Porträt

laut.de-Biographie

Lupe Fiasco

Nein, er ist kein herkömmlicher Rapper. Er hat früher Hip Hop gehasst, weil das Genre Frauen erniedrigt. Er ist Muslim, trinkt keinen Alkohol, raucht nicht und Groupies sind für ihn tabu. Er trägt keine Goldkette, weil sie beim Skateboard fahren stört. Er ist Lupe Fiasco.

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Lupe Fiasco, am 17. Februar 1981 als Wasalu Muhammad Jaco geboren, wächst in Chicago auf. Dank Künstlern wie Common, Rhymefest, Consequence, Kanye West und Twista hat die Stadt sich bereits auf der Hip Hop-Landkarte etabliert. Trotzdem schafft ein unbestreitbares Talent auch dort nicht den lockeren Sprung vom Nobody zum Superstar. Lupe Fiasco hat in seiner jungen Karriere schon so manchen Rückschlag erleben müssen. Die Musikindustrie ist und bleibt eben ein ... Fiasko.

Mit 19 Jahren landet Lupe einen Plattenvertrag mit seiner Crew Da Pak bei Epic. Abgesehen von einer erfolglosen Single geht dort aber gar nichts, kurzerhand löst sich die Gruppe also wieder auf. Lupe Fiasco jedoch bleibt irgendwie in nebulösen Labelstrukturen hängen und tütet einen Solo-Vertrag bei Arista ein. In seinem neuen Boss L.A. Reid hat er einen seiner größten Fans gewonnen, was ihm jedoch nach dem Arista-Ende von Reid nicht mehr viel bringt. Die einzige Solo-Single startet nicht durch, die Kollaborationen bleiben auf dem Level von semi-bekannten Interpreten (Tha'Rayne und K Fox) stecken. Kurzum, Lupe Fiasco hat zwar Talent und einen Plattenvertrag, aber irgendwie will es mit der Karriere nicht klappen.

Just in diesem Moment wird der Jigga auf den jungen Mann aufmerksam. Begeistert unterbreitet Jay-Z Lupe Fiasco das Angebot, ihn auf Roc-A-Fella bzw. Def Jam zu signen. Sean Carter arbeitet zu dieser Zeit an seinem "Black Album", denkt schon an seinen Rücktritt und streckt seine Fühler nach potenziellen Nachfolgern aus. Doch Lupe bleibt seinem etwas anderen Zugang zum Business treu und schlägt das Angebot aus. Der Grund: Mit seinen Kumpels hat er bereits sein eigenes Label 1st & 15th aus der Taufe gehoben und ist davon überzeugt, nach den ganzen Scherereien das Ganze besser selber in die Hand zu nehmen. Jigga beweist Größe und bietet, ohne beleidigt zu sein, Hilfe fürs Solodebüt an.

Eine weise Entscheidung Fiascos, denn langsam aber sicher kommt die Karriere in Fahrt. Auf Kanye Wests Kassenschlager "Late Registration" darf Lupe auf dem Track "Toch The Sky" hinters Mikro. Dabei bleiben seine Stimme und seine nicht ganz alltäglichen Reime auf Marvin Gaye-Bläsern hängen. Und als sich noch die Letzten fragen, wer dieser Typ im Kanye-Video ist, der sich mit Lines wie "I still feel as possessed as a gun charge" die Metapher-Krone aufsetzt, arbeitet Lupe schon erfolgreich mit seiner ersten eigenen Single "Kick, Push" an einem ordentlich Underground-Buzz.

Der musikalisch an die goldenen Zeiten des Raps erinnernde Track ist eine Hommage an Lupes zweite Lieblingsbeschäftigung Skateboarding und trifft in der Tony Hawk-Ära irgendwie den Nerv der Zeit. Nicht nur das: Eingefleischte Hip Hop-Heads sind genauso von Lupes Style begeistert und hieven den vermeintlichen Newcomer auf die Titelseiten des Faders und weiterer Mags. Die Person Fiasco erregt Aufmerksamkeit, weil er eben anders ist als der Rest: ein Kampfsport-Fan mit Liebe zu asiatischen Animés, ein Mode-Fan mit Sneaker-Obsession und ein bebrillter Moslem. Außerdem rappt er wie ein junger Gott.

