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"Has It Come To This?" schallt es anno 2000 durch die Clubs der hippen Londoner Garage-Szene. Als im April 2002 das Album "Original Pirate Material" erscheint, ist die Sensation perfekt: Die Presse überschlägt sich und plötzlich avanciert The Streets zum heißesten Eisen der Saison.
Hinter dem Namen "The Streets" verbirgt sich aber nicht mehr als ein einziger Mann: der 1978 geborene Mike Skinner aus Birmingham. Bis dato führt er ein relativ normales Leben. Pubs, Freundin, Freunde, Stress, Spaß, Hip Hop, House, Breakbeats - die alltäglichen Themen der "streets" eben, die er auch in seinen unsentimentalen, nonchalanten Texten verarbeitet. Schon früh geht aber seine meiste Zeit für Musik drauf und mit 15 zimmert er die ersten Tracks.
Als im Jahr 2000 das Label Locked On seine erste Single "Has It Come To This" veröffentlicht, zieht Skinner von Birmingham nach Brixton und legt damit den Grundstein seiner steilaufsteigenden Karriere. Skinners hochgelobter, neuer Sound, die Fusion aus Hip Hop und 2Step, ist geprägt durch die New Yorker Attitüde der Beastie Boys und Run DMC, bleibt beatmäßig aber im Garage-Kontext. Das zuhause am Laptop produzierte erste Album "Original Pirate Material" beschränkt sich aber nicht nur auf Club-Hymnen. Dafür sorgt vor allem Skinners Storytelling, das das Lebensgefühl seiner Generation auf den Punkt bringe, wie einige Medien schreiben.
Die Kritiken der Debütplatte sind durchweg fantastisch, sie verkauft sich über eine Million Mal. Die Live-Shows sind berüchtigt, und zuhause in England befassen sich zwischenzeitlich schon Literaturprofessoren mit seinen Lyrics. Bei diesem Trubel ist es kein Wunder, dass Skinner zur Entspannung gerne mal mit seinem Kumpels nach Ibiza jettet.
Im Oktober 2003 veröffentlicht er das Mini-Album "All Got Our Runnins" mit bisher unveröffentlichtem Material und Remixen ausschließlich online. Im Mai 2004 erscheint dann Skinners Zweitling "A Grand Don't Come For Free", auf dem recht minimal konstruierte, zumeist verquere Halftime-Beats und spärliche Arrangements mit Hang zur Melodie vorherrschen. Das Storytelling wird hier zum Konzept: in elf Tracks erzählt Skinner die Geschichte eines Geezers, der tausend Pfund verliert und seine von One-Night-Stands, Drogen und Wetten geprägte verzweifelte Suche nach dem verlornen Geld. Eine Ende 2003 mit Chris Martin abgehaltene Studio-Kollabo vom Song "Dry Your Eyes" ist jedoch nicht enthalten, da Martin mit dem Klang seiner Stimme nicht zufrieden war. Auch diese Platte ist wieder Kritikers-Liebling, verkauft sich weltweit blendend und schafft es so sogar auf die Nummer Eins in seinem Heimatland.
Nach einer Tour durch die halbe Welt macht Skinner zunächst mehr mit in der Boulevard-Presse breitausgetretenen Skandalen (Alkohol, Drogen, Wetten, das ganze Programm) auf sich aufmerksam, als mit der Musik. Anstatt selbst wieder an Tracks zu arbeiten, gründet er lieber sein eigenes Label "The Beats". Darauf veröffentlicht er im Jahr 2005 zwei vorzügliche Alben von befreundeten Grime-Künstlern: den Mitchell Brothers und dem talentierten Jungspund Kano. Auf beiden Platten hilft Skinner auch gerne selbst als am Mikro aus.
Als Skinner im Oktober 2005 mit einem großartigen Remix von Bloc Partys Hit "Banquet" endlich wieder selbst Musik macht - er erzählt hier die Geschichte, wie er der BBC-Moderatorin Jo Whiley reuig ein geklautes Mikrofon zurückgibt - dauert es nur noch ein paar Monate, bis endlich sein drittes Album im Laden steht.
