Porträt

laut.de-Biographie

Dee Nasty

Es wird sich kaum ein bekannter französischer Rap-Act finden, der an diesem Mann vorbeigekommen wäre: MC Solaar, Suprême NTM, Assassin, IAM ... alle zollen sie ihm Dank und Respekt. Dee Nasty ist der Wegbereiter des Hip Hop in Frankreich schlechthin, "Dr. Old School", ein nach über zwei Jahrzehnten im Geschäft noch immer äußerst umtriebiger lebender Mythos.

Als Dee Nasty 1975 seine erste Schallplatte ersteht, sind die meisten heutigen Größen des Genres noch nicht einmal geboren. Es ist ein Album der Isley Brothers, das den Grundstein für eine beispiellose DJ-Karriere setzt. Seine Liebe zu Soul und Funk tobt Dee Nasty seit Beginn der 80er Jahre bei diversen Piratensendern (man bevorzugt die Bezeichnung "freie Radios") aus.

Von Funk zum Hip Hop: ein kleiner Schritt. Bereits 1984, im Gründungsjahr von Def Jam, produziert und veröffentlicht Dee Nasty mit "Paname City Rappin" das erste französische HipHop-Vinyl. Ab 1985 veranstaltet er in den Vorstädten von Paris regelmäßige Block-Parties, amtliche Jams inklusive Tänzern, Graffitikünstlern, Beatboxern ... wie sich das gehört. Dee Nasty holt Ikonen wie Public Enemy, Afrika Bambaataa, Trouble Funk, Cash Money und LL Cool J zu Zeiten nach Frankreich, als Hip Hop dort noch nicht in jedem Block zu Hause ist. Bei einem seiner Besuche in der Bronx kommt er mit Ideen und Prinzipien der Zulu Nation in Kontakt; 1986 erhebt ihn Organisationsgründer Bambaataa persönlich zum Zulu King.

Im Jahr 1987 bringt es Dee Nasty auch außerhalb des Underground zu einiger Beachtung. Zum einen wird er Resident DJ im Globo (dem damaligen Pariser Äquivalent zum Roxy), zum anderen wechselt er zum einflussreichen Radiosender Nova, wo er mit "Dr. Old School" die erste Hip Hop-Sendung des Landes etabliert. Zur Seite steht ihm Rapper Lionel D. Sein Programm "Deenastyle" läuft Jahr um Jahr um Jahr; hier absolvieren unter zahlreichen anderen IAM und Assassin ihre ersten Medienauftritte, und das lange bevor sie beginnen, Alben aufzunehmen. Frankreichs Vorzeigerapper MC Solaar und NTM zählen in den Jahren '88 und '89 zu den regelmäßigen Gästen der Show. NTMs erste Nummer "Je Rappe" erlebt hier 1989 ihre Uraufführung.

Dee Nastys DJ-Skills finden internationale Beachtung. Er gewinnt 1987 die französischen und europäischen DMC-Championships, und belegt bei den Weltmeisterschaften den fünften Rang. In den darauffolgenden Jahren erscratcht er sich einen Titel als Vizeeuropameister; die französischen Meisterschaften holt er insgesamt viermal in Folge nach Hause. Seit er aufgrund von "Monopolisierung des Wettbewerbs" von der Teilnahme ausgeschlossen wurde, ist er gerne und oft gesehenes Jurymitglied.

In den folgenden Jahren veröffentlicht Dee Nasty eine ganze Reihe Independent-Veröffentlichungen. Er kollaboriert mit Old-School-Legenden wie den Cold Crush Four und Grandmaster Caz, seine Remix-Talente werden von so unterschiedlichen Künstlern wie den Beastie Boys, Les Rita Mitsouko und Cheb Khaled in Anspruch genommen. Dee Nasty steht mit Ice T, Public Enemy, Trouble Funk, den Last Poets, Spoonie G, Cash Money, Bambaataa und der Soul Sonic Force auf der Bühne. Beim allerersten Hip Hop-Festival in Moskau ist er ebenso dabei wie bei einer Ausstellung in Monte Carlo, die die letzten 50 Jahre Popmusik abhandelt; hier dreht Dee Nasty Platten für Naomi Campbell, Grace Jones und Marianne Faithfull. Beim Jazzfestival in Montreaux 2001 ist neben Run DMC, The Pharcyde und George Clinton wer am Start? Richtig! Der Mann, den Cachalto Lopez vom Buena Vista Social Club und Maceo Parker zum Begleit-DJ ihrer Welttourneen erwählt haben.

In Anlehnung an "Dr. Old School" geht Dee Nasty gelegentlich als "Dr. All Sounds" durch. Im Pariser Radio spielt er New Yorker Underground-Hip Hop, dafür französischen Rap in den Clubs von New York. Dee Nasty ist auch nach über 20 Jahren so gut wie jedes Wochenende irgendwo in Europa bei einem Auftritt anzutreffen; neben Hip Hop- spielt er Funk- und House-Sets. Obwohl in den frühen 90ern bei Polydor unter Vertrag, veröffentlicht er "Nastyness" auf seinem eigenen Label Funkzilla. Funkzilla wird 2004 in "Disques Pirates" umgetauft; hier erscheint seine Mix-CD "Underground Forever".

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