Porträt

laut.de-Biographie

Nino de Angelo

Im Gespräch zu bleiben ist mindestens so wichtig wie der musikalische Erfolg. Das haben die Hauptakteure der deutschen Schlagerlandschaft weit länger als manch Popstar begriffen. Nino de Angelo (Jahrgang 1963) ist der lebende Beweis: Im Zuge seiner 1982 gestarteten Schlagerkarriere hat der Karlsruher Barde italienischer Abstammung noch die meisten Aufmerksamkeitslöcher PR-trächtig aufgefüllt.

Wobei es in den 1980ern zunächst wirklich prächtig für ihn läuft. De Angelo, der bürgerlich Domenico Gerhard Gorgoglione heißt, nimmt mit 17 seine erste Platte auf. Die erscheint noch unter dem simplen Pseudonym Nino und bleibt unterhalb der ganz großen Aufmerksamkeitsschwelle. Mit "Jenseits Von Eden", der deutschsprachigen Version des Drafi Deutscher-Titels "Guardian Angel", gelingt ihm 1983 aber der Durchbruch. Das Lied erobert die Chartsspitze, das dazugehörige zweite Album springt bis auf Platz zwei der Hitparade.

Schon früh setzt de Angelo demnach auf die Songwritingkünste anderer. Das Lied "Und Ein Engel Fliegt In Die Nacht" etwa ist eine Coverversion eines Orchestral Manoeuvres In The Dark-Stücks. 2001 singt er im Rahmen eines Disneyfilms einen Sting-Song. Und 2014 interpretiert er, in Anlehnung an ein erfolgreiches Heino-Coveralbum in den 2010ern, ebenfalls bekannte Popsongs der vergangenen Jahrzehnte neu. Auf "Meisterwerke" zollt der Sänger u.a. Joachim Witt, Rosenstolz, Echt und Michael Holm Tribut.

1989 erreicht Nina de Angelo beim Eurovison Song Contest mit dem von Dieter Bohlen produzierten "Flieger" den 14. Rank. In den 1990ern bleibt der frühere Erfolg jedoch mehr und mehr aus. De Angelo übernimmt kleinere Schauspielrollen z.B. in der Literaturverfilmung "Die Bertinis", später auch mit seiner Tochter in der Daily Soap "Unter Uns". Musikalisch bemüht er sich zusehends um Distanz vom Schlagerimage.

Nach der Trennung von Produzent Bohlen widmet sich de Angelo mehrere Alben lang erfolglos der Rockmusik. Nunmehr häufig am Songwriting-Prozess beteiligt, scheitern die Langspieler ebenso wie eine Zusammenarbeit mit dem Eurodance-Act Mr President kommerziell. Mitte der 1990er folgt eine Tournee mit Peter Maffays "Tabaluga"-Musical. Aufgrund von Lymphknotenkrebs muss Nino hiernach eine längere Pause einlegen.

Im Jahr 2000 gelingt ihm nach langer Dürrezeit mit dem Album "Schwindelfrei" erneut eine Chartspositionierung. Während de Angelo sich mit einem Mix zwischen Schlager, Pop und Rock durchaus variabler präsentiert, sorgt sein Privatleben für zusätzliche Würze. 2004 behauptet der Schlagerdino, mehrere Modern Talking-Alben als Studiosänger entscheidend geprägt zu haben. Außerdem gesteht Nino de Angelo in einer Talkshow seine Kokain- und Spielsucht.

Wie Roberto Blanco einige Jahre später muss der Sänger zudem 2005 wegen enormer Schulden Privatinsolvenz anmelden. 2014 wird er vor Gericht wegen Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt - kurz darauf macht er seine Anklägerin zur vierten Ehefrau. Gerade dank dieser Seitensprünge durch die Boulevardpresse ist der Wahlkölner im Frühstücksfernsehen regionaler TV-Sender gerngesehener Gast. Einen "Dschungelcamp"-Auftritt schließt man da natürlich nicht aus.

Seine Pläne für die Zeit nach der Musik: "Ich habe schon so oft über ein kleines Restaurant nachgedacht, in dem man schön essen kann und ich meine Ruhe habe. Ab und zu ein bisschen Livemusik und das war's. Eine kleine Existenz ohne das ganze Pipapo drumherum." Ganz ohne Musik geht's für Nino also nicht. Privat gilt die Begeisterung Elton John, Ray Charles, Nina Simone, Michael Jackson, Ed Sheeran und Lana Del Rey.

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