Im April 2006 erscheint "The Hardest Way To Make An Easy Living". Skinners bisher schonungslosestes Album, auf dem er endlich alles so sagen will, wie es wirklich ist. So kann die Presse wenigstens nicht alles verdrehen. Mehrere Kollaborationen auf dem Album waren angekündigt (z.B. Gwen Stefani), im Endeffekt hört man aber wieder nur Skinner und gelegentlich seinen Kumpel Leo, The Lion. Musikalisch beschreitet er mit dem Album bekannte Pfade, was der Qualität aber in keinster Weise schadet.
Mike Skinner über sein neues Album, Alkohol und das Altwerden.
Ein schlecht gelaunter Mike Skinner spricht in Berlin Mitte über seine Abkehr vom "modernen Leben".
Das Interview findet in einem typischen Berliner Reihenhaus statt: Klassizistisch, fette Steine, Trutzburg. Hinter dem Haus die Berliner Charité, inklusive Psychiatrie. Mike lungert gelangweilt auf einem schwarzen Ledersofa herum, seine Antworten kommen langsam, und vor allem kurz. Erst als es um sein Label geht, setzt er sich mal kurz aufrecht hin, Mühe gibt er sich aber immer noch nicht.
Warum ist dein Album "Everything Is Borrowed" so langsam?
Ich denke nicht, dass es langsam ist. Es ist eher ein natürlicher Sound.
Oder warum ist es so positiv, vielleicht ist das die bessere Frage?
Ich wollte etwas positiv machen. Aber vor allem wollte ich etwas machen, was neu ist.
Neu für dich?
Ja, total.
Für das Video zu "The Escapist" bist du offenbar von England bis nach Südfrankreich gelaufen, stimmt das?
Ja, ich wollte etwas Authentisches machen. Wir machen für jedes Lied auf dem Album ein Video, und alle sind sozusagen home-made. Wenn man es so macht, sollte man deshalb darauf achten, dass es authentisch ist. Weil du keine Produktionsstandards hast, auf die du dich verlassen kannst.
Wie lange hat es denn gedauert?
Das ganze Video brauchte wirklich Monate.
Und du bist die ganze Strecke gelaufen?
Ja. Wir haben es aus verschiedenen Winkeln aufgenommen, aber am Ende waren die besten Aufnahmen die, auf denen ich davongelaufen bin.
Wie geht es deinem Label?
Das Label ist tot. Ich hab es im Garten begraben, wir hatten ein Begräbnis dafür.
Wirklich? Warum?
Es schien die richtige Zeit für große Veränderungen zu sein.
Hat es nicht funktioniert?
Es funktionierte, aber die Leute haben keine Platten gekauft. Das wird dann ein negativer Prozess, weil du eine bestimmte Anzahl an Platten verkaufen musst.
Bist du traurig darüber?
Nein, Nein. Es war aufregend.
Naja, aber bist du traurig darüber, dass es vorbei ist?
Nein, nicht wirklich. Es war gut, eine Veränderung herbeizuführen. Ich bin immer aufgeregt über neue Richtungen.
Die wird wesentlich schneller!
Du hast es also schon im Kopf?
Ja, ich habe verschiedene Ideen.
Bist du zufrieden mit "Everything Is Borrowed"?
Ja, es hat lange gedauert alles zusammen zu kriegen. Es war wahrscheinlich das schwierigste Album meiner Karriere. Weil ich mir die schwierige Aufgabe gesetzt habe, etwas anderes zu machen.
Wie wichtig ist der deutsche Markt für dich?
Sehr wichtig. Wir haben hier elf Termine für die Tour. Das ist genau so viel wie in England.
Brauchst du überhaupt noch Märkte?
Naja, ich mag es einfach zu touren. Deshalb promote ich das Album auf die traditionelle Weise.
Was ist dein Ziel?
Mein Ziel ist es, weiterhin gute Musik zu machen, wenn ich es kann.
Du willst also nichts Spezielles mehr erreichen?
Nein! Ich will immer etwas erreichen.
Was?
Einfach gute Musik zu machen.
Wie siehst du dich selber, was ist dein Platz in der Welt?
Ich denke nicht wirklich über meinen Platz nach. Ich bin immer kurzfristig fokussiert. Und das bedeutet, alles woran ich arbeite, muss gut sein und kreativ.
Wie ist dein Verhältnis zu den Medien inzwischen?
Es ist gut. Ich denke nicht, dass ich viele Beziehungen zu den Medien habe, also ist das ganz entspannt.
