Porträt

laut.de-Biographie

Superpitcher

Bei Superpitcher stellt man sich zuerst die Frage: Warum firmiert der Typ nicht unter "Schaufler"? Der rechte Kampfname um die Gunst des tanzenden Volkes. Denn in Wirklichkeit heißt er Aksel Schaufler.

Aksel (Jahrgang 1973) wächst im behüteten schwäbischen Ulm an der Seite von sieben Geschwistern auf. Die strengen Eltern bewegen ihn schon früh zum Klavierunterricht, und er beginnt Gitarre zu spielen. Sein Interesse gilt aber auch den Tonträgern, die er seit seinem sechzehnten Lebensjahr sammelt. Seit 1994 vertreibt sich Aksel seine Zeit als DJ und Produzent. Er arbeitet damals schon als Remixer für Kinderzimmerproductions, das ortsansässige Label.

Zwischenzeitlich moderiert er auch ein Musikmagazin beim Radiosender Radio Free FM in Ulm, einem unabhängigen, nichtkommerziellen Sender im Schwabenland. Damals hat er es noch mit Hip Hop, Dub und Reggae. So kommt es, dass er den Gründer des New Yorker Hip Hop-Labels "Wordsound" Skiz Fernando Jr. fürs Radio interviewt. Man kommt auch privat ins Gespräch und Aksel erwähnt seine eigenen Basteleien auf dem Atari.

Fernando bietet ihm an, ein paar Demos nach New York zu schicken, sobald etwas Brauchbares dabei wäre. Sechs Tracks sind damals schon im Kasten, und Aksel schickt vier davon prompt nach Brooklyn. Zwei Wochen später meldet sich Fernando begeistert zurück und ist gewillt, mit ihm eine EP auf dem Wordsound-Sublabel "Black Hoodz" herauszubringen. Aksel arbeitet damals unter dem Namen Sir Positive und kann mächtig stolz darauf sein, als erster Nicht-Amerikaner auf dem Wordsound-Label veröffentlicht zu haben. Später steuert er dort noch zur Compilation "Crooklyn Dub Consortium 3" einen Track bei.

Sein Interesse für elektronische Musik ist damals aber schon präsent. Nur muss man in Ulm und um Ulm herum lange suchen bzw. weit fahren, bis man einen zünftigen Club findet, der abgesehen von Kirmestechno angenehme elektronische Musik bietet. Einer seiner Brüder wohnt in Köln, und so zieht ihn irgendwann neben dem Zivildienst auch der Knotenpunkt des Minimalelektro an die Rheinmetropole.

Danach beginnt eine "Orientierungsphase", und Schaufler engagiert sich weiter im sozialen Bereich, bis er Michael Mayer und Tobias Thomas vom Kompakt-Label kennen lernt. Sie bieten ihm an, im labeleigenen Laden und Plattenvertrieb mitzuarbeiten. Die Tür zur Spielwiese der Kölner Elektroszene tut sich für ihn auf. Seit 1998 veranstalten Michael Mayer und Tobias Thomas jeden Freitag im Kellerclub Studio 672 die mittlerer Weile sagenumwobene "Total Confusion"-Partyreihe. Dort werden unter anderem die Neuheiten des Kompakt-Labels direkt am Tanzvolk erprobt und meist für gut befunden. Strictly minimal, experimentell, trancig, dubby und House-Beats zum Dahinschmelzen ist die Devise. Aksel legt sich den Namen Superpitcher zu und gehört seit 2000 zu den Residents im Studio.

2001 produziert er seine erste 12"-Scheibe für Kompakt mit dem augenfälligen Titel "Heroin", die sich bald als Clubhit rund um den Globus verbreitet. Inzwischen ist die Platte ausverkauft, man muss schon einige Beschaffungskriminalität an den Tag legen, um sie irgendwo zu ergattern. Jedenfalls hat der Name Superpitcher nun einen ganz speziellen Klang im Technopop. Aksel kann sich vor Remixanfragen kaum mehr retten. Unter anderem gleiten "Nothing Is Written" von Phantom/Ghost, "Hi Freaks" von Tocotronic und "Krokus" von Carsten Jost durch seine Finger.

Weitere Eigenveröffentlichungen auf Kompakt sind "Tomorrow" und "Yesterday", mit denen er sich schließlich endgültig international etabliert. Zwischendurch produziert er noch einige Tracks für die bekannten Kompakt-Compilations "Total" und "Speicher", darunter das Brian Eno-Cover "Baby's On Fire". Am Check-In der internationalen Flughäfen ist er mit seinem tonnenschweren Plattenkoffern gleichermaßen ungern gesehen (Stichwort "Übergepäck"), wie er in den Clubs rund um die Welt gefeiert wird. Bis 2004 kann er auf jeweils zwei erfolgreiche Tourneen durch Japan und die USA zurückblicken. "Jet Airliner" würde Dieter Bohlen sagen.

Anfang 2003 zieht sich Aksel komplett aus dem Vertriebsgeschäft im Kompakt zurück und beginnt die Arbeit an seinem ersten Album. Über ein Jahr dauert der Entstehungsprozess, bis im März 2004 das lang erwartete Longplay-Debüt des Elektopoppers erscheint. Im Hinblick auf Engagement und Hingabe des Künstlers hält der Arbeitstitel "Here Comes Love" jetzt schon, was er verspricht.

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