Porträt

laut.de-Biographie

Lady Sovereign

Wieder und wieder schleudern die "großen Jungs" zu Beginn ihrer Karriere der kleinen Konkurrentin entgegen: "Du bist weiß, du bist ein Mädchen, du bist britisch - du bist Scheiße." Als besonders weitsichtig erweisen sich diese Worte nicht nicht: Lady Sovereign steigt nicht nur zur wohl bekanntesten britischen Female-MC nach Ms Dynamite auf, sie soll auch als erster nicht-amerikanischer Act in der Obhut des Labels Def Jam Hip Hop-Geschichte schreiben.

Die unglaubliche Erfolgsstory nimmt im Nordwesten Londons ihren Anfang. Hier, in Wembley, erblickt am 19. Dezember 1985 Louise Amanda Harman das Licht der Welt. Sie und ihre beiden Geschwister wachsen zwar nicht in der allerbesten Wohngegend auf, das nahegelegene Stadion liefert aber Ansporn für hochfliegende Zukunftspläne: Fußballstar will Louise werden, natürlich im Sturm, Tore schießen.

Der Traum zerplatzt jäh, als man die 16-Jährige für einen regulären Schulbetrieb als nicht tragbar erachtet und auf die Straße setzt. Louise versucht sich fortan in verschiedenen Jobs: Als Doughnutverkäuferin im benachbarten Supermarkt hält sie es immerhin drei Wochen aus. Schließlich spricht der Vater ein Machtwort: Seine Tochter habe schon immer eine dramatische Ader gehabt. Kurzerhand wird sie zum Schauspielunterricht angemeldet.

Dort kommt Louise ihr Hobby zugute: Inspiriert von den Salt'n'Pepa-Platten ihrer Mutter schreibt sie bereits seit zwei Jahren ihre eigenen Raps und verwurstet dabei Beobachtungen aus ihrem Umfeld: In Chalkhill Estate mangelt es an vielem, nicht aber an Stoff für Geschichten. Erste Ergüsse lädt Louise, die fortan den Kampfnamen Lady Sovereign führt, in ein Internet-Fanforum der So Solid Crew. Später postet sie Musik und Bilder auf unterschiedliche Musik-Webseiten.

"Damals, als ich angefangen habe, haben mich die Leute immer ausgelacht und mit dem Finger auf mich gezeigt, wenn ich ans Mikrofon ging. 'Seht her, das kleine weiße Mädchen will auf die Bühne!' Ich ging rauf, und die Unterkiefer klappten nach unten. Die Leute waren vom ersten Tag an geschockt", erinnert sich Lady Sovereign an ihre anfänglichen Gehversuche. (planbmag.com) Um spöttisches Begrüßungs-Gelächter möglichst zu umgehen, bietet sich das Internet als Battle-Arena geradezu an. Hier trifft sie auf Frampster, später lange Jahre ihr DJ.

Doch zurück in die Schauspielklasse: "Eine Leinwandkarriere hatte ich zwar nicht im Sinn, aber ich hätte nichts dagegen gehabt, ein bisschen Comedy oder sowas zu machen." Hier wird 2002 aber zunächst einmal ein Fernsehfilm gedreht. Die Handlung von "X-ed" dreht sich um ein Mädchen, das die Schule schmeißt, um eine Laufbahn als MC und DJ einzuschlagen.

"Klingt sehr vertraut", witzelt Lady Sov. "Aber die hatten das Drehbuch tatsächlich schon geschrieben, bevor sie mich überhaupt kannten, ist das nicht krank?" Neben der Hauptrolle schnappt sie sich die Gelegenheit, einen Song zum Streifen aufzunehmen und kommt darüber mit Medasyn in Kontakt, der sich in der wachsenden Grime-Community bereits einen Namen als Produzent gemacht hat. Er holt sie ins Studio. Der Anfang ist gemacht. "Yeah, seht zu, dass ihr aus der Schule geschmissen werdet, Kinder. Das hilft, wirklich!"

