Prinz Pi, ehedem Prinz Porno, stammt wie beinahe jeder Berliner Rapper, der etwas auf sich hält, aus dem Royalbunker Freestylecafé-Umfeld. Dort feilt man schon früh gemeinsam mit heutigen Größen wie Savas und Eko Fresh an den eigenen Skills, macht sich Freunde und Feinde - der heutige Aggroberliner Sido disst Prinz Porno bereits auf den ersten Tapes, als beide noch nicht mal volljährig sind.
Porno bekommt seinen Namen von Schulfreund Sash, der ihn auch in die Mysterien der Rapwelt einweiht, was ihm später die Ehrung "Wie Auf Den Arm Tätowiert" einbringt. Er startet seine Karriere als Sprayer mit der Crew Coops, der auch Smexer angehört. Doch bevor die beiden gemeinsam mit Kobra die Beatfabrik ins Leben rufen, nimmt Porno mit Mix Master Müller als "Soziale Kontakte" zwei Tapes auf, die über Mikrokosmos erscheinen, dem Vorläufer der heutigen Labels Royalbunker.
Parallel erscheint mit "Porno Privat" 1998 das erste Solo-Lebenszeichen in einer Auflage von zwölf Exemplaren. Wie das Ding den Weg ins Internet gefunden hat, ist trotzdem nicht bekannt, allerdings mutiert die enthaltene Hymne "Keine Liebe" in kurzer Zeit zur deutschen Untergrundhymne schlechthin.
Während sich der Großteil der hauptstädtischen Rapszene darum bemüht, sich gegenseitig die Ober-Gangster- oder Mega-Player-Krone streitig zu machen, nimmt man derartige Versuche eigentlich sehr selten von Pornos Seite aus wahr, trotz des recht eindeutigen Namens. Vielmehr hört man aus seinen Reimen die Verbitterung eines intelligenten Menschen heraus, der seinen Platz auf dieser Welt einfach nicht findet.
Vielleicht arbeitet er deshalb so oft mit M.O.R.-Mitglied Justus Jonas zusammen, der ähnliche Texte fabriziert. So kritisiert ein großer Teil der Reime gesellschaftliche Verhaltensweisen und zielt auf Verschwörungstheorien bzw. politische Missstände ab. Und derer gibt es viele: In drei Jahren veröffentlicht Prinz Porno sechs Platten. Drei solo, zwei mit seiner Crew Beatfabrik und eine Collabo mit dem Mainzer Rapper Separate.
Und das, obwohl der Mann Mitte 2004 seine Karriere schon an den Nagel hängt, um sich stärker auf sein Studium und seine große Liebe zu konzentrieren. Im Gegensatz zu den meisten Rappern meint er hier eine Frau und nicht seine Musik. Dennoch lässt das nächste Album gerade mal vier Monate auf sich warten - wer einmal von der Droge Musik gekostet hat, scheint nicht mehr los zu kommen.
Als ebenso produktiv erweist sich Prinz Porno bei einer anderen großen Leidenschaft: Nach der aktiven Sprayerkarriere findet er sein Glück im Grafikdesign. Porno studiert, betreibt die Homepage pornographics.de und gestaltet ein Großteil der Royalbunker-Albencover.
2005 ist das Pornojahr: Auf das Mixtape "Guess Who's Back" folgt das großartige "Teenage Mutant Horror Show" auf dem Mainzer Raplabel Buckwheats, auf dem der Berliner seine Sozialkritik hauptsächlich über alte Beats der Kinder Des Zorns (Abroo, Separate, Casper) rappt.
Das Arbeitstier gründet daraufhin das eigene Label No Peanuts und releast noch im selben Jahr zunächst das Mixtape "Zeit Ist Geld" - erneut mit Unterstützung Biztrams. Im Winter folgt als krönender Abschluss eines arbeitsreichen Jahres das Best Of-Mixtape "Geschriebene Geschichte".
Prinz Porno ändert seinen Namen in Prinz Pi - böse Zungen sprechen von Mediengefälligkeit - "Lässt Die Puppen Tanzen" (Livealbum von 2006) und releast im Sommer die EP "Instinkt", auf der er auch das neue Signing Bobidze vorstellt.