Weil es in der Vergangenheit viele Gerücht gab, dass du Klatsch-Magazine nicht magst.
Das waren keine Gerüchte. Es war immer wichtig für mich, dass es um die Musik geht. Wenn du zu oft in den Medien bist, deine Erfolge feierst, dann geht es immer weniger um die Musik.
Wirst du älter?
Ja, es gibt gewisse Zeichen dafür. Ich fühle mich nicht wirklich älter, aber ich glaube man erscheint anders.
Bist du froh darüber, oder macht dir das Angst?
Du wirst weniger verwildert und du hast mehr Zeit zu schlafen.
Aber du hast immer noch deine Energie?
Ja. Wenn du zur Show kommst, dann merkst du, dass sie das Beste ist, was du je erlebt hast.
Nein, nicht wirklich. All meine Alben sind polarisiert, auf eine Art. Es scheint, als würde ich weniger Party machen, aber da ich das moderne Leben nicht auf dem Album haben wollte, musste die Party weg. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich beruhigt hätte.
Was meinst du damit, dass du das "moderne Leben" … ?
… ich wollte mich nicht auf das moderne Leben beziehen. Ich wollte, dass es sich anders anfühlt.
Aber was verstehst du darunter?
Die Dinge, die uns umgeben. Deshalb gibt es mehr Lieder über Garten-Kram. Wenn du nicht über das moderne Leben reden willst, musst du diese größeren Dramen finden.
Nimmst du immer noch Drogen?
Ja.
Wie viele, welche?
Naja, das ist nicht so aufregend. Man tourt eben.
Und trinkst du viel?
Ja. Ich trinke nicht mehr am Tag, aber es umgibt dich, deshalb ist es nicht ganz leicht, davon los zu kommen.
Also hast du früher auch tagsüber getrunken?
Ja, habe ich. Man wird da so hineingezogen.
Hattest du ein Alkohol-Problem?
Ja, ich hatte viele Probleme auf meinem Weg.
Aber du kommst gerade raus?
Ich denke das ist eine langwierige Geschichte, oder?
Außerdem hast du dein Geld in Casinos verzockt?
Ja, das ist ... (sucht nach Worten) ... was einfach passiert, denke ich.
Machst du das noch?
Nein, da bin ich nicht mehr drin.
Ich habe diese lustige Geschichte gehört, dass ihr euch Fans borgt?
Ja, das machen wir auf der Tour. Wir leihen uns die Leute auf einem Konzert und nehmen sie mit zum nächsten. Also hoffentlich lassen wir keine fremden Leute in komischen Städten zurück.
Was müssen sie dafür machen?
Sie müssen uns etwas bringen, das wir uns leihen. Und dann können sie etwas mitnehmen.
Was erwartest du?
Ich hoffe, dass nicht jeder mitmacht. Sonst haben wir 3000 Objekte, die wir von einem Ort zum anderen schleppen müssen. Aber hoffentlich wird es viel Spaß machen.
Mike Skinner über sein neues Album, sein Label, Gwen Stefani, Chris Martin und seine Vorliebe für explizite Lyrics.
Mike Skinner hat das Achtziger-Revival bis zur Perfektion vollendet und führt es uns nun vor: Sein neongelbes Hemd und das zu große hellblaue Jacket sind einfach nicht zu überbieten. Im Gegensatz zu seinem Outfit ist der Rapper im Gespräch komplett aufgeräumt und up to date. Und keine Angst, auf dem neuen Album schwenkt er auch nicht zum Electroclash um.
Seit zehn Uhr morgens sitzt Mike Skinner nun schon in diesem Kölner Hotelzimmer, lässt hinter sich den unermüdlichen Regen auf die Scheiben pladdern. Als wir die Suite betreten, witzelt er gerade mit dem Fototeam, das sich vor uns mit dem Vorzeigerapper Großbritanniens beschäftigte. Sichtlich fasziniert von deren Equipment überlegt Skinner: "Ich bin im falschen Business". Dann wendet er sich an uns.
