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Die Brüder Richard, Roger und Robin Sjunesson sind in ihrer westschwedischen Heimatstadt Falkenberg schon von Kindesbeinen an musikalisch aktiv. Roger und Robin konzentrieren sich aufs Gitarrespielen, während Richard den Gesang für sich entdeckt.
Als sich ihre Band Tunes Of Silence 2002 auflöst, ziehen die drei eine ganz neue Combo auf. Die soll deutlich härter zur Sache gehen. Robin ist zu der Zeit gerade einmal 13 Jahre alt, macht aber manch älterem Kollegen an der Klampfe schon etwas vor.
Gemeinsam heben sie also ihre neue Formation Fallen Angels aus der Taufe und sehen sich nach weiteren Musikern um. Die finden sie in Bassist Magnus Svensson und Drummer Kristoffer Bäcklund.
Musikalisch stehen Fallen Angels anfangs noch in der Tradition von Helloween und Iron Maiden, werden aber mit jeder Demoveröffentlichung härter. Nachdem Magnus 2004 seinen Bass an Karin Axelsson abgibt, ergattern sie einen Deal mit dem US-Label Pivotal Records und nehmen ihr Debüt "Eden Fire" auf.
Vor der Veröffentlichung ändern sie ihren Namen in Sonic Syndicate, weil sich musikalisch doch Einiges geändert hat. So vergleicht man den Sound des Debüts mit Killswitch Engage, In Flames oder Children Of Bodom.
Ende Januar 2006 geht es zusammen mit den Kollegen von Avatar und Inevitable End für ein paar Dates durch Schweden, ehe sich Sonic Syndicate von Drummer Kris trennen. Seinen Platz nimmt John 'Runken' Bengtsson ein.
Außerdem haben sie mit Roland Johansson inzwischen einen zweiten Sänger in der Band, der neben Richards derben Shouts für die klaren Töne zuständig ist. Auf dem Debüt sorgt zudem Bassistin Karin für gesangliche Abwechslung. Mit Roland nehmen Sonic Syndicate an einem Bandcontest von Nuclear Blast teil und lassen 1.500 andere Bewerber hinter sich.
Nachdem sie im Sommer auf dem Sweden Rock Festival mit Arch Enemy, Evergrey, Entombed oder Def Leppard spielen, geht es im Herbst ins Studio, um dort unter der Regie von Scar Symmetry-Klampfer Jonas Kjellgren "Only Inhuman" aufzunehmen.
Von da an gibt es kein Halten mehr. Es folgen die Aufnahmen für ein Video zu "Denied". Die ersten Gigs im Ausland stehen an. Mitte Mai liegt mit "Love And Other Disasters" ihr drittes Album weltweit in den CD-Regalen.
Da muss natürlich auch eine anständige Tour folgen, in deren Verlauf die Schweden sowohl auf dem Wacken Open Air als auch auf dem With Full Force spielen. Das Label lässt keine Chance ungenutzt, um Sonic Syndicate zu pushen.
Die Rechnung geht auf. Sonic Syndicate sind quasi ständig in der Weltgeschichte unterwegs und fangen deswegen schon auf Tour an, neue Songs zu schreiben. Für die Aufnahmen haben sie nur wenige Wochen Zeit. Neben der Musik hat das Quartett mit Klamotten-Deals und ähnlichen Sperenzchen so viel zu tun, dass kaum eine freie Minute bleibt.
Aufgrund ihres Stylings und vielen mainstream-lastigen Aktivitäten werden Sonic Syndicate von der Metal-Szene eher kritisch beäugt und oft mit Spott und Häme überschüttet. Ab und an fällt auch das böse Wort "Casting-Band".
Das Quintett lässt sich indes nicht beeindrucken und veröffentlicht weiter qualitativ hochwertige Platten. Nach einer Tour mit den Deathstars verkündet Sänger Roland Johansson überraschend seinen Ausstieg.
Die Band wünscht ihm alles Gute und sucht über ihre Homepage und die schwedische Radiostation Bandit Radio Stockholm nach einem neuen Mann für die klaren Gesangslinien. Fündig werden sie in dem Briten Nathan J. Biggs, den sie im November auf Konzerten vorstellen.
Außerdem soll die aktuelle Scheibe "Love And Other Disasters" als Slimcase mit den neuen Songs "Burn This City" und "Rebellion In Nightmareland" neu aufgelegt werden. Zunächst erscheint Anfang November aber nur eine Single mit den beiden Tracks.