Im September platzt die Bombe: Mit "Donnerwetter" beschert der Berliner seinen Fans nicht nur ein großartiges Doppelalbum, er überzeugt mit dem zweiten Teil wohl auch die letzten Skeptiker. "Der Herr Der Dinge" ist ein komplettes Hörspiel, eine gerappte Fantasysaga im mittelalterlichen Musikgewand. Die Beats zu diesem Spektakel stammen wiederum fast komplett von Biztram, der als Labelsigning auch Rap-Parts zu dem Album beisteuert.
Anfang 2007 folgt mit "Das Prinz Ip Prinz Pi" die erste DVD des Rappers inklusive Street-CD, im August das von den Royals bearbeitete Remixalbum "Zeitlos" mit Features von Kobra, Jonarama und Boba Fettt.
Nach zehn Jahren Veröffentlichungen in Eigenregie, zuletzt auf dem selbstgeführten Label No Peanuts, wagt der Prinz 2008 einen "im Game" oft misstrauisch beäugten Schritt: Für die Veröffentlichung von "NeoPunk" nimmt er erstmalig die Unterstützung eines Majorlabels (Universal) in Anspruch.
In Anbetracht der Qualität und der Beständigkeit seines Outputs ein längst überfälliger Step - könnte man getrost dagegen halten. Die damit erzielte, größere mediale Reichweite hat er jedenfalls allemal verdient.
Der neue Punk verzichtet auf die Stromgitarre.
Kurz bevor "Neopunk", das inzwischen gefühlt zwanzigste Album des Berliner Ausnahmerappers Prinz Pi erscheint, haben wir uns mit ihm und seinem Haus und Hof-Beatlieferanten Biztram ausführlich unterhalten.
Ein toller Einstieg ins erste Interview: Erst rauscht die Verbindung, als würde man nicht nach Berlin, sondern zum Meeresgrund telefonieren. Während des zweiten Versuchs stellt die Technikabteilung die Telefonanlage gerade um, und als man den gewünschten Gesprächspartner beim dritten Anlauf endlich an der Strippe hat, sitzt der gerade beim Essen und bittet um Rückruf in 20 Minuten. Alles klar. Irgendwann geht's dann aber doch noch los. Worauf wir uns bei "Neopunk" einstellen dürfen, wie die erstmalige Zusammenarbeit mit einem Major-Label war, ob Biztram eine Rapperkarriere startet, was Prinz Pi von aktuellen Newcomern hält und noch etwas mehr könnt ihr jetzt hier nachlesen:
Also, dann legen wir noch mal los. Hoffen wir, es läuft jetzt alles glatt. Erste Frage: Wie geht's Dir?
Wie's mir geht? Ich bin müde. Sehr müde. Ich muss momentan krass viel Sachen erledigen. Gerade musst ich essen! Das war am anstrengendsten heute. Ich hatte etwa 20 Sushi-Häppchen, die musste ich mit Stäbchen in meinen Mund bringen. Das war krass anstrengend. Jetzt im Moment sind wir auf dem Weg zur laufenden Ausstellung "Neodunk", wo mein Produzent Biztram auf uns wartet. Der wird sich dann mit unqualifizierten Zwischenrufen einschalten.
Du bist also im Moment unterwegs durch Berlin. Zu Fuß, wie es sich anhört?
Ja, aber eigentlich nicht Berlin, sondern Berlin-Mitte. Das ist ja eigentlich nicht Berlin, das ist besetzte Zone. Eigentlich ist das kein Berlin mehr.
Besetzt von Dir?
Nee, besetzt von den Schwaben.
Oh, laut.de sitzt ja quasi fast in Schwaben.
Ich weiß. Das sind eure Brüder hier.
Naja, meine nicht, ich bin nicht von hier. Ich komm' aus Bayern.
Du bist Bayer? Ja, stimmt. Das hört man. 'N bisschen.
Okay, hast Du vielleicht ein paar Infos zur Ausstellung "Neodunk" für mich?
Also bei der Ausstellung geht es um Kunst zum Album. Einerseits mach' ich ja selber viel Grafik. Mir ist es sehr wichtig, dass das alles immer ein rundes, straightes Konzept ist, optisch und akustisch. Und ich hab drei andere Künstler gebeten, mein Artwork zum Album noch mal zu interpretieren, also sich die Musik anzuhören, mein Original anzukucken und dann ihren Senf dazu zu geben. Und das haben die dann auch gemacht. Am Ende kamen vier Motive dabei raus, die werden nun ausgestellt. Außerdem zeig' ich Skulpturen: Turnschuhe aus meiner Jugend, die ich mit Spielzeugen aus meiner Kindheit kombiniert habe. Und jetzt sind wir übrigens gerade in den heiligen Hallen der Ausstellung angekommen!
