Porträt

laut.de-Biographie

Guilty Simpson

Den richtigen Ton muss man im hart umkämpften Rap-Geschäft schon treffen. Besonders wenn es darum geht, wer denn den dicksten Macker markiert und wie übel man dem konkurrierenden Mikrofonträger das Fell über die Ohren zieht. Byron Simpson, besser bekannt als Guilty Simpson, ist einer von den wenigen Rappern, die dieses Geschäft mit Klasse, Skills, deftiger Stimme und einer ordentlichen Brechstange erledigen.

Guilty Simpson - Ode To The Ghetto Aktuelles Album
Guilty Simpson Ode To The Ghetto
Bei Dillas Schützling gehen Battle- und Reality-Rap Hand in Hand.

Die Familie in Detroit, in die Byron Mitte der Siebziger hineingeboren wird, besteht zum Großteil aus Musikern; ohnehin hat die Motor City als Geburtsstätte und ab dem 15. Lebensjahr als ständiger Wohnort großen Einfluss auf den Heranwachsenden. Die reiche musikalische Tradition der Motown-Heimat formt den späteren Rapper genauso wie die industrielle Realität der Arbeiterstadt.

In den Achtzigern und Neunzigern geht es mit dem ehedem florierenden Wirtschaftsstandort allerdings rapide bergab. Ghettoisierung und soziale Brennpunkte sind die Folge - und Guilty Simpson steht mittendrin.

In den Neunzigern verkehrt er in den Kreisen, die ein anderer Detroiter mit seiner Semi-Biografie in Filmformat "8 Mile" bekannt macht: Eminem. Auf den Freestyle-Bühnen der Kellerclubs der Motorcity, wie sie auch in dem Hollywood-Blockbuster zu sehen sind, schärft Guilty seine Skills und profiliert sich als beinharter Battle-Rapper.

Als Teil der Crew Tha Almighty Dreadnaughtz macht er Detroit unsicher. Die Szene ist übersichtlich, man kennt sich. Insbesondere, wenn es sich um einen ebenso harten wie talentierten Hund handelt. Slum Village gehören zum Bekanntenkreis, Obie Trice auch, Phat Kat und natürlich die ganze D12-Bagage, insbesondere Mr. Denaun Porter und Eminem.

Einem speziellen Musiker aus Detroit hat es Guilty aber besonders angetan: Produzent Jay Dee. Dilla und Simpson kennen sich bereits aus Slum Village-Zeiten. Zu engerem Kontakt kommt es jedoch nicht, da Dilla mit den Soulquarians in die Electric Lady Studios nach New York zieht und der Black Music-Welt Meilensteine wie Commons "Like Water For Chocolate", Erykah Badus "Baduizm" oder D'Angelos "Voodoo" schenkt. Mit seinem Gang zum kalifornischen Independent-Label Stones Throw Records beendet Dilla jedoch das Leben als ruhmreicher Produzent und widmet sich der Musik aus der Heimat.

Dilla avanciert zu Guilty Simpsons größtem Fan und beweist das, als er ihm einen Auftritt auf seinem Kollaborations-Album mit Madlib, "Champion Sound" beschert. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und Geschäftsbeziehung. Denn Simpson wird quasi zum ständigen Begleiter der Schaffensperiode des späten J Dillas.

Die Unterstützung geht weiter. Dilla, der mehr und mehr mit seiner Immunschwäche-Erkrankung Lupus zu kämpfen hat, setzt sich dafür ein, dass Peanut Butter Wolf - Chef von Stones Throw - Simpson unter Vertrag nimmt. Der Vorschlag kommt nicht zu früh, denn im Februar 2006 erliegt J Dilla seinem Leiden.

Peanut Butter Wolf erfüllt Dilla kurz darauf den Wunsch und bietet Simpson bei Stones Throw einen Vertrag an. Zur gleichen Zeit kollaboriert der Rapper mit ganz unterschiedlichen Künstlern wie Four Tet, Black Milk, Madlib, Dabrye, Monica Blaire, Phat Kat oder Percee P. Außerdem finden seine Songs - meist unterlegt von einem der rar und teuer gewordenen Dilla-Beats - auf die "Chrom Children"-Compilations von Stones Throw.

Guilty Simpson zollt seinem Mentor und Freund Dilla Tribut. Auf jedem seiner Songs zeigt er sich von der besten Seite und liefert etliche Gründe dafür, dass Stones Throw den Vertrag mit ihm nicht bereuen. Er beteiligt sich eifrig an den internationalen Touren des Labels und veröffentlicht schließlich im ersten Quartal 2008 sein Debüt-Album "Ode To The Ghetto". Mit 31 Jahren ist er damit zwar nicht mehr der jüngste MC, aber dass er zu den versiertesten (Battle-)Rappern gehört, zeigt er auf dem Longplayer zur Genüge.

Es schafft zwar nur ein Dilla-Beat auf das Album, dies tut dem Gesamtprodukt jedoch keinen Abbruch, weil ähnlich talentierte Produzenten wie Madlib, sein kleiner Bruder Oh No, Mr. Porter und Black Milk an den Knöpfen drehen. Insbesondere Letzterer zeigt sich nicht nur produktionstechnisch als Dilla-Nachfolger.

Auch in der Beziehung zu Guilty Simpson begibt er sich auf den Pfad des Meisters und kollaboriert ausschweifend mit dem Rapper. Die Zusammenarbeit kulminiert in der Ankündigung, dass die beiden mit dem Duck Down-Rapper Sean Price ein Trio namens Random Axe gründen. Nicht nur von ihnen liegt ein Album in der Pipeline, sondern auch von Simpsons langjähriger Crew Tha Almighty Dreadnaughtz.

Guilty Simpson, der über einen Madlib-Beat rappt, sei wie Guru, der über einen Premier-Beat rappt. So urteilt jedenfalls das Label Stones Throw. Diese Referenz an Gang Starr ist natürlich gewagt, soll sich aber mit dem 2010er Album "O.J. Simpson" bewahrheiten. Hier dreht Produzent Madlib durchgehend an den Reglern.

Alben

  • Guilty bei MySpace

    Infos, Videos und Freunde.

    http://www.myspace.com/guiltysimpson
  • Guilty bei Stones Throw

    Viel Information in ansprechender Optik - Stones Throw eben.

    http://www.stonesthrow.com/guiltysimpson/

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