In Lady Sovereigns Fall: ja. Sie kommt auf der Male vs. Female-12" "The Battle" unter, die 2003 bei Casual Records erscheint, und unterstreicht damit den Ruf als MC, Lyricist und Producer, den sie sich online schon längst erstritten hat. Lady Sovereign erweist sich als ein typisches Produkt der Jugendkultur der 90er. Sie mischt Grime, Jungle, Garage, Drum'n'Bass, Dancehall, Ska, Hip Hop, R'n'B, Punk und Hardcore wüst durcheinander. Ihr Flow birgt, obwohl mit breitem Londoner Arbeiterklasse-Akzent britisch durch und durch, eine Menge jamaikanischen Toastings.

Lady Sovereign zieht, wie Hip Hop in Großbritannien allgemein, mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich. Mit der Popularität kommt das Medieninteresse. Noch bevor sie eine offizielle Veröffentlichung vorweisen kann, findet man Lady Sovs Foto auf dem Titelblatt diverser Magazine. Allseits scheint man hellauf begeistert von dem Energiebündel im Trainingsanzug. Mehrere Singles beweisen: 1,52m klein und ein Mundwerk wie ein gestandener Fernfahrer.

Zeit für ein Album? Eigentlich schon. Zunächst einmal schafft Lady Sovereign aber, solo und in Begleitung von The Streets, den Sprung auf den Grime-Sampler "On The Road". Chocolate Industries legen noch im gleichen Jahr die acht Tracks starke und zusätzlich mit Video- und Interview-Material aufgemotzte EP "Vertically Challenged" nach.

Im August 2005 dann DER Anruf: Ein amerikanisches Label klopft an. Lady Sovereign wird zu Verhandlungen nach New York geflogen. "Ich musste in Jay-Zs Büro gehen und ihm was vorrappen", erinnert sie sich im Interview mit Newsweek. "Aus irgendeinem Grund waren auch noch L. A. Reid und Usher dabei. Ich hatte so Schiss, ich wäre fast erstickt. Ich bin immer noch überrascht, dass das gut gegangen ist." Das kann man so sagen: Def Jam nimmt mit Lady Sovereign den ersten nicht-US-Act unter Vertrag.

Plötzlich hat die Kleine aus Chalkhill Estate das Budget und das Marketing eines Major-Labels im Rücken. Lady Sovereign ist nicht zu stoppen. Sie tourt durch die USA, kollaboriert mit Basement Jaxx, Missy Elliott, den Ordinary und den Beastie Boys. Der ersten Single "Hoodie" folgt, im Oktober 2006, das Debüt in voller Länge, "Public Warning". Die nächste Single, "Love Me Or Hate Me", ertönt unter anderem im Soundtrack zum Computerspiel "Need For Speed: Carbon" und in der Telenovela "Ugly Betty". Im Frühjahr 2007 ist "Public Warning" dann auch in Deutschland erhältlich.

Lady Sovereign steckt immer noch im Trainingsanzug. Sogar als Brautjungfer bei der Hochzeit der Schwester bleibt sie ihrem Kleidungsstil treu. (Allerdings ließ der Sponsor, ein Sportartikelhersteller, für diesen Anlass ein besonders edles Exemplar in Weiß und Gold springen.) "Ich glaube, ich hab' mit zehn oder elf zum letzten Mal ein Kleid angehabt."

Wen interessieren auch Äußerlichkeiten? 2007 arbeitet Lady Sovereign bereits am Nachfolger zu "Public Warning". Ab Ende April stehen wieder Konzerte in den USA auf dem Plan. Zuvor spielt sie zusammen mit Data MC aus Berlin drei Shows in Deutschland. Im September geht es als Support für Gwen Stefanis "The Sweet Escape"-Tour auf die ganz großen Bühnen. Spätestens jetzt hat sie es wahr gemacht: Lady Sovereign ist tatsächlich "officially the biggest midget in the game".

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Lady Sovereign - Public Warning: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2007 Public Warning

Kritik von Dani Fromm

Die verlorene Tochter von Missy Elliott und Eminem - gezeugt auf Speed. (0 Kommentare)

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Live in Köln Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit.

Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Lady Sovereign brachte gute Laune in die Domstadt mit., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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