Porträt

laut.de-Biographie

Boot Camp Clik

Frage: Ein New Yorker-Kollektiv, das aus der Hip Hop-Historie zu Zeiten der goldenen Ära des Genres nicht wegzudenken ist, das aber nicht mit fernöstlichen Kung Fu-Philosophie kokettiert? Der Wu-Tang Clan fällt wegen Shaolin Shadowboxing und Wu-Tang Swordstyle heraus. Die Antwort: Boot Camp Clik. Der Zusammenschluss der Rapper Buckshot (Black Moon), Tek und Steele (aka Smif-N-Wessun), Ruck aka Sean Price und Rock (alias Heltah Skeltah), sowie Starang Wondah, Top Dog und Louieville Sluggah (bekannt als Originoo Gunn Clappaz) treibt seit den Anfänger der Neunziger im Hip Hop-Genre sein Unwesen und liefert seit weit über einer Dekade kantigen Eastcoast-Rap aus den Tiefen Brooklyns. Satte 2.5 Millionen Platten hat das Kollektiv um das Label Duckdown insgesamt seit seinem Einstand im Jahre 1992 verkauft.

Keine Selbstverständlichkeit angesichts der Kompromisslosigkeit von roughem Streetrap. Den Grundstein legen die Black Moon-Single "Who Got Da Probs?" und das folgende Album "Enta Da Stage", mit dem das Trio, bestehend aus Rapper Buckshot und den Produzenten 5ft und Evil Dee aka Da Beatminerz, die aufstrebende Eastcoast-Szene sprengt. Mit dem Trademark-Sound aus dickem Bass und staubtrockenen Samples entwickelt sich dabei eine eigene Ästhetik in New York nebst dem gewichtigen Playboy Notorious B.I.G., Street Hop-Gott Nas, den Queensbridge-Nachwuchsgangstern Mobb Deep und dem zum Weltruhm greifenden Wu-Tang Clan.

1994 gründen Buckshot und Kumpel Dru Ha das Label Duck Down Records auf dem in Folge alle Veröffentlichungen der Posse erscheinen. Allen voran donnert 1995 Smif-N-Wessuns "Dah Shinin'" über den Big Apple hinweg. Musikalisch düster untermalt von den Beatminerz setzen die Rapper Tek und Steele hierauf Standards in Sachen Streettales und einem prägenden Erscheinungsbild aus Timberland-Boots, Camouflage-Daunenjacken und bösen Blicken.

1996 ziehen Heltah Skeltah mit "Nocturnal", die Originoo Gunn Clappaz (O.G.C.) mit "Da Storm" und Black Moon mit "Diggin' In Dah Vaults" nach, bis dann schließlich 1997 das Debüt der gesamten Crew in Form von "For The People" erscheint. Musikalisch beschreiten die Brooklyn-Representer hier neue Wege. Der Sound ist deutlich zugänglicher und weniger düster, was in erster Linie mit der Trennung vom Produzenten-Team Da Beatminerz zusammenhängt. Vielmehr übernehmen nun Live-Instrumentierungen und Old School-Attitüden die Untermalung für die nach wie vor harten Texte der Clique.

Trotz stetiger Veröffentlichungen wird es in Folge ruhiger um Duck Down-Records. Erst die Trennung von jeglicher Major-Unterstützung und die Entscheidung, vorerst independent zu agieren, bringt Duck Down erneut auf die Rap-Landkarte. 2002 erscheint das zweite Kollektiv-Werk der Boot Camp Clik "The Chosen Few" und hinterlässt im neuen Jahrtausend den süßen Duft vergangener Zeiten. Endgültig katapultiert sich Duck Down 2005 wieder in die Kopfhörer der Heads weltweit mit ihrer Tripple Threat-Kampagne - der Veröffentlichung der Platten von Sean Price ("Monkey Barz"), Buckshot & 9th Wonder ("Chemistry") und Smif-N-Wessun ("Reloaded"). Gerade bei den Platten von Sean Price und Buckshot übertreffen sich die Kritiker mit Lobeshymnen, die Bucktown-Crew steht wieder im Mittelpunkt des (Underground-)Rap-Geschehens.

Die perfekte Zeit, um ein neues Crew-Album auf den Markt zu werfen. So erscheint im Sommer 2006 "The Last Stand" mit der Unterstützung von Large Professor, Pete Rock, Da Beatminerz und dem neuen Produzenten-Star 9th Wonder. Auf 14 Tracks lassen Buckshot, Heltah Skeltah, O.G.C. und Smif-N-Wessun die alten Zeiten aufleben und präsentieren ihre außergewöhnlichen Rap-Skills auf 90er-inspirierten Instrumentals. Dabei unterstreichen sie vor allem eines: mit den Timberland-beschuhten, dicke Hoodies tragenden New Yorkern ist wieder zu rechnen.

Alben

Boot Camp Clik - The Last Stand: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2006 The Last Stand

Kritik von Alexander Engelen

Knöcherne Raps, wie man sie aus den Tiefen Brooklyns erwartet. (0 Kommentare)

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