Nachdem die Veröffentlichung von "We Rule The Night" 2010 immer wieder verschoben wird, kommt das Album schließlich Ende August auf den Markt und setzt die Erfolgsstory der Schweden - trotz oder wegen der noch ausgeprägteren Affinität zum Mainstream - nahtlos fort.
Doch der Mitgliederschwund hält an und so steigt im Oktober 2010 zunächst Shouter Richard Sjunnesson aus und ätzt über seinen Blog, die Band sei "unfähig, anständige Musik zu spielen". Entsprechend gründet er mit seinem ehemaligen Kollegen Roland und seinem Bruder Roger die Band The Unguided, doch Mitte Juni 2012 hat auch Roger die Schnauze voll und quittiert bei Sonic Syndicate seinen Dienst.
Karin Axelsson über einen Werbe-Gag, Marilyn Manson und My Chemical Romance.
Das derzeit heißeste Eisen bei Nuclear Blast hat im Bandcontest 1.500 Konkurrenten hinter sich gelassen. Und tatsächlich ist dem Label mit der jungen Truppe ein toller Fang ins Netz gegangen
So schnell geht das manchmal im Musikbiz: plötzlich hat man einen Interview-Termin am Hals und saugt sich ein paar Fragen aus den Griffeln. Dabei ist die ganze Hektik zunächst umsonst, weil Gitarrist Richard Sjunesson zum vereinbarten Zeitpunkt überhaupt nicht anruft. Eine knappe Woche später steht schließlich ein neuer Termin, als kleine Rache um neun Uhr morgens. Doch einmal mehr ist nicht der Gitarrist am Telefon, sondern seine kränkelnde, aber dennoch bezaubernde Kollegin Karin Axelsson, die bei der Band den Bass bedient.
Karin Axelsson: Hallo, hier ist Karin von Sonic Syndicate.
Oh, hallo. Eigentlich hatte ich mit einem Anruf von Richard gerechnet, aber deswegen werde ich mich bestimmt nicht beschweren. Wie geht's dir denn?
Naja, wenn ich ehrlich sein soll, nicht so gut. Ich hab eine Erkältung und liege deswegen grad ziemlich flach.
Das tut mir leid, musstest du dich jetzt extra wegen dem Interview mit mir so früh aus dem Bett quälen?
Ja, also sei nett zu mir.
Oh, noch mal sorry, werde ich auf jeden Fall sein.
Sehr schön, aber eigentlich ist es ja Richards Schuld, dass ich dich so früh anrufen muss, weil er den ersten Termin, der ausgemacht war, verpennt und jetzt das Interview mir auf's Auge gedrückt hat.
Dann bringen wir das Ganze einfach schnell über die Bühne, dann kannst du wieder ins Bett. Fangen wir mit dem Nuclear Blast Contest an. Wann habt ihr davon zum ersten Mal erfahren.
Puh, das weiß ich gar nicht mehr so genau. Irgendwann letztes Jahr wohl. Wir haben daraufhin damit begonnen, komplett neue Songs aufzunehmen, die jetzt übrigens auch auf dem neuen Album sind, und haben uns damit bei dem Label beworben. Irgendwann haben sie uns angerufen und uns mitgeteilt, dass wir in der Endrunde seien. Wir waren natürlich total aus dem Häuschen und wussten gar nicht, was wir sagen sollten.
Gleichzeitig wollten wir uns aber nicht zu viel Hoffnung machen. Irgendwann wurde ich dann von Nuclear Blast benachrichtigt, dass wir den Contest tatsächlich gewonnen hätten. Ich wollte das zuerst gar nicht glauben und meinte nur: "Ihr wollte mir doch verarschen, oder? Sagt mir bitte nicht so was und später dann, das war nur ein Scherz, weil ich mich sonst umbringen würde." Und euch davor auch, hahaha. Aber es war kein Scherz, und jetzt ist unser Album "Only Inhuman" rausgekommen.
Und das kann sich wirklich hören lassen. Allerdings dürften viele europäische Fans der Meinung sein, dass ihr eine Newcomerband seid, und dass es sich bei "Only Inhuman" um euer Debüt handelt. Das ist aber gar nicht der Fall, denn ihr habt 2005 schon "Eden Fire" veröffentlicht.
Ja, das ist richtig, aber "Eden Fire" ist eigentlich nur in den USA über ein sehr kleines Label erschienen, das auch nicht sonderlich viel für uns getan hat. Unser Album war zwar offiziell erschienen, doch es war kaum irgendwo zu haben, gerade mal über Import. Was Auftritte und all den anderen Kram angeht, mussten wir das nach wie vor alles selber organisieren.
