Porträt

laut.de-Biographie

Adam Green

Adam Green ist ein Rebell aus New York, der schon mit 13 Jahren seine ersten Texte schreibt. Äußerlich mimt er mit seiner Wuschelmähne und dem Schlafzimmer-Blick den unschuldigen Knaben. Stets mit einem riesigen Kopfhörer bekleidet und jede Menge Scott Walker CDs im Gepäck schlurft er durch die Gegend. Er sieht immer müde aus oder verträumt, ist jedoch hellwach, was die Musik und sein talentiertes Songwriting angeht.

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Adam Green etwickelt sich zum Anführer einer Jugendbewegung, die auch so manchen Enddreißiger von der Bettpfanne holt. Antifolk nennt sich die Musik, die er macht. Mal solo, mal mit seiner grandiosen, durchgeknallten Band The Moldy Peaches. Hier harmoniert er, nicht nur stimmlich, hervorragend mit seiner ausgeflippten Kollegin Kimya Dawson. In Sachen Sex und Erziehung scheinen sie auch der selben Meinung zu sein, das Resultat hört man auf dem göttlichen Debüt der Peaches.

Auf seinen Solopfaden lässt der junge Entertainer den großen Erwachsenen raushängen. Hier bekommt die Jugend zu hören, dass eh alles egal ist, was man macht. Reine Zeitverschwendung. So nach dem Motto, man wird sowohl bei der Liebe, als auch beim Job immer die Arschkarte ziehen, und seitdem es Computer gibt geht eh nur noch alles den Bach runter. Dies verpackt er in fast poetische Textzeilen. Immerhin ist seine Urgroßmutter Felice Bauer die Verlobte von Franz Kafka. Sie kam 1936 als jüdische Emigrantin nach New York.

Greens Heimat New York ist die Stadt des Antifolk. Hier treffen sich Musiker, die alle was zu sagen haben, und nur hier dürfen sie es auch. Die Gründer sind Adam Green und Kimya Dawson, die aus Protest was Eigenes auf die Beine stellen wollen. Denn nicht überall durften sie ihren Rebellen-Sound zum Besten geben. Schade, dass die Szene immer mehr auseinander bricht.

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Man sieht sich selten oder gar nicht mehr, da man auf Tour muss, um wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen. Oder man hat schon längst die immer teurer werdende Metropole verlassen. Mal schläft man bei den Eltern, mal bei irgendwelchen Freunden. Adam nennt diese Gemeinschaft auch "Matratzen-Szene". Diese Erlebnisse und viele andere furchterregende Phantasien beeinflussen seine Musik. Lo-Fi und Rock'n'Roll. Rebellisch, gemein und so wahrhaftig.

Das Schöne daran: Man kann jedes einzelne Wort hervorragend verstehen, voraus gesetzt, man ist der englischen Sprache mächtig. Und die Texte sind bei Adam Green von großer Bedeutung. Da lernt man zum Beispiel, dass man einen Schwanz haben muss, um ihn in den Mund zu stecken, oder mit welchen Überredungskünsten man eine Frau ohne Beine ins Bett bekommt. Aufklärung für Jugendliche ab 18!

Wenn man diese Art der Beseitigung aller Unklarheiten richtig versteht, so sollen die Teenies lernen, dass man sich intensiv mit seinen Genitalien beschäftigen muss, um nicht etwa wie blöde mit dem Maschinengewehr durch die Schule zu flitzen! Auf der anderen Seite sollte man sich an die Zeile "My mouth is a liar" aus dem Stück "Apples, I'm home" erinnern und Herrn Green nicht immer ernst nehmen.

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Die teils perversen, teils unglaublichen Phantasien gibt Adam auch auf seinem zweiten Album Friends Of Mine offen und provokant zum Besten. Diesmal verpackt in bittersüße Melodien mit Streicherarrangements und Cowboyklängen. Der frühe Einfluss von Bob Dylan und Lou Reed ist kaum noch zu hören. The Godfather of Swing und vor allem Scott Walker bestimmen seine neue Linie. Den musikalischen Rumpel-Punk hat er erstmal abgelegt und auch mehr Geld in die neue Platte investiert. Er will einfach ein Stück weiter gehen und auch gerne mal ein Glas Champagner trinken. Gönn' es dir Adam! "Green when you're winning".