"Sollen wir den Fernseher ausschalten?" Was beim ersten Hinsehen wie eine Super RTL-Kindersendung aussah, entpuppt sich beim späteren Durchhören der Aufnahmen als Doku über die Beatles. Telly ausschalten wird allerdings ein schwierigeres Unterfangen, als erwartet: Dieses Luxus-Ding hat keinen Knopf - man braucht die Fernbedienung, um es auszubekommen - und die ist nicht auffindbar. Skinner (die Songs aus dem TV mitträllernd), Butscher, Schiedel und die Promoterin machen sich auf die Suche. Es dauert ein Weilchen, bis das gute Teil auf dem großen Tisch der schicken Suite zwischen Zeitschriften und eklig alten Keksen wieder auftaucht.
Skinner ist extrem gut gelaunt. Und das, obwohl er schon seit sechs Stunden Interviews gibt. Er begutachtet die künstlichen, mit Perlen besetzten Blumen auf dem Glastisch vor den zwei Leder-Couchen, auf die wir uns fürs Interview gesetzt haben: "Das ist ranzig, das sieht verfault aus. Sehen aus, als würden die Dinger schnell Feuer fangen. Würden sicher schön brennen." Ok, wir wechseln lieber schnell das Thema.
Wenn man deine Videos, deine Cover u.s.w. anschaut fällt auf: Immer spielen Mobiltelefone eine zentrale Rolle. Wie wichtig sind Handys in deinem Leben?
Sie sind der Mittelpunkt meiner Existenz. Ich liebe Technik und ich habe gerade mit so vielen Sachen zu tun, da ist es einfach unumgänglich, dass ich jederzeit mit jedem Kontakt aufnehmen kann.
Was ist dann das Wichtigste, das du mit deinem Handy machen kannst? Ist es noch die Kommunikation?
Ja! Ich war jetzt zwei Monate in New York, und da habe ich erst richtig bemerkt: Es spielt überhaupt keine Rolle mehr, wo du dich aufhältst, du kannst inzwischen von überall aus arbeiten.
Was hast du denn in New York gemacht?
Ich habe da zwei Monate gelebt. Ich musste raus aus London. Ich habe in England Werbung für Reebok gemacht, und die war einfach überall zu sehen, auf Bussen und so. Also habe ich beschlossen, dass es das Beste wäre, wenn ich nicht im Land wäre, so lange diese Werbung geschaltet ist.
Also war dein Aufenthalt in New York komplett privat?
Ja, es war super!
Hat man dich denn in New York auch erkannt?
Ein bisschen. Aber nicht so oft wie in England. Das ist da noch nicht so verrückt wie in England.
Was war denn das Verrückteste, das dir mal passiert ist?
Nur das Übliche, Kreischen ... Naja, und das passiert ja auch nur rund um Gigs, dass die Leute nach mir schreien. Vor allem, wenn ich auf die Bühne komme, geht's ab. Aber wenn ich durch die Stadt laufe, fangen die Leute nicht an zu kreischen. Was sehr gut so ist.
Aber in Japan, da geht's bestimmt ziemlich ab, oder?
Naja, so bekannt bin ich da noch nicht. Aber da gibt es immer Leute, die schon am Hotel stehen, wenn du ankommst, was ziemlich komisch ist. Das passiert sonst nirgends auf der Welt.
Vielleicht eine alte Frage, aber wir hatten gerade eine Diskussion darüber: Wo kann man dich einordnen? Machst du Hip Hop oder doch eher schon Elektro? Wo siehst du dich selber?
Für mich ist das britischer Rap. Wenn man sich selbst zu strikt definiert, beschränkt man sich damit auch. Also versuche ich, mich nicht zu beschränken. Aber ich denke, es ist Rap. Allerdings nicht so, wie man ihn bisher kannte.
Was sich ja auch Grime nennt. Alle Grime-Künstler, die man hier in Deutschland kennt, kommen aus London. Gibt es denn gar keine im Rest von England?
Doch, es gibt auch welche in Manchester und Birmingham und so, aber das meiste, was auch veröffentlicht wird, ist gewöhnlich aus London. In London ist man so nah am Siedepunkt. Die Sachen kommen meist aus London, das ist eine ziemlich kreative Stadt. Aber es kommt mir so vor, als hätte es selbst in London gerade erst richtig angefangen, dieser wirklich, wirklich gute britische Rapsound.
Dankeschön!
Was kommt da als nächstes?
Da gibt es Professor Green, der gerade auf den Bahamas war, um an den World-MC Battle-Championships teilzunehmen. Er wurde zweiter. Von ihm kommt ein Album. Wir haben auch einen Typen, der sich Example nennt.
Sind die Künstler, die du signst, auch alle aus London?