Okay, verstehe. Der Sneakerking und seine Turnschuhsammlung. Inwiefern werden die Schuhe zu Kunst?
Naja, ich hab die halt mit den Spielzeugen zusammengebaut und so eine Art mechanische Insekten geschaffen, die aussehen wie Roboter. Das Ganze ist in den Farben meines Albums, also Neongrün und Schwarz gehalten. Und die Schuhe sehen jetzt aus wie Insektenroboter, die durch die Stadt fliegen und mit denen man die Wände hoch laufen kann. Momentan chillen die hier in den Glaskästen. Aber sobald ich die aufmache, sind die sofort wieder dabei, die Stadt kaputt zu machen.
"Kaputt machen". Gute Überleitung zum Album: Was verbindest Du mit dem Namen "Neopunk"? Bildet ein Song wie "Schädelficken" da die Speerspitze?
Also erst mal: "Schädelficken" geht auf jeden Fall stark in diese Punk-Richtung, wie viele Songs auf dem Album. Aber andererseits gibt es auch wiederum sehr ruhige Nummern, sehr musikalische, klassische Hip Hop-Songs, was "Neopunk" insgesamt sehr abwechslungsreich macht. Und das "Punk" steeeecccchhhhhhhh...
(Kurze Zwangsunterbrechung wegen katastrophaler Sprachqualität. Und nein, es hat nichts mit meinem Dialekt zu tun, sondern mit der Telefonverbindung. Es stellt sich heraus, dass neben Handynetz und IP-Telefonie die auf beiden Seiten aktivierten Lautsprecher für das Kommunikationsproblem verantwortlich sind. Prinz Pi bemüht zusätzlich noch seine konzentrierten Karma-Kräfte, was sich merklich auf die Verbindungsqualität auswirkt.)
Der Name "Neopunk" steht für "Neue Punkmusik". Das ist Musik, die sich an keine Grenzen oder Regeln hält und alles kaputt macht. Die Texte sind rebellisch, die Musik smasht alles weg. "Neo" deswegen, weil das hier mit althergebrachter Punkmusik nicht mehr viel zu tun hat.
Wo siehst Du im Vergleich die Unterschiede zu "Donnerwetter!"?
"Neopunk" ist noch mal ein ganzes Stück runder geworden als Donnerwetter. Die Halbwertszeit der Songs ist deutlich besser geworden, man kann sie öfter hören. Teilweise sind sie schneller und live-tauglicher, die andere Hälfte der Songs könnte vom Style her auch auf Donnerwetter drauf sein. Nur sind auch diese Tracks ein ganzes Stück besser geworden, als ihre Entsprechungen auf Donnerwetter.
Wow, das schürt Erwartungen. Ich finde ja, dass "Donnerwetter" schon sehr, sehr weit vorne lag im gesamten Deutschrap-Zirkus.
Oh, Dankeschön. Dann wird Dir das neue Album auf jeden Fall sehr viel Spaß bereiten. Aber da musst Du dann auch Biztram loben!
(Das Handy wird an Biztram weitergereicht:)
Ja, ich will das Lob auch noch mal hören! (lacht.)
Hallo Biztram. Bist Du auf "Neopunk" einziger Produzent?
Es gibt drei Beats, die in Zusammenarbeit mit anderen Leuten entstanden sind, aber ich hab bei jedem Song mitgewirkt. (Prinzen-Genöle im Hintergrund.) Achso. Außer beim allerletzten Song, "Sieben Sünden", den hat der Friedrich (Prinz Pis bürgerlicher Name) alleine gezaubert am Computer. Ansonsten ist ein Beat von den Royals und zwei hab' ich zusammen mit einem Schweizer gemacht, der gerade eben seinen Namen geändert hat, den ich nun wiederum nicht weiß und ihn daher nicht droppen kann.
Du bist ja mehrmals Featuregast auf dem neuen Album. Mutierst Du vom Produzenten zum Rapper?
