Porträt

laut.de-Biographie

Pnau

Doofe Standardfrage an Pnau in einem australischen Radiointerview: "Wie entsteht eure Musik?" Nick Littlemore, eine Hälfte des Sydneyer Dance-Duos Pnau, winkt nicht etwa gelangweilt ab oder verliert sich in übliche Floskelorgien. Stattdessen erzählt er Folgendes:

"Ein Mann wandert für sehr lange Zeit und ist schrecklich hungrig, als er ein kleines Dorf erreicht, wo ihn die Bewohner misstrauisch nach den komischen schweren Steinen fragen, die er mit sich rumschleppt. Zu essen geben wollen sie ihm nichts, dafür ist er einfach zu schräg drauf. Der Kerl flüstert den Leuten verschwörerisch zu: 'Ich koch euch die beste Suppe, die ihr je gegessen habt aus diesen Steinen, bringt mir einen riesigen Topf!' Und er schmeißt seine Steine in kochendes Wasser, lässt sie brodeln, probiert und ruft, wie herrlich die Suppe doch sei! Sie könnte nur vielleicht eine Karotte vertragen.

Also bringt ihm eine neugierige Oma schnell eine Karotte, der Typ probiert wieder und gerät ins Schwärmen; großartige Suppe! Noch besser wäre sie nur, wenn man noch ein paar Kräuter hinzu gäbe... und die Dörfler schleppen aufgeregt verschiedene Kräuter an, und in Nullkommanichts köcheln alle möglichen Gewürze, Gemüse und Zutaten in der tatsächlich besten Suppe, die sie je gegessen haben. Und sie liebten diesen Mann: Er kam mit leeren Händen bis auf diese Steine, die niemand wollte, und verwandelte alles in Farbe und Licht und Magie."

Der allegorische Eintopf steht für die Zeit seit 1998, die das Elektroduo gebraucht hat, um sich den verdienten Respekt zu erspielen mit einem wirklich frischen, flüssigen und geschmackvollen Mix aus eigentlich nicht viel Neuem. Kinderchöre, die unweigerlich an Justices D.A.N.C.E. erinnern, hektische 80er-Elemente, French-House, poppige Melodien, die sich festsetzen und phasenweise Abgeh-Techno mit stets klarer Songstruktur sind die Zutaten, die sich Pnau (sprich: Pa-nau) geliehen haben, denn: "Ohne die anderen hätten wir keinen Eintopf."

Schon das 1999 recht dreist aus der eigenen Plattensammlung zusammengesampelte Debütalbum "Sambanova" bringt Peter Mayes und Nick Littlemore Gold in Australien und einen hässlichen ARIA Award – den australischen Grammy. Dass die Platte wegen nicht freigegebener Samples eine Woche vor der Verleihung komplett aus den Regalen genommen wurde, ist da ein zu verschmerzender Anfängerfehler. Stets positiv und feierwütig, Lichtjahre entfernt von hirnloser Ballermann-Strandbeschallung, liefern Pnau seither den Soundtrack für den Endless Summer.

Den eher geringen Output an Alben – der Nachfolger "Again" kommt erst im Jahr 2003 auf dem Underworld-nahen Label Underwater – kompensieren die zwei mit exzessiven und chaotischen Liveshows mit legendärer Bühnenpräsenz. So stehen manchmal sechs Musiker auf der Bühne, um die Dancetracks als Band zu performen, oder Nick tritt in einem riesigen Gummi-Arsch auf. Ob es dieser Hang zur Kostümierung ist, der Elton John so begeistert? Jedenfalls konstatiert er, Pnau seien seine neue Lieblingsband.

Die beiden freundlichen Weirdos aus Sydney haben mit John auch kein Problem. Die Selftitled erscheint 2007 beim australischen Label etcetc und wartet mit Kollaborationen von DJ Feadz bis Ladyhawke auf. Und auch wenn Peter, auf die Entwicklung der Band angesprochen, nur antworten kann: "Wir sind definitiv seltsamer geworden", steht fest, dass Pnaus Inspirationsquellen so schnell nicht versiegen werden: "Stürme, Licht, guter Wein, Käse, Verkatert sein, Deprimiert sein, Verliebt sein".

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