Ja.
Das ist doch der Punkt: Es ist einfacher, Leute wahrzunehmen, die du in deiner Umgebung triffst. Oder schaust du gezielt auch nach Künstlern aus anderen Teilen Englands, zum Beispiel aus deiner Heimatstadt Birmingham?
Hm, es gibt anscheinend nicht so viele individuelle Leute da draußen, die ich schon gehört habe. Und in London ist das ja auch eine richtige Szene. Du siehst die Leute ihr Zeug machen, du bekommst ihre Mixtapes und so. Aber mir gefällt die Idee, dass ich jemanden aus Birmingham signen könnte.
Du machst ja auch The Beats-Partys ...
Standard, die Partys von uns heißen Standard. Der Club heißt Plan B, wie der Rapper. Die Partys laufen ziemlich gut. Aber ich möchte die Partys in Zukunft ein bisschen nach draußen in die Vororte verlegen. Ich glaube, dass sie da draußen sehr viel mehr geschätzt werden. In der Stadt ist es gerade ... es ist gut, aber es ist schwierig, authentische Leute in die Clubs zu bekommen. Die beste war die Weihnachts-Party. Wir haben jeder fünf Platten gespielt und Leo The Lion, der Typ, der auf meinen und Kanos Platten singt, hat Madonna und Britney Spears gespielt, und alle Leute dort waren eher harte Typen. Aber am Schluss haben sie alle mitgesungen. Skinner singt Britneys "... Baby One More Time". Es war ja auch Weihnachten.
Auf deiner Homepage gibt es ein Mixtape von dir. Legst du denn öfter auch selber auf?
Ich habe einmal aufgelegt. Vor Jahren. Aber wir haben gerade einen Podcast aufgenommen. Darauf findest du vieles von dem Zeug, an dem ich gerade arbeite. Ich denke, du musst einfach im iTunes nach The Beats-Podcast suchen. (Nicht nötig, wir haben ihn bereits für euch gefunden.)
Und was bekommt man da so zu hören?
Es ist viel Musik von uns ... und wie wir Scheiße labern. Unser Office heißt Jeffrey Camp Insurance, wir haben dieses Büro in West London für unser Plattenlabel gemietet. Da war mal eine Versicherungsgesellschaft mit dem Namen Jeffrey Camp Insurance dirn. Und wir haben das Schild nie ausgewechselt. In dem Podcast rappen, reden und lachen wir über Jeffrey, weil eben immer noch nicht The Beats über unserem Büro steht. Jetzt ist Jeffrey Camp eben unser Alter Ego.
Zurück zu deinem Album: Da kommen ja die altbekannten Leute aus der Londoner Grime-Szene vor. Du hast für dein letztes Album ja einen Track mit Chris Martin aufgenommen ...
Ja, das war für "Dry Your Eyes", ist leider nie rausgekommen.
Ich habe den Song im Internet in der Version mit Chris gehört. Der ist großartig, warum hat der's nicht aufs Album geschafft?
Es war auf seinen Wunsch. Chris mag den Klang seiner Stimme darauf nicht.
Hattest du für dieses Album auch ähnliche Kollaborationen im Kopf, die dann doch nicht stattgefunden haben? Irgendwelche Künstler, die nicht aus der Grime- oder Hip Hop-Szene kommen?
Ich bin eigentlich ziemlich fokussiert. Ich wollte schon seit Jahren ein Rap-Label führen. Das ist, was mich wirklich interessiert. Ich mag schon verschiedene Musikrichtungen, aber ich bleibe selber lieber bei dem Rap-Ding.
Aber bevor die Platte kam, wurde viel über mögliche Kollaborationen geredet. Und als das Album dann da war, fand man darauf gar keine.
Ich wollte auf dem Album schon mit ein paar Leuten zusammen arbeiten. Aber es war eine Zeitfrage. Und die Songs waren so persönlich. Ich konnte keine Stelle finden, an der es gepasst hätte. Ich wusste nicht, wie ich das machen sollte. Ursprünglich sollte Gwen Stefani auf "When You Wasn't Famous" dabei sein. Das hätte gut funktioniert, denn sie ist ja mit einem berühmten Typen zusammen. Aber dann hätte ich den Text ändern müssen, ich singe da ja "When you try to pull a girl". Das könnte sie nicht singen. Sie müsste "When he tries to get with a girl" singen. Denn sie würde sicher nicht "pull" sagen. Und dann wurde es Januar und ich dachte mir: 'Weißt du was, ich hab da jetzt keinen Bock mehr drauf, ich will einfach nur noch die Platte rausbringen.' Ich hatte die Platte echt satt. Ich wollte einfach nur noch weitermachen, anfangen, an einer neuen Platte zu arbeiten.