Bei "Schädelficken" bin ich als richtiges Feature vertreten. Und dann gibt's noch den "Anti-Song", da hab ich im Refrain so 'n bisschen gesungen. (Lacht.) Und das war's. Meine Energien sind zwar sozusagen überall mit eingeflossen, aber nicht hauptsächlich als Rapper.
Das heißt, wir dürfen in der nahen Zukunft kein Biztram-Album erwarten?
Also ich würde das ja gerne machen. Aber ich hab' mich in den letzten Monaten so gut kennengelernt, dass ich nicht glaube, dass so was in der nächsten Zeit entstehen wird. Nö.
Ich reich' Dich mal wieder weiter, ja?
(Guess who's back on the phone: Prinz Pi.)
Kleiner thematischer Sprung: Was sind Deine Erfahrungen mit "No Peanuts" seit der Gründung im Jahr 2005? Wie läuft's? Macht es Spaß, ein Label zu haben, es zu leiten?
Naja, ich bin ja mittlerweile nicht mehr dabei. Ich bin da ausgetreten, weil ich einfach keine Zeit mehr hatte. Aber ja, natürlich macht es Spaß, weil wenn man richtig Geld verdienen will, dann macht man etwas anderes. Ein Indiependent-Label ist jetzt nicht das, womit man krass reich wird. Es gibt ja momentan auch gerade viele Labels, die wieder zu machen, speziell in der Hip Hop-Szene. Da muss es einem schon Spaß machen, denn das ist die Motivation, damit man das überhaupt packt.
Wenn Du sagst, Du bist "ausgestiegen", wie darf man das verstehen? Bist Du als federführende Kraft ausgestiegen oder hast Du No Peanuts zur Gänze den Rücken gekehrt?
Ich bin bei No Peanuts weg als Typ, der beim Label gearbeitet hat. Ich konnte mich da einfach nicht genug auf's Künstler-Sein konzentrieren, weil die Arbeit für das Label den Großteil meiner Zeit beansprucht hat. Jetzt kann ich sozusagen vollkommen Künstler sein und den ganzen Tag Musik machen. (Lacht.)
Aber als Musiker bist Du weiterhin bei No Peanuts gesigned?
Ja. Bei No Peanuts und eben bei Universal seit Neuestem.
Zu Universal kommen wir gleich noch. Zunächst zum Stichwort "Labelschließungen": Wie siehst Du diese Entwicklung? Erst macht mit dem Royalbunker sozusagen Deine musikalische Wiege dicht und zum Jahresende geht Savas' Optik Records in die Binsen.
Naja, der Royalbunker war auf jeden Fall eine krasse Institution und ich finde es schade, dass es die nicht mehr gibt. Auf der anderen Seite: Markus Staiger ist ein sehr guter Freund von mir und ich freu' mich für ihn, dass er bei rap.de untergekommen ist. Denn ich glaube, das Schreiben ist auch eine große Passion von ihm und das macht er auch sehr gut.
Stimmt. Noch ein Statement zum Ende von Optik Records?
Ich bin weder traurig deswegen noch freue ich mich darüber, weil ich dazu keine Beziehung habe.
Dann zu Deinen Erfahrungen mit dem Universal-Deal. Aus heutiger Sicht: Eine gute, eine richtige Entscheidung?
Auf jeden Fall! Das war der krasseste Step, den wir bisher in der musikalischen Laufbahn gemacht haben, weil der alles auf eine neue Ebene hebt, auf eine größere Plattform. Da kannst Du jetzt Sachen machen, die vorher nicht umsetzbar waren, das ist schon 'ne sehr geile Sache. Wir haben da ein sehr cooles Team, mit dem wir zusammenarbeiten können. Das sind krasse, wie soll ich sagen, 'Profis vom Fach', die das seit Jahr(zehnt)en machen und das ist schon sehr positiv.
Seh' ich auch so. Meiner Meinung nach ist bei Dir und Deinem zehn Jahre währenden, beständigen und hochqualitativen Indie-Output dieser oft kritisch beäugte Schritt mehr als gerechtfertigt. Was interessant wäre: Was waren die Gründe für "Gib Dem Affen Zucker" als erste Singleauskopplung?
