Porträt

laut.de-Biographie

John Martyn

John Martyn ist das, was im englischsprachigen Raum als Musician's Musician bezeichnet wird: Ein unter Kollegen aufgrund seines Talentes und seiner Persönlichkeit beliebter Mucker, der den richtigen Durchbruch aber nie geschafft hat. "John Martyn war absolut einzigartig. Er hatte ein wahnsinnige Kraft und so viele Gefühl in seiner Musik, dass man als Zuhörer oft baff war, selbst wenn er sich nur mit seiner Gitarre begleitete", gibt etwa sein enger Freund Phil Collins zu Protokoll.

1948 kommt Martyn mit dem Namen Iain David McGeachy in der englischen Grafschaft Surrey als Sohn zweier Opernsänger zur Welt, wächst aber weitgehend mit seiner Oma im schottischen Glasgow auf. Dort lernt er, Gitarre zu spielen, und beginnt mit 17 eine Karriere als professioneller Musiker.

Mit einer Mischung aus Folk und Blues macht sich Martyn Mitte der 60er Jahre in der einschlägigen Londoner Clubszene rasch einen Namen. Chris Blackwell ist so von ihm begeistert, dass er ihn als ersten weißen Künstler bei seinem Label Island unterbringt, das sonst auf Reggae spezialisiert ist.

"London Conversation" (1967) ist kommerziell ein Flop, entwickelt sich jedoch im Laufe der Zeit zu einem Kultalbum. Martyn lässt sich nicht beirren und weitet seinen Stil in den folgenden Jahren auf Jazz und Elektronik aus. "Er war der erste Folktroniker" gibt Beth Orton nach Martyns Tod zu Protokoll. "Stormbringer!" (1970) ist eines seiner bekanntesten Alben, wie auch "Solid Air" (1973), das Martyn seinem Freund Nick Drake widmet.

Das Jahr 1976 verbringt Martyn weitgehend auf Jamaika, wo er mit Lee 'Scratch' Perry im Freien am Album "One World" (1977) arbeitet, das als frühes Beispiel für Trip Hop gilt. Die Scheidung von seiner Frau, der Sängerin Beverley Kutner, führt anschließend in einen jahrelangen, depressiven Alkohol- und Drogenrausch. Was zunächst zu Martyns persönlichstem Album "Grace And Danger" (1980) führt, bei dem Phil Collins – wie auch auf folgenden Aufnahmen – am Schlagzeug sitzt.

Mit den eher poppigen "Glorious Fool" (1981) und "Well Kept Secret" (1982) gelingt es Martyn endlich, die Top 25 zu knacken. Danach geht es rapide bergab, auch wenn er weiterhin Platten aufnimmt und Konzerte gibt. Seine Wutanfälle sind legendär und führen mehrere Male zu Streitigkeiten mit Produzenten und Plattenfirmen.

2004 wird ihm aufgrund einer Zyste das rechte Bein amputiert, im Dezember 2008 verleiht ihm die britische Königin den honorigen Titel "Officer Of The Order Of The British Empire (OBE)".

Am 29. Januar 2009 stirbt John Martyn an einer Lungenentzündung. 2011 erscheint neben "Heaven And Earth", das letzte Album, an dem er gearbeitet hat, auch eine Tribute-Platte, auf der unter anderen Phil Collins, Robert Smith, David Gray und Beth Orton seine Stücke interpretieren.

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