Hast du wirklich schon begonnen, an einer neuen Platte zu arbeiten?
Ich schreibe an den ersten Songs fürs neue Album. Ich habe vor ca. einer Woche ziemlich viel daran gearbeitet. Dann hat's mich gelangweilt ... Ich mache gerade einen Song mit Wiley, dem Rapper. Wiley ist zurück, das ist die große Geschichte ... deshalb hoffe ich, dass der Song gut wird.
Wenn du deine Texte schreibst, denkst du währenddessen manchmal daran, dass viele Leute am Schluss gar nicht verstehen, worum es in deinen Songs überhaupt geht?
Ja, es ist ein schmaler Grat ... Auf dem letzten Album zum Beispiel kamen die Informationen wesentlich langsamer rüber. In England meinten die meisten Leute dann, es sei zu langsam gewesen. Deshalb musste ich sie wieder etwas schneller machen. Wahrscheinlich solltet ihr euch die Lyrics einfach runterladen.
Ich hab schon danach gesucht, aber noch keine zum neuen Album gefunden!
Ich werde sie online stellen. Gut, dass ihr mich daran erinnert habt. Mike zückt sein wichtigstes Gadget, das Handy, und setzt sich sofort einen Reminder. "Lyrics for ...", murmelt er dabei.
Du hast bereits erwähnt, dass deine Lyrics sehr persönlich sind. In einem Interview hast du das unter anderem damit begründet, dass du den Boulevardmedien so die Angriffsfläche nimmst. Glaubst du nicht, dass sie gerade an den privaten Punkten weiter sticheln?
Ja, vielleicht, so läuft's halt. Das wird irgendwann normal, wenn du da selbst drin steckst. Aber du bleibst trotzdem in deiner eigenen kleinen, normalen Welt. Wir reden nicht über das, was in den Zeitungen steht. Wir reden einfach über das, was gerade so passiert. Das nimmt alles keinen wirklich großen Platz in meinem Leben ein. Ich schau immer mal wieder, was die Zeitungen sich schon wieder für einen Scheiß ausgedacht haben, lege die Zeitung dann wieder weg und rede weiter über die alltäglichen Dinge.
Du kennst ja bestimmt den deutschen Rapper Sido: der, der eine Coverversion von "Blinded By The Lights" gemacht hat. Wie ist das zustande gekommen?
Er hat das auf eigene Faust gemacht und es mir dann zugeschickt. Ich hab mir gedacht, dass das sicher gut ist für meine Bekanntheit auf dem deutschen Markt.
Weißt du, dass er hier in Deutschland recht kontrovers diskutiert wird?
Nein, warum?
Viele Leute meinen, er stelle Drogen ein bisschen zu positiv dar, würde die Kids verführen. Einige seiner Songs wurden gerade zensiert.
Wirklich? Wovon erzählt der denn?
Drogen nehmen, rumhängen, Frauen ficken.
Cool! He's my kind of Rapper!
Hast du ihn denn mal getroffen?
Nein, hab ich nicht. Hört sich auch ein bisschen furchterregend an ...
Naja, ich glaube er kann eigentlich ein ganz netter Typ sein.
Er ist also ein großer, knuddeliger Plüschhase ...
Seine Beats finde ich ziemlich gut, aber über seine Lyrics kann man sich streiten.
Immerhin spricht er darüber, Mädels zu ficken und Drogen zu nehmen, das ist besser als bei den meisten anderen.
Schönes Schlusswort, Danke fürs Interview und viel Spaß beim Konzert heute Abend!
Beim Gruppenfoto nach dem Interview erzählen wir Skinner noch von der berühmt-berüchtigten Sido-Maske. Er möchte unbedingt auch so eine haben. Vielleicht hat er ja die Chance, den Berliner Rapper am nächsten Tag bei seinem Konzert in der Hauptstadt zu treffen ... und ihm unter Umständen die Maske abzuschwätzen.
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