Nach der Veröffentlichung von "Friends Of Mine" bricht eine regelrechte Adam Green-Hysterie aus. Der Schwerpunkt liegt dabei in Deutschland - nirgends liebt man ihn mehr. Zwei ausverkaufte Tourneen spielt er dort im Februar und Sommer 2004. Als er am 10. Januar 2005 "Gemstones" herausbringt, lässt er das Orchester zu Hause und widmet sich verstärkt der Orgel. Das ändert nichts an den Songs: Die versprühen in gewohnter Manier Adams Charme.

Parallel erscheint Ende Januar 2005 der erste Buchband des jungen Anti-Folkers. Mit "Magazine" veröffentlicht Suhrkamp seine Texte zweisprachig: Im englischen Original und in der deutschen Übersetzung des Autoren und Musikers Thomas Meinecke. Green ist auf allen Kanälen präsent, seriöse Fernsehanstalten drehen und senden Porträts, während der Musikexpress ihm schließlich sogar einen "Style-Award" verleiht.

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Dem munteren Genrehopping frönt Green auch auf seinem vierten Album "Jacket Full Of Danger", das 2006 erscheint. Blues, Folk, Rock'n'Roll - you name it. Seine Stimme klingt betont sonor, ein wenig nach Elvis in seiner Zeit als glitzernde Las Vegas-Wurst. Neues präsentiert Green nur wenig, stattdessen schlägt er einen Purzelbaum zurück zu den süßen Melodien von "Friends Of Mine", inklusive der überzeugenden Streicherarrangements von Jane Scarpantoni.

Streicher gibt es auch auf seinem fünften Album "Sixes & Sevens" zu hören, dessen Titel angeblich einem Rolling Stones-Song entlehnt ist. Bedeutender ist aber der Gospelchor, der einen Soul-Flair durchs Hause Green wehen lässt sowie der vermehrte Gebrauch der Akustikgitarre.

Mit Hilfe von Dan Myers erstrahlen die Songs in einer behutsamen und detailreichen Produktion. Nach zwei Jahren Pause und der schmerzhaften Trennung von seiner Freundin erscheint Anfang 2010 das unaufwändig arrangierte "Minor Love", das die Antifolk-Attitüde der frühen Tage mit der Raffinesse des Entertainers in Einklang bringt.

Danach gönnt sich Green eine Pause und widmet seine Zeit der Malerei, Bildhauerei und dem Filmemachen. Ganz von der Musik kann er aber dann doch nicht lassen und spielt immer wieder ein paar Gigs. Binki Shapiro, Sängerin von Little Joy, steht ihm dabei hin und wieder zur Seite. Im Frühjahr 2013 stellen die beiden schließlich ein gemeinsames Album auf die Beine. Auf Adam Green & Binki Shapiro finden sich intime Duette, die das enttäuschende Ende einer Beziehung betrauern.

Der Anspruch an seine Kunst bleibt für Green stets der selbe, egal, ob er seine Kreativität nun in der Musik, in seiner Kunst oder in seinen Filmen auslebt: "Ich war auf der Suche nach einer vereinheitlichenden Theorie meiner künstlerischen Ausdrucksform. Ich versuchte eine Art Fluss in meine Musik, meine Kunst und in mein Schreiben zu bringen. Lauscht du meinen Songs, erkennst du einen Cartoon darin. Ich schreibe Songs wie ich meine Bilder male. Erschaffe ich einen Film, orientiert der sich an einen Song."

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Adam Green - Aladdin: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2016 Aladdin

Kritik von Hannes Wesselkämper

Futuristisches Pappmaché-Märchen aus tausendundeiner Nacht. (0 Kommentare)

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Termine

So 16.10.2016 Heidelberg (Karlstorbahnhof)
Mo 17.10.2016 München (Strom)
Mi 19.10.2016 Vevey (Rocking Chair)
Do 20.10.2016 Aarau (Kiff)
Fr 21.10.2016 St. Gallen (Palace)

Surftipps

  • Offizielle Seite

    Alles, was man über den diabolisch-süßen Antifolk-Helden wissen muss.

    http://www.adamgreen.net
  • Offizielle Facebook-Seite

    "the incredible SINGING MAN and NAUGHTY BOY!" (Selbstbeschreibung Greens)

    https://www.facebook.com/AdamGreenOfficial/

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