Die beiden Songs, die wir als Singles ausgewählt haben, erachten wir als etwas ganz Besonderes. Wie gesagt, die Hälfte der Tracks auf dem Album sind relativ klassische Hip Hop-Nummern, die sich im Vergleich natürlich weiterentwickelt haben. Aber wenn wir den Leuten jetzt das gegeben hätten, was sie so oder so ähnlich schon kennen, dann wäre das aus unserer Warte nichts Neues gewesen. Daher haben wir uns für "Schädelficken" und für "Gib Dem Affen Zucker" entscheiden. Letzteres ist ein sehr ironischer, tiefgründiger Song, wenn man ihn mitsamt seinen Querverweisen und Bezügen versteht. Der Beat ist ein einfacher Rummeltechno-Beat, wobei Biztram ja normalerweise eher deutlich komplexere Sounds baut. (Biztram im Hintergrund: "Wobei das ganz schön schwierig ist, so was Minimalistisches zu machen!") Aber so wurde das zu einem einfach geilen und verrückten Song, bei dem jeder, der ihn gehört hat, sofort anfing zu tanzen und auszuflippen.
Massiv beeindruckt hat mich auch das Video zu "Schädelficken". Ich halte es für einen hochexplosiven Eyecatcher, einen Mix aus Home-Video und professioneller Produktion. Ein Kollege von mir, der an sich nicht viel mit Deiner Musik anfangen kann, meinte sogar, er fände das Teil besser als den Kult-Clip zu "Smack My Bitch Up" von Prodigy.
Dankeschön! Der Look des Videos ist Teil des Konzepts gewesen: Wir wollten absichtlich und mit hochauflösenden, superrealistischen Bildern diese ungeschminkte, rohe Party-Wirklichkeit zeigen. Zu diesem Zweck verzichteten wir auf die für Musik-Videos übliche Ausleuchtung mit zig wattstarken Lampen und benutzten lediglich eine Art LED-Such-Scheinwerfer, der auf der Kamera montiert war und dieses extrem kontrastige, verstörende Bild lieferte. Das Ganze sollte aussehen wie von einem Dokumentarfilmer gemacht, der in eine Höhle einsteigt und da die Fledermäuse filmt. Die Leute sollten quasi nicht gut aussehen. Die sollten einfach so aussehen, wie Leute auf so Parties eben aussehen: Richtig krass verstrahlt, drogenmäßig drauf und kaputt. Das war das Konzept hinter dem Video.
Das Studium ist rum, ich hab mein Diplom in der Tasche. Und was meine Selbständigkeit betrifft, das hab ich vorerst mal niedergelegt, ich hab dafür einfach keine Zeit. Aber das heißt ja nicht, dass ich in diese Richtung gar nichts mehr machen und mich nur noch auf die Musik stürzen würde. Ich meine, die Ausstellung, die Artworks für das Album, all diese Sachen sind ja alles visuelle Arbeiten. Sagen wir so: Ich hab' die letzten Monate mehr als Grafiker als als Musiker gearbeitet.
Gibt es für den Grafiker Pi Inspirationsquellen und Vorbilder? Leute, zu denen Du in dieser Hinsicht aufsiehst?
Ich hab früher bei der Lodown gearbeitet, bei Marok. Wir stellen ja aktuell auch gerade in seiner Galerie aus. Ich würde ihn jetzt vielleicht nicht unbedingt Vorbild nennen, aber er ist auf jeden Fall jemand, dessen Sachen mich flashen. Außerdem finde ich die Sachen von Obey ganz cool. Und natürlich die drei Künstler und Grafiker, die mein Artwork für "Neopunk" geremixt haben: Newsskooldisplay, Term Shon sowie Kernkraftanlagen & Bauschutt.
Bist Du immer noch der Workaholic, als der Du bisher immer bezeichnet wurdest?
Ich bin viel mehr Workaholic, als ich es die letzten Jahre war. Wenn ich Früher mit dem vergleiche, was ich dieses Jahr gemacht habe, dann hab' ich mich die Jahre davor nur ausgeruht. Mein Ziel ist, dass ich auf dem Höhepunkt meines Schaffens einen Herzinfarkt bekomme und dann eine, naja, eine lebende dann wohl nicht, aber zumindest eine tote Legende werde.
Das wiederum hoffe ich nicht. Aber zeigt der sehr nach innen gekehrte Track "Bevor ich aufschlage" da vielleicht einen Sinneswandel an? Klingt für mich sehr nach Burn-Out.
Ausgebrannt bin ich eher nicht. Man hat nur oft das Gefühl, dass man so irre viel zu tun hat und auch gar nicht mehr weiß, wie man das alles bewältigen soll. Es geht morgens los, man arbeitet irgendwas, dann kommt man abends um Zehn nach Hause, hat 20 eMails vor sich, die man alle beantworten muss. Dann muss man noch zwei, drei kleine Jobs machen und um fünf Uhr morgens geht man mal ins Bett. Und am nächsten Morgen geht das wieder von vorne los. Jeden Tag. Irgendwann merkst Du dann, dass die Arbeit nicht weniger wird. So Sisyphus-mäßig, man läuft gegen einen Hügel an, den man nicht besiegen kann. Und genau davon wünscht man sich natürlich manchmal frei zu werden.
Andererseits geht es in dem Lied auch um Kindheitserinnerungen: Ich war als Kind oft krank und hatte gesundheitliche Probleme, war auf einem Auge fast blind und musste deswegen operiert werden. Ich war sehr oft im Krankenhaus als ich noch klein war. Das behandelt dieser Song auch.
Das weckt Erinnerungen an die Meldung vom Februar diesen Jahres, in der es hieß, Du müsstest Dich einer OP an den Stimmbändern unterziehen. Hatte oder hat das Nachwirkungen?
Ne, das war echt nur eine kleine Sache, nicht so schlimm. Ein Routine-Eingriff.
K.I.Z. und Kollegah hast Du ja in der Vergangenheit bereits Deine Sympathie bekundet, warst mit beiden auch auf Tour. Was hältst Du von aktuell viel gefeierten Newcomern wie z.B. F.R. und Huss & Hodn?
Also ich find Huss & Hodn klingen wie ein Aufguss von M.O.R. vor sechs Jahren, was auf jeden Fall cool ist, weil M.O.R. damals ebenfalls cool waren. Aber ich hör' dann doch immer lieber das Original als die Kopie, wobei ich zugeben muss, dass ich mir die Musik von denen noch nicht wirklich angehört habe. Ich hab' die nur mal getroffen auf den HipHop Open. Der Eine von denen hat genauso gerappt wie Justus Jonas und sah sogar so ähnlich aus. So ein kleiner, dünner Typ mit Locken. Auf jeden Fall: Nette Jungs, die Musik kenn' ich wie gesagt nicht so richtig, aber was ich kenne, klingt auf jeden Fall wie ein M.O.R.-Revival.
Und was F.R. betrifft: Ich darf jetzt nichts gegen den sagen, weil ein Kumpel von mir sein Manager ist. (Lacht.) Da muss ich jetzt sagen, dass er gut ist.
Für den Rest der Antwort wurde vereinbart: Prinz Pi ist der Frage elegant ausgewichen und ich habe akut vergessen, was eigentlich die Frage war.
Was war die Frage wieder? Wer war der Zweite nochmal? F.-Was?
Habe ich jetzt auch vergessen. Aber ist auch egal. Gab's für Dich persönlich denn andere Neuentdeckungen im hiesigen Hip Hop-Getümmel? Was Du gut und innovativ findest?
Also bisher habe ich da niemanden gehört. Aber es gibt bestimmt ein paar Leute da draußen, die ganz gut sind, klar.
Demnach sind bei Dir nach wie vor K.I.Z. und Kollegah hoch im Kurs?
Naja, also der Kurs ist gefallen. Es gab ja einen Börsencrash. Aber es kommt drauf an. Mal geht er hoch, mal geht er runter, der Kurs.
Apropos "Börsencrash": Du meintest im letzten Interview, Du interessierst Dich für internationale Politik. Ganz aktuell spielen sich in der Weltwirtschaft dramatische Szenen ab. In diesem Zusammenhang: Kommt auf "Neopunk" auch wieder der Verschwörungstheoretiker Pi zu Wort?
Naja, in dem Song "Schädelficken", den ich übrigens schon vor eineinhalb Jahren geschrieben habe, sage ich ja: "...dass ihre Synapsen platzen wie die Immobilien-Blase." Und die ist ja wohl gerade geplatzt. Also kann man da eigentlich sehr schön erkennen, dass ich die Zukunft mit 18 Monaten Zeitunterschied einmal mehr voraussage.
Grandios. Diese Sorte Fans bekommt also ihr Futter. Für die weiblichen Fans, die ein