Porträt

laut.de-Biographie

Courtney Barnett

Mit ihrem regulären Debüt "Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit" (Marathon, 2015) schließt Courtney Barnett zu den begehrtesten Slackerfrauen des Indierocks auf. Der "Aussie Tomboy", wie der Rolling Stone den Jahrgang 1988 betitelt, vereint in seinem abgehangenen Grunge-Folk Einflüsse von Nirvana, Liz Phair und Sleater-Kinney. In ihren nonchalanten Texten erinnert Barnett in manchen Momenten gar an herausragende Beobachter wie Patti Smith und Lou Reed.

Die Australierin, in Sydney als Tochter einer Balletttänzerin und eines Grafikdesigners geboren und heute in Melbourne ansässig, trifft mit ihren defätistischen Existenzsorgen nämlich genau den Nerv der Zeit. Während die Musik bewusst dilettantisch heruntergerockt wird - Barnett investiert wie seinerzeit die Strokes viel Energie darin, möglichst einfach und gleichmütig zu klingen -, sind die Storys absolut pointiert.

Barnett singt bzw. sprechsingt voller Sarkasmus, aber doch stets sehr direkt, über die Angst davor, durchschnittlich zu sein und sein Leben zu vergeuden. Unprätentiös wirft sie Sätze wie "Give me all your money / And I'll make some Origami, honey" in den Raum der Generation Y-Jünger. Oder: "You say you 'sleep when you're dead' / I'm scared I'll die in my sleep". Ganz klar: Barnett ist Meisterschülerin in Observationen, die die Grenze zwischen Tiefgründigkeit und Banalität verwischen.

Vieles davon dürfte aus der eigenen Biografie rühren. Die Australierin probiert sich als Teenagerin zunächst erfolglos auf dem Tennisplatz aus, entscheidet sich dann aber doch für ein Zeichnen- und Fotografiestudium in Tasmanien. Auch das Studium bricht sie nach zwei depressiven Jahren ab, um sich als zweite Gitarristin in der Garage-Grungeband Rapid Transit einzubringen. Darauf folgt die Mitgliedschaft in der Psych-Country-Formation Immigrant Union, einem Seitenprojekt des Dandy Warhols-Drummers Brent DeBoer.

Die Solo-Indierock-Karriere nimmt dann mit der zweiten EP "How To Carve A Carrot Into A Rose" 2013 Fahrt auf. Die EP erscheint wie nachfolgende Werke bei Barnetts eigenem Label Milk! Records, das sie zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Jen Cloher führt. Auch außerhalb des Kontinents erhält Barnett dafür Aufmerksamkeit: Die wichtige Indiemagazin Pitchfork bewirbt ein Stück der EP als "Best New Track".

Dass die Presse "Sometimes I Sit" 2015 aber dermaßen als Meisterwerk feiert, dürfte allen voran Barnett selbst ziemlich überrascht haben. Amerikanische, europäische und natürlich australische Medien überschlagen sich mit Lobeshymnen und machen die Platte zu einem Top 10-Kandidatenen in zahlreichen Jahresbestenlisten.

Im Herbst des Jahres der Albumpremiere schließlich lädt sogar der Grandseigneur des Garagerock, Jack White, zum Duett. Ebenfalls quasi nebenher wird Courtney Barnett für einen Grammy nominiert und gewinnt vier von acht ARIA Music Awards in Australien.

Ob sie, die ihre Songs übrigens als "ein durch Phil Collins' Urin gebleichtes T-Shirt mit Jerry Garcias Blut drauf" beschreibt, sich nun tatsächlich in der Rolle des Generationslautsprechers sieht? Im Gegenteil, eher errötet Barnett: "Wenn ich bloß etwas disziplinierter wäre, hätte ich sicher einen ganzen Berg großartiger Ideen ..."

Große Disziplin erforderte es allerdings, an ihr Projekt mit Kurt Vile zu glauben. Immer wenn man sich zufällig mal on the road traf, setzen sich die beiden zusammen und jammten vor sich hin. Als neun Songs beisammen waren, beschlossen beide: Ja, das sollte man als Album veröffentlichen. Gesagt getan: "Lotta Sea Lice" trägt süße Früchte, was sich in herrlich unverfälschten Blues-Balladen, Indie-Melancholie und heiteren Duetten zwischen Americana und Rock ausdrückt.

Alben

Surftipps

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