Porträt

laut.de-Biographie

Larry Graham

Larry Graham, der Mann mit dem dicken Daumen. Bassist, Sänger, Songwriter, Produzent und Onkel von Drake. Erfinder der Slappens, auch wenn er es lieber Thumpin' and Pluckin' nennt. Funk-Urgestein als Gründungsmitglied von Sly And The Family Stone. Bandleader der Graham Central Station und Anfang der Achtziger als Soul-Schmalzlocke bekannt.

Am 14. August 1946 kommt Larry Graham Jr. in Beaumont in Texas zur Welt, wächst aber im kalifornischen Oakland auf. Schon als ganz kleiner Steppke beginnt er, Klavier und Schlagzeug zu spielen, bis ihm sein Vater mit elf eine Gitarre schenkt.

Mit fünfzehn Jahren steigt er bei der Band seiner Mutter, The Dell Graham Trio, ein. Larry spielt Gitarre, singt und bedient zeitgleich die Basspedalen einer Orgel. Als diese eines Abends den Geist aufgibt, leiht er sich einen St. George-Bass, um die Zeit bis zur Reparatur zu überbrücken. Doch das alte Tasteninstrument ist endgültig hinüber.

Kurze Zeit später entscheidet sich Larrys Mutter, aus dem Trio ein Duo zu formen. Zwei Musiker kosten einfach weniger als drei. Der Schlagzeuger fliegt kurzerhand raus. Um diese Lücke zu füllen, beginnt der experimentierfreudige Bassist, die Bassdrum mit seinem Daumen (thumping) und die Snare mit einem Anreißen der Saiten (plucking) zu imitieren. Dabei lässt er sich zudem vom Pianospiel seiner Mutter inspirieren.

'Thumpin' And Pluckin' ist geboren. Grahams eigener Sound, der unter dem Namen 'Slapping' um die Welt geht und unzählige Funk- und Alternative Metal-Musiker inspiriert. Zu ihnen zählen unter anderem Bootsy Collins, Flea, Mark King, Fieldy, Sven Kabelitz oder Stuart Zender.

Noch während seiner Zeit am College spielt er Bass bei John Lee Hooker, Jackie Wilson, Jimmy Reed und The Drifters. Doch sein Stern geht erst auf, als er 1968 zur Geheimwaffe von Sly And The Family Stone aufsteigt.

Larry Grahams charakteristischer Basssound schmückt bis 1972 die Sly And The Family Stone-Platten. Zusammen nehmen sie Alben-Klassiker wie "Stand!" und "Here's A Riot Goin' On", mit den Hit-Singles "Everyday People" und "Family Affair". Zeitgleich erarbeiten sie sich den Ruf einer gefragten Liveband. Für Graham gilt der Auftritt bei Woodstock als eines seiner schönsten Erlebnisse.

"Niemand von uns hatte je vor einer halben Million Menschen gespielt. Da wir nachts spielten, konnten wir sie auch nicht sehen", erinnert sich Graham an den Abend im August 1969. "Aber als wir unsere erste Pause einlegten, hörten wir die Reaktion des Publikums. Das Brüllen aus einer halben Million Kehlen - right there in your face! Für uns war der Auftritt ein Wendepunkt."

Doch alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Sly Stone verfällt den Drogen und umgibt sich mehr und mehr mit Ghetto-Schlägern. Die einst freundschaftliche Beziehung zwischen Bandleader und Bassisten zersetzt sich aufgrund der Paranoia und Brutalität Stones und seines Umfeldes. 1972 muss Graham mit seiner Frau aus Angst um das eigene Leben aus einem Hotel fliehen.

Nach der Trennung will sich Graham mehr auf das Produzieren konzentrieren. Er nimmt die Band Hot Chocolate (Ähnlichkeiten mit der Errol Brown-Crew sind reiner Zufall) unter seine Fittiche. Zu diesem Zeitpunkt besteht die Gruppe aus Patrice "Chocolate" Banks (Vocals / Percussion), David "Dynamite" Vega (Gitarre), Robert "Butch" Sam (Orgel), Hershall "Hapiness" Kennedy (Keyboard) und Willie "Wild" Sparks (Schlagzeug). Als Graham bei einer Zugabe die Bühne entert und das Publikum frenetisch feiert, ist aber schnell klar, wohin die Reise geht. Hot Chocolate mutiert zu Graham Central Station.

Das selbstbetitelte Debüt erscheint 1974 und wird zum vollem Erfolg. Die Band erhält eine Nominierung für den Grammy "Best New Artist". Bis "Star Walk" im Jahr 1979 folgen weitere sechs Longplayer und Hits wie "Can You Handle It", "Feel The Need" und "Your Love". Zugleich produziert Graham Miles Davis' Ex-Frau Betty Davis, Tower Of Power und die Pointer Sisters.

1980 startet Graham eine Solo-Karriere, die ihm weg vom Funk, hin zu Soul-Balladen führt. Die Single "One In A Million You", sowie das gleichnamige Album erreichen die Top Ten und Bass und Funk verschwinden für lange Zeit in den Hintergrund. Mit "Just Be My Lady" folgen ein Jahr später eine Single und Platte nach gleichem Strickmuster, die nochmals an den Erfolg anknüpfen. Doch schon 1985 ist die große Solo-Karriere vorbei. "Fired Up" erscheint nur noch in Japan.

Nach einigen Jahren als Songwriter und Auftragsmusiker reformiert Graham 1990 Graham Central Station, nun mit den ehemaligen Family Stone-Mitgliedern Cynthia Robinson (Trompete)und Jerry Martini (Saxophon) an seiner Seite. Doch bis "GCS 2000", zusammen mit Prince im Jahr 1999 aufgenommen, stehen nur zwei Liveaufnahmen sowie der Japan-Release "By Popular Demand" auf der Backlist. Bis zu "Raise Up" gehen weitere dreizehn Jahre ins Land.

Mit Prince verbindet Graham seit einem gemeinsamen Jam auf einer Aftershowparty 1997 eine Freundschaft. Zwischen 1997 und 2000 spielt der Bassist in der Live-Crew des kleinen Musikus'. Graham, der selbst seit 1975 Mitglied der Zeugen Jehovas ist, überredet Prince nach einer zwei Jahre währenden Diskussion, zu seinem Glauben zu wechseln. "Es war wie bei Morpheus und Neo in Matrix."

Der riesige Afro, der einst alle überragte ist lange Vergangenheit. Geblieben ist Larry Graham die Fähigkeit, auf seinem weißen Bass die funkigsten Rythmen zu thumpen and plucken.

Alben

Larry Graham & Graham Central Station - Raise Up: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2012 Raise Up

Kritik von Sven Kabelitz

Ohne Vorwarnung zurück in die Blütezeit des Funk. (0 Kommentare)

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