonna und die Pet Shop Boys nicht haben? Die Antwort kennen zumindest die Herren des Bergener Duos Röyksopp, die Annie (sehr im Gegensatz zu den genannten anderen) nicht mit einem Korb abspeisen: Gleich drei Tracks ihres Debüt-Albums "Anniemal", darunter die Singleauskopplung "Heartbeat", entstehen unter Röyksopps tatkräftiger Mithilfe.

Annie - DJ-Kicks
Annie DJ-Kicks
"Technisch bin ich eine Niete", stapelt die Elektropop-Prinzessin tief.
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Anne Lilia Berge Strand, ihre Freunde und Plattenkäufer nennen sie Annie, kommt am 21. November 1977 zur Welt. Ihre Kindheit verlebt sie in verschiedenen norwegischen Nestern, bis es sie im Alter von 13 Jahren nach Bergen verschlägt. Bergen, der angeblich regenreichste Ort Europas: außer Fischerei und Landschaft ist hier nicht viel geboten. Allerdings scheint ein ausgesprochen günstiges Klima für Elektronik-Musiker zu herrschen: Man denke nur an besagte Röyksopp, Kings Of Convenience oder Ralph Myerz und seine Jack Herren Band.

Mit 16 Jahren engagiert sich Annie in einer, wie sie selbst sagt, grauenhaft schlechten Indie-Rockband. Suitcase absolvieren im Rahmen eines Wettbewerbs einen einzigen Auftritt; der Umstand, dass währenddessen die Gitarre verendet, trägt nicht merklich zur Begeisterung der Jury bei. Die Gruppe trennt sich wenig später aufgrund divergierender musikalischer Vorstellungen - einige streben in die von Annie rundherum abgelehnte Trip Hop-Richtung. Annie geht unter die Songwriter und beginnt, ihre eigenen Stücke zu verfassen.

1999 trifft Annie auf Tore Andreas Krokne, der unter dem Alias Erot elektronischen Dancefloor produziert. Die beiden werden ein Paar. Annies eigene Karriere beginnt, als sie spontan zu einem von Tores Tracks zu singen beginnt: der Beginn der Arbeit an Annies eigenem Album. Die erste gemeinsam fertiggestellte Single, "The Greatest Hit" (1999), basiert auf einem Loop aus Madonnas "Everybody", erscheint beim norwegischen Label Tellé, verbreitet sich über ganz Europa und findet auch den Weg in Clubs in Australien und den USA. Eineinhalb Jahre später folgt (in einer Mini-Auflage von lediglich 500 Kopien) "I Will Go On", ein Titel, der sich zumindest für Tore nicht als prophetisch erweist: Er stirbt im April 2001 erst 23-jährig an einem angeborenen Herzfehler.

Annie verfällt in Depressionen, aus denen sie sich - Music Is A Doctor - nur durch Arbeit wieder zu befreien vermag. Sie schreibt trotz allem weiter an Songs für ihr begonnenes Album, übernimmt Vocal-Parts bei etlichen anderen Musikern, treibt ihre DJ-Karriere voran und veranstaltet gemeinsam mit einem Freund die Bergener Club-Nacht "Pop Til You Drop". In diesem Zusammenhang bucht sie Timo Kaukolampi vom finnischen Elektro-Duo Op:l Bastards, legt im Gegenzug auch bei ihm in Helsinki auf. Aus der Freundschaft erwächst eine musikalische Zusammenarbeit; Kaukolampi produziert schließlich alle zwölf Tracks auf "Anniemal".

Ihren Durchbruch erlebt Annie 2004: Sie nimmt gemeinsam mit Richard X (als Girls On Top ein Pionier im Bastard-Pop-Umfeld) für dessen Album den Titel "Just Friends" auf. Einige Monate später treffen sie sich wieder, Richard X hat die Instrumentalversion zu "Chewing Gum" im Gepäck. Die Nummer gefällt, Richard X liefert gleich noch die zugehörigen Lyrics (und die zu "Me Plus One"). Den Rest schreibt Annie selbst, beide Stücke werden in London aufgenommen. Die weiteren Tracks auf "Anniemal" entstehen in Bergen und Helsinki, das Album erscheint schließlich bei 679 Recordings, Heimatlabel von The Streets, den Secret Machines oder den Futureheads.

"Anniemal" spiegelt eine große Bandbreite unterschiedlicher musikalischer Einflüsse von Disco bis R'n'B. Die Hauptstoßrichtung jedoch bildet elektronisch veredelter Pop. Eine gewisse Vorliebe für die 80er ist nicht zu überhören. Die frühe Madonna, Prince, Tom Tom Club und New Order lassen freundlich grüßen. Überraschend: der für eine Dance-Platte doch erhebliche Gitarrenanteil. Etliche Songs schlummern schon seit Jahren in Annies Schubladen, so ist zum Beispiel eine neue Version der mittlerweile fünf Jahre alten Nummer "The Greatest Hit" enthalten. "Haertbeat" schafft es, noch bevor es einen offiziellen Single-Release gibt, an die Spitze der Pitchfork Media Top 50 des Jahres 2004.

Neben den Aufnahmen zu "Anniemal" tourt Annie 2004 weltweit als DJ durch die Clubs. Die Anfrage, die nächte Ausgabe der !K7-DJ-Kicks zu mischen, stellt sie in die erlauchte Reihe von Kruder und Dorfmeister, den Stereo MC's, Thievery Corporation, Nightmares On Wax und Erlend Oye - keine geringe Ehre. Auch 2005 hält einiges bereit: Gemeinsam mit Timo Kaukolampi ist Annie in ganz Europa unterwegs. Im Juni supporten sie etliche Shows von Saint Etienne in England. Für Juli folgt die US-Album-Release-Tour. Ende August gibt Annie (neben Maximo Park, die einen Remix von "Heartbeat" anfertigten) den Headliner beim Kölner Monsters Of Spex-Festival. Im selben Monat erscheint "Anniemal" auch in Deutschland.

Wie der Rolling Stone in seiner Mai-Ausgabe schreibt, kann Annie "zwar überhaupt nicht singen, mit ihrem Stimmchen aber unwiderstehlich locken". Unwiderstehlich genug jedenfalls, um mit Kylie Minogue und Saint Etiennes Sarah Cracknell verglichen zu werden. Pop Til You Drop!

Alben

Annie - DJ-Kicks: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2005 DJ-Kicks

Kritik von Dani Fromm

"Technisch bin ich eine Niete", stapelt die Elektropop-Prinzessin tief. (0 Kommentare)

Videos

Back Together (Summer Version)
Anthonio (Berlin Breakdown Instrumental)
Anthonio (Berlin Breakdown Version Remastered)
Ferret Summer
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