Als die Rap-Welt Anfang 2006 noch auf die Veröffentlichung des Debüts wartet, macht der Sportriese Reebok bereits Nägel mit Köpfen und verpflichtet Fiasco neben Mike Jones und Lil Wayne für eine Street-Kampagne. Der Buzz köchelt weiter, doch die neu gewonnenen Fans schreien nach einem Album. Als sie im Sommer eine Rohversion von "Food & Liquor" runterladen, wird es der Plattenfirma Atlantic zu brenzlig. Sie drängt zur Veröffentlichung, Lupe überarbeitet die gecrackte Version, und im September steht das Solodebüt inklusive Jay-Z-Auftritt und Neptunes-Beat in den Läden.

In der ersten Woche wird aber schnell klar, dass der Schnellschuss fehl geht. Lumpige 80.000 Einheiten setzt Lupe ab, Atlantic stellt die sowieso schon spärlichen Werbemaßnahmen komplett ein. Schöne Scheiße, weil Lupe Fiasco mit "Food & Liquor" eines der besten Alben des Jahres für sich verbucht. Darüber sind sich nicht nur Kritiker und Fans einig, sondern auch das Grammy-Komitee, das den Longplayer und die Single "Kick, Push" für den Musikpreis nominiert.

Offensichtlich hat die kontemporäre Käuferschicht jedoch für tiefgründigen Sarkasmus nicht viel übrig und kann mit folgenden Textzeilen nicht viel anfangen: "Now come on everybody, let's make cocaine cool. We need a few more half naked women up in the pool. And hold this MAC-10 that's all covered in jewels. And can you please put your titties closer to the 22s? And where's the champagne? We need champagne. Now look as hard as you can with this blunt in your hand." ("Daydreamin'")

Lupe Fiasco nimmt es gelassen. Er hat zwar das Rennen um den (kommerziell) erfolgreichsten Rap-Newcomer 2006 gegen Young Dro und Jim Jones verloren, genießt unter Kollegen aber nach wie vor Respekt. Lupe Fiasco konzentriert sich auf den Nachfolger "The Cool", der im Dezember 2007 das Licht der Welt erblickt.

Die deutlich dunklere musikalische Untermalung erklärt sich aus einigen Rückschlägen, die Lupe im Jahr 2007 erleiden muss. Sein Vater stirbt, und ein langjähriger Freund und Geschäftspartner bei 1st & 15th Charles Patton muss für 44 Jahre ins Gefängnis. Thematisch, so erklärt der Künstler selbst, orientiert sich das Album an dem gleichnamigen, von Kanye West produzierten Song des Debütalbums.

Auf 19 Songs zeigt der 25-jährige Rapper eine Glanzleistung aus Songwriting und Flowtechnik. Doch auch die Verkaufszahlen von "The Cool" bleiben in einem für die Plattenfirma unbefriedigendem Bereich - trotz Auftritten von Snoop Dogg, Fall Out Boys Patric Stump, UNKLE und dem Chris Martin-Klon Matthew Santos. Eines von vielen Zeichen, dass der (Hip Hop-)Musikmarkt trotz qualitativer Künstlerarbeit mit herkömmlichen Arbeitsweisen nicht mehr an die goldenen Zeiten anknüpfen kann.

News

Alben

Lupe Fiasco - The Cool: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2008 The Cool

Kritik von Alexander Engelen

Verwässerter Flow beim Flirt mit dem Pop. (0 Kommentare)

Videos

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Paris, Tokyo
  • Offizielle Seite

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    http://www.lupefiasco.com/
  • Lupe bei MySpace

    Allerlei Gimmicks in akzeptabler Optik.

    http://www.myspace.com/lupefiasco

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