Porträt

laut.de-Biographie

Large Professor

"Sie alle bekamen die Kohle, den Schmuck, die Bitches, all den ganzen Scheiß. Sie lieben dieses Leben. Aber da gibt es trotzdem diese Traurigkeit. Ehrlich gesagt, tun sie mir sogar ein wenig Leid. Word! Nas, Q-Tip, Busta Rhymes, Havoc und Prodigy von Mobb Deep – all diese New York-Ikonen kennt William Paul Mitchell noch aus einer Zeit, in der sie noch dealten, grün hinter den Ohren waren, bei Mami wohnten und statt Kaviar Burger mit Pommes mampften.

Large Professor lebt und liebt Hip Hop. Er ist Hip Hop. Selten hat das Game jemanden gesehen, der sich so für die Kultur opfert und sie so sehr trägt und gestaltet. Fame, Geld, das Gepose, der Erfolg – alles unwichtig, es geht um mehr. "Ich mache nicht einen auf 'Ich mache Musik nach einem bestimmten Prinzip nur um Millionen scheffeln zu können'. Ich mache es wegen der Roots, der Kultur. Manche reden von keeping it real und all dem, aber wenn die Industrie erst ihre Brote schmiert, ist es vorbei! Für Large Professor ist Hip Hop so wichtig wie das Wahlrecht einer Demokratie.

Ende der 80er Jahre: Mitchell Junior wächst in der Middle-Class-Gegend Flushing auf. Hier, in Queens, New York kommt er während seiner High School-Jahre mit der aufkeimenden Hip Hop-Bewegung in Berührung. "Es war wie bei den Olympischen Spielen – jeder wollte der Beste sein." Large Professor saugt alles in sich auf, nimmt Radio-Shows auf, sammelt Tapes und sein sehnlichster Wunsch zum 18. Geburtstag ist eine Emu SP-1200 – der heißeste MPC-Shit zu der Zeit.

Mama Mitchell arbeitet als einfache Angestellte, der Vater ist im Fahrdienst tätig – alles in allem zu wenig. Trotzdem treibt seine Mutter besagtes Beat-Gerät auf und öffnet dadurch Tor und Pforte zu seiner Karriere.

Noch in der Schule lernt Paul Kevin "K-Cut" McKenzie kennen. Da es 1988 noch zum guten Ton gehört einen DJ mit auf den Flyer packen zu können, tun sich die beiden zusammen. Die Geburtsstunde von Main Source. Mama McKenzie besteht darauf, dass ihr älterer Sohn Shawn "Sir Scratch" auch noch mitmischen darf und reißt sich dabei ganz nebenbei das Management des Trios unter den Nagel.

Der erste Underground-Hit "Think" bekommt Props und Airplays von Pete Rocks Radiostation "In Control With Marley Marl". Später würde man es einen lokalen Hype nennen. "Ich erinner mich noch als ich das erste mal "Think" hörte und mich fragte, wie er diesen Beat zustande gebracht hat", reminisziert DJ Premier später. "Ich und Guru lebten in dem Ein-Raum-Studio in der 183. Straße in der Bronx und Large schaute von Zeit zu Zeit vorbei. Wir saßen stundenlang nur da und hörten Beats."

Viele Rapper der Golden Era, der Zeit in der kein Jahr verging ohne dass ein einflussreicher All Time-Klassiker erschien, rudern einfach einfach mal drauf los. Es gibt noch keine Blaupause, niemanden den man kopieren könnte. So kommt es, dass sich Premo ein paar Tricks von P abschaut, Busta Rhymes hier und da mal vorbeischaut und Mobb Deep wissen wollen, wie man fette Schlagzeug-Sounds produziert. "Large Professor war der erste, der wirklich jemanden etwas beibrachte und uns zeigte, wie man Drums und Sequenzen programmiert", erinnert sich Havoc.

Während diesen fast schon Rap-Familien-artigen Verhältnissen entsteht im Elternhaus Mitchell ein erster richtungweisender Produktions-Meilenstein: Main Source veröffentlichen im Februar 1991 "Breaking Atoms". An Hits wie "Just Hangin' Out" und "Looking At The Front Door" kommt kein DJ und Rap-Fan mehr vorbei. Neben der neuartigen Produktionsweise betritt aber besonders ein besonders talentierter Jungspund den jungfräulichen Rap-Rasen: "Live At The Barbeque" featurt einen im Untergrund gefeierten aber landesweit unbekannten Nasty Nas.

