Porträt

laut.de-Biographie

The Flirts

Das amerikanische Mädchentrio The Flirts wählte seinen Namen nicht ungeschickt, währte ihre Zeit im gleißenden Licht des Showbusiness doch tatsächlich kaum länger als gemeinhin eine luftig-amouröse Urlaubsbekanntschaft. Die kurze Liaison mit den hohen Chartsplatzierungen fruchtete dafür umso heftiger.

Und doch besteht kein Zweifel daran, dass die Girls ihren Bandnamen gar nicht selbst auswählen durften, denn hauptverantwortlich für die 80er Jahre-Synthie-Pop-Bunnys war in allen Belangen und von Anfang bis Karriere-Ende der seinerzeit schwer angesagte New Yorker Hi-NRG-Produzent Bobby Orlando, genannt Bobby O.

Er war es, der die wechselnde Besetzung der Mädels auf den Plattencover in Szene setzte, der ihre Hits für sein Label O Records komponierte und die Ur-Flirts Andrea, Holly und Rebecca überhaupt erst castete. Eine Art Vorreiter für spätere Boyband-Strippenzieher wie Nigel Martin Smith (Take That) und Louis Pearlman (New Kids On The Block) sozusagen, nur eben mit ausnehmend muskalischem Talent.

In Erinnerung geblieben sind die Flirts in erster Linie für ihren Megahit "Passion", der 1982 nach einer ersten US-Chartsnotierung mit "Jukebox (Don't Put Another Dime)" schnell den halben Erdball aufrollt. Nicht zuletzt die blutjungen Pet Shop Boys reisen zwei Jahre später extra wegen dieser monströsen Bobby O.-Nummer zum Meister nach New York, der ihnen das Demo von "West End Girls" dann auch mit seinen typisch rollenden Basslines unterlegen sollte.

Titel wie "Passion" und "All You Ever Think About Is Sex" deuten darauf hin, dass Orlandos Kernthemen in erster Linie im zwischenmenschlichen Bereich zu finden sind. Nicht zuletzt dank "Passion" zählt das Flirts-Debüt "10 Cents A Dance" auch zu den erfolgreichsten des One-Man-Projekts.

Neben dem Gros der einfach gestrickten Elektrohits lassen Songs wie "Jungle Rock" nebenbei auch Bobby O.s Faszination für Kim Wildes frühe Poppunk-Erfolge erkennen.

1983 ist es Zeit für frisches Blut: Christina und Debby ersetzen Andrea und Rebecca. Das Album "Born To Flirt" belegt allerdings deutlich, dass auch ein Bobby Orlando nicht einfach mal locker ein zweites "Passion" aus dem Ärmel schüttelt. "Big Girls Say No" orientiert sich einmal mehr an Kim Wilde und an den Ramones (!), "Dream Boy" zweitverwertet die Akkorde von Human Leagues "Don't You Want Me" sowie "Passion", während sich "Teenage Werewolf (I Was A)" inhaltlich am gerade von Michael Jackson gesetzten Thema bedient ("Thriller").

Lustig auch der Appell, der seinerzeit allen Ernstes auf die Album-Rückseite gedruckt wurde: "Dedicated to the youth of the world, for without you there is no future. Let's built our future with a foundation of enthusiasm and the spirit of freedom." Bobby O. war eben auch ein kleiner Freigeist.

Zwar touren die Flirts 1983/84 erstmals in Europa, der Enthusiasmus und die etwaige freiheitliche Gesinnung ihrer Anhänger beginnt aber zumindest hierzulande bereits zu schwinden. Dennoch lässt Bobby O. nicht locker, wechselt seine Damenbesetzung weiter munter aus und bringt es so noch auf die Flirts-Veröffentlichungen "Made In America" (1984), "Blondes, Brunettes & Redheads" (1985) und "Questions Of The Heart" (1987). Von den Singles bleiben maximal "Danger", "Helpless (You Took My Love)", "Oriental Boy" und "Dancin' Madly Backwards" in Erinnerung.

Außerhalb seiner Heimat Amerika schwindet das Interesse für Bobbys Flirts-Aktivitäten jedoch zusehends. Und Deutschland bekommt 1985 schließlich eine eigene Hi-NRG-Hitmaschine namens Modern Talking.

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