Porträt

laut.de-Biographie

Nicolas Sturm

Auch bei Nicolas Sturms Biografie drängt sich mal wieder der Eindruck auf: Um als deutscher Singer/Songwriter einen Plattenvertrag zu ergattern, muss man erst mal einen von seltsamen Kurven und Wendungen geprägten Werdegang durchleben.

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Anders als bei Max Prosa, Gisbert zu Knyphausen und Thees Uhlmann steht beim gebürtigen Stuttgarter aber kein abgebrochenes Studium, sondern eine vermeintlich noch gravierendere Entscheidung zu Buche: Kurz nach der Jahrtausendwende meistert er das Aufnahmeverfahren am weltbekannten, 1996 von Sir Paul McCartney gegründeten Liverpool Insitute For Performing (LIPA). "Mein Plan war, dort zu studieren und in England zu bleiben", erklärt der bekennende Britpop-Fan. "Vielleicht merkt ja keiner, dass ich Deutscher bin?"

"Gespräche mit Studierenden und mit mir selbst" bringen den Abiturienten dann aber ins Straucheln. In Hannover, Frankfurt und Karlsruhe aufgewachsen, bleibt er auch für sein Studium der englischen Sprache in Deutschland. Die Liebe zur Musik bleibt nebenher trotzdem bestehen, auch wenn bis zum Release des ersten Albums noch über zehn Jahre ins Land ziehen sollen.

Für lange Zeit spielt Nicolas Sturm in verschiedenen Formationen und fühlt sich pudelwohl in der Rolle als Bandmusiker. Kein Wunder also, dass er auch seine erste Tour als Solokünstler nicht alleine bestreiten will. "Also habe ich meinen Freund und langjährigen Schlagzeuger Jeremy Dhôme gefragt, ob nicht Lust hat, mich zu begleiten." Von nun an bilden die beiden sowohl live, als auch im Studio ein unzertrennliches Duo und nennen sich fortan Klingen Ensemble.

Nicolas Sturm - Nicolas Sturm Aktuelles Album
Nicolas Sturm Nicolas Sturm
Gelungenes Debüt des Stuttgarter Songwriters.

Zwar weigere sich der Drummer zu singen, spiele dafür aber nebenher noch andere Instrumente, "die eher klein sind und große Wirkung zeigen". Von 1:1-Live-Umsetzungen der Albumtracks ist Nicolas Sturm nach eigenen Angaben nämlich kein Fan: "Die Arrangements sollten variieren. Besonders, wenn die Songstrukturen eher einfach sind, wie im Pop eben üblich. Und in unserem Fall als Duo ist das ja sogar zwingend notwendig.", so der Songwriter.

Daheim im Keller, "mit drei Mikros überm Schlagzeug", entsteht 2010 mit der EP "Doppelleben" der erste Output. Fürs anschließende Album mieten sich Sturm und sein halbfranzösischer Partner dann erstmals ein richtiges Tonstudio an. Jeden Track spielen sie zu zweit live ein, um ihn anschließend um weitere Instrumente zu ergänzen. Die selbstbetitelte Platte "Nicolas Sturm" erscheint schließlich im August 2012 über PIAS Germany.

Auf sein Debüt packt Nicolas Sturm ausschließlich Songs, die mit einem Wort als Titel auskommen. Das sei ebenfalls Teil eines Konzepts, erklärt er. "Wenn man nur ein Wort wählt, das auch nicht zwingend im Refrain des Songs vorkommen muss, gibt das dem Hörer noch mal mehr Möglichkeiten zur Interpretation, mehr Freiheiten in der Wahrnehmung des Textes."

Ein Jahr später hält er an dieser Maxime fest und veröffentlicht seine zweite EP "Manhattan", die Erinnerungen an Tocotronic, Arctic Monkeys und Nick Cave herauf beschwört. Alle Songtitel haben lediglich ein Wort und eine durchgehende Melancholie durchziehen die fünf Tracks.

2016 verabschiedet sich Sturm jedoch von der Namens-Strategie. Sein zweites Album "Angst Angst Overkill" beinhaltet Songtitel mit mehr als nur einem Wort, doch das ist nicht die einzige Veränderung. Musikalisch erweitert der Stuttgarter seinen Soundkosmos mit einem Faible für den 80er Jahre New Wave. Schon das Cover könnte direkt aus dieser Zeit entnommen sein und tpyische Stilelemente finden sich auf dem Album wieder: Bassläufe, Twang-Gitarren, Synthies und eine an The Smiths oder The Cure erinnernde Atmosphäre. Textlich geht es um die großen Sinnfragen und die Suche nach Identität in schwierigen Zeiten von Völkerwanderung und Angst.

Nicolas Sturm bietet feinen Singer-Songwriter-Poprock, der mit leicht rauchiger Stimme fasziniert. Er thematisiert kleine alltägliche Dinge genauso offen wie gesellschaftsrelevante Fragen. Dass er großes Talent besitzt, steht außer Frage, hat er doch den ersten Platz beim Panikpreis-Wettbewerb 2012 der Udo-Lindenberg-Stiftung ergattert.

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