"Ich war so um die 15 und nahm gerade mein Demo auf" erinnert sich Nasir Jones. "Ich hatte von diesem Typen aus Flushing gehört mit diesen abartigen Beats. Also fragte ich Fatal und meinen DJ Melquan, ob sie uns zusammen bringen könnten." Der Grundstein für eines der besten, einflussreichsten und wohl hip hoppigsten Alben aller Zeiten ist geschaffen: "Illmatic" liegt in den Wehen.

Denn Large P erkennt sofort das außergewöhnliche Flow-Talent des Teenies aus den Projects. Er bringt ihn mit Rakim zusammen, gießt dem Erfolg des Durchstarters das Fundament. Nas will ihn unbedingt als Executive Producer gewinnen. Doch P hat ganz andere Probleme: "Ich wusste nicht einmal mehr wo die McKenzies wohnten, for real. Eines Tages fand ich heraus, dass sie im Columbus Circle residieren und ich noch bei meiner Mom wohnte. Während ich mit Metro und Sir Sratch mit seinem neuen Jeep fuhr, konnte ich mir nicht mal ein Auto leisten." Managerin McKenzie schaufelt den baren Erfolg von "Breaking Atoms" fleißig in die Familien-Kasse.

Paul kehrt Main Source den Rücken noch bevor das zweite Album in den Läden steht. "Illmatic", das mit drei Professor-Beats bestückt ist, geht mit dem Erfolg von "It Was Written" gold. Large P produziert für Pete Rock & CL Smooth, Busta Rhymes, Masta Ace, Common, Daddy Kane, Mobb Deep und vielen weiteren 90er Heroen. Auf A Tribe Called Quests dritter Erfolgs-Platte lässt er dem Ärger über seine Ex-Crew freien Lauf: "I'm Uptown chillin', takin' in this grand master Vic blend / from the projects, the PJ's, fuck them two DJ's / Self mission, I had to end that ill position".

P kommt 1996 bei Geffen Records unter Vertrag. Sein Solo-Auftitt, simpel "The LP" genannt, verspätet sich immer wieder trotz der zwei erfolgreicher Singles. Label-Streitereien verhindern das Release komplett. So bringt er erst 2002 sein erstes Album unten dem Titel "1st Class" unters Volk. Doch wie sich schon Torch hierzulande eingestehen musste, verpasst Extra P den Anschluss nach der Rap-Wende: Im neuen Jahrtausend landen seine Produktion fast ausschließlich auf Underground-Scheiben von u.a. Mic Geronimo, Boot Camp Clik, Cormega oder Prince Po.

Mit "Stillmatic" holt ihn Nas etwas zurück ins Rampenlicht: "Large Professor verpackt eine Nostalgie in seine Tracks, weil er diese gewisse Ära repräsentiert. Doch Extra P geht es nach wie vor nur um stimmige Tracks, um eine Message und um den Erhalt der Kultur. So bringt er fast unbemerkt zwei Instrumental-Alben heraus: "Beatz Vol. 1" und das Nachfolgewerk "Beatz Vol. 2".

"Es gibt dieses eine Bild in meinen Gedanken: Da steht jemand vor einem Laden mit großen Boxen und aus denen kommt etwas Funkiges. Dann weiß ich es. Wenn ich mir eine Platte anhöre und mir denke, 'Yo, das könnte ich nehmen' und dieses Bild kommt, dann ist das ein Sample aus dem ich einen Beat baue."

2009 erscheint dann auch schließlich, 13 Jahre nach der Fertigstellung, "The LP". Später erinnert er sich an die Probleme zwischen ihm und dem Label zurück: "Ich war zu widerspenstig, besonders am Mic. Ich glaube nicht, dass es an den Beats lag. Ich glaube es lag daran, was ich gesagt habe und dass es einfach nicht radiotauglich war."

Sein Fokus, sein Antrieb und seine Motivation Beats im Stile des klassisches East Coast-Sounds zu kreieren sind heute die selben wie zu der Blütezeit des modernen Hip Hops: "Mein Hauptaugenmerk liegt einfach darauf Original Hip Hop rauszubringen. Für uns als Community, damit wir stark bleiben."

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