Inwiefern unterscheidet sich denn das Debüt musikalisch vom aktuellen Album?
Oh, sehr deutlich. Auf "Eden Fire" waren wir stilistisch noch ziemlich tief im melodischen Death Metal verwurzelt. Das hört man auf der neuen Scheibe zwar auch noch, aber ich denke mal, dass wir auf "Only Inhuman" eine ganze Spur moderner klingen. Die Einflüsse, die wie verarbeiten, sind einfach viel variabler und breiter. Wir wollten eigentlich damals schon verstärkt auch mit cleanen Vocals arbeiten, hatten zu der Zeit aber nur Richard für die derben Shouts als Sänger in der Band. Wir mussten uns also einen anderen Sänger für die klaren Gesangslinien ausleihen.
Ah, ok, dann ist Roland also derjenige, der auf "Only Inhuman" den klaren Gesang beisteuert. Hatte mich schon gefragt, welcher von den beiden Sängern das wohl ist.
Ja, das ist Roland. Er ist auch derjenige, der als letzter zur Band gestoßen ist.
Das ist nicht ganz richtig. Ich glaube, das war irgendein Italiener, der das Teil gezeichnet hat. Richard hat ihm aber immer gesagt, wie er sich das genau vorstellt, womit das Cover sozusagen nach seinen Anweisungen entstanden ist. Er hat da ein ganz gutes Gefühl für.
Mir hat es jedenfalls recht gut gefallen, was ich vom aktuellen Cover allerdings nicht so ganz behaupten kann ...
Hahaha, ich weiß was du meinst. Ich habe bis heute nicht rausgefunden, was das Ding auf dem Cover überhaupt darstellen soll und warum es überhaupt da drauf ist. Aber die Sache mit den Fliegenklatschen, die Nuclear Blast gestartet hat, ist ja wohl der Hammer. Die Dinger findest du bei unseren Gigs inzwischen überall im Publikum. Wir haben neulich einen Gig auf einer Fähre gespielt, die zwischen Schweden und Dänemark kreuzt. Das war schon so ein ziemlich geiler Gig, aber überall standen die Leute im Publikum und haben sich mit den Fliegenklatschen verkloppt. Das war schon echt cool. Vor allem, weil man am Tag nach dem Konzert auch immer noch ständig auf Langhaarige getroffen ist, die sich mit den Dingern vermöbelt haben, hahaha.
Stimmt, die Idee mit den Fliegenklatschen ist echt gut. Wie sieht's eigentlich aus, habt ihr bislang auch schon Gigs außerhalb Schwedens gespielt?
Ja schon, bisher aber nur in Dänemark.
Ich nehme mal an, dass das nach der Veröffentlichung von "Only Inhuman" etwas anders aussehen wird.
Auf jeden Fall! Wir sind schon für das Wacken Open Air, das With Full Force und das Up From The Ground Festival in Deutschland gebucht. Vor allem auf Wacken freue ich mich echt wie ein kleines Kind. Das muss ja so was von geil sein.
Stimmt, hast du die Reportage namens "Full Metal Village" gesehen?
Nein, leider nicht, aber ich hänge andauernd auf der Page des Festivals rum und schau mir die Bühnen an. Die sind ja echt riesig groß und ich bin doch nur so klein, hahaha.
Ja, dann kannst du dich ja hinter deinem Bass verstecken, wenn du Angst bekommst.
Ja genau. Dann heißt es: "Ich habe zwar deinen Bass gesehen, wie er sich über die Bühne bewegt hat, aber von dir habe ich nichts gesehen!" Hahaha.
Na so schlimm wird's schon nicht werden. Du kannst dir ja ein paar High-Heels anziehen. A propos Klamotten. Stimmt es, dass ihr sogar einen Deal mit einer Klamottenfirma abgeschlossen habt?
Ja, das ist richtig. Allerdings haben es die Nasen bisher noch nicht geschafft, auch nur ein paar Socken vorbeizuschicken. Dabei sollten die so langsam echt mal in die Gänge kommen, sonst muss ich da vorbei gehen und ein paar Ärsche treten, hahaha. Vor allem für die anstehenden Konzerte wären ein paar neue Klamotten schon nicht schlecht.
Hm, das klingt ja schon ein wenig stylish. Wie wichtig ist denn Style, Klamotten und Aussehen für euch?
Hey, du sprichst mit einer Frau, also was soll die Frage, hahaha. Nein, es geht uns auf keinen Fall darum, besonders hipp auszusehen oder einem bestimmten Style zu entsprechen. Ich bin allerdings ein großer Marilyn Manson-Fan und stehe schon auf die Art Look. Im Prinzip geht's aber nur darum, dass wir Klamotten anziehen, in denen wir uns wohlfühlen, und das ist bei Keetch definitiv der Fall. Außerdem will man auf der Bühne ja schon ein wenig was hermachen, oder?
Schon klar. Ich hatte mit Lordi mal eine Diskussion drüber, ob man als Band unbedingt noch einen optischen Anreiz geben muss, zusätzlich zur Musik. Er war natürlich der Meinung, dass man als Fan zu einem Live-Konzert geht, dort Eintritt zahlt und das Recht auf eine richtige Show mit jeder Menge visueller Elemente hat. Ich hingegen habe kein Problem damit, wenn eine geile Band in Jeans und Shirt auf der Bühne steht.
Das kann ich mir vorstellen, dass Lordi so was sagt. Sind wir doch mal ehrlich, ohne dieses ganze Trara mit Schminke, Maske und Kostümen wären Lordi doch nie dahin gekommen, wo sie jetzt sind. Ich meine, der Sound den sie machen ist ok, aber mehr doch nicht. Das ist stinknormaler 80er Jahre Hardrock. Aber jeder soll schließlich das machen, wovon er überzeugt ist.
Oh, so ziemlich alles. Das kann auch schon mal Dark Funeral oder ähnlich extremes Zeug sein. Das sieht beim Rest der Band genauso aus. Mit Robin, unserem Küken haben wir allerdings auch einen Emo mit dabei, der dann Zeug wie My Chemical Romance und so was hört. Das finde ich schauderhaft, aber wenn er denkt, dass das sein muss, hahaha. Dann gibt es die Liebhaber von eher klassischen Sachen wie Iron Maiden und Metallica, und natürlich stehen wir eigentlich alle auf Killswitch Engage, In Flames und Soilwork.
Das überrascht mich jetzt allerdings nicht wirklich, immerhin klingt eine Nummer wie "Flashback" doch wirklich sehr nach In Flames.
Hahaha, das stimmt schon, aber damit habe ich kein Problem. Ich sehe so was eher als Kompliment, denn In Flames sind eine hervorragende Band, und "Flashback" ist mein Lieblingssong. Es ist einfach nur tierisch geil, den Song live auf der Bühne zu spielen. Aber das ist natürlich nicht der einzige gute Song auf unserem Album.
Natürlich nicht. Die Scheibe gefällt mir richtig gut, auch wenn ich mal wieder nicht viel davon halte, dass Nuclear Blast euch als die Revolution der Metals verkaufen wollen. Aber egal, wart ihr eigentlich beim Abmischen anwesend oder habt ihr das Endprodukt einfach irgendwann gehört?
Wie haben die CD bekommen, nachdem sie fertig gemischt war. Ich finde es eh furchtbar, beim Abmischen eines Albums vor Ort sein zu müssen. Du hörst den selben Song immer und immer wieder, und irgendwann hängt er dir so zum Hals raus, dass du ihn nicht mal mehr hören, geschweige denn spielen willst. Da hör ich mir lieber das Endergebnis an, und wenn es so aussieht wie hier, dann freue ich mich darüber.
Wie ist es eigentlich, mit drei Brüdern in einer Band zu spielen?
Eigentlich kein Problem, denn wenn die sich streiten, dann ja meist nur untereinander. Wir anderen machen uns dann allerdings sicherheitshalber immer vom Acker, denn man weiß nie, was die sich gegenseitig an den Kopf werfen, hahaha. Aber wie das bei Brüdern eben ist, vertragen die sich auch wieder miteinander.
Nuclear Blast setzen ja alles dran, euch richtig berühmt zu machen. Seid ihr dafür bereit? Wie sieht es aus, wenn die erste große Tour auf euch zukommt?
Wir sind für alles bereit. Bis auf Robin – der noch zur Schule geht – haben wir zwar alle einen Job, doch daran wird es bestimmt nicht scheitern. Wir hatten neulich erst ein Bandmeeting, in dem wir darüber gesprochen haben, wie es mit Sonic Syndicate weitergehen soll. Schließlich haben wir jetzt die Möglichkeit, unseren Namen zu etablieren, allerdings müssen wir dafür wohl touren, bis der Arzt kommt. Das lässt sich natürlich mit keinem Job vereinbaren, aber jeder von uns in der Band ist der Meinung, dass es das auf jeden Fall wert ist. So bald die erste Tour steht, sind unsere Jobs wohl Geschichte.
Eden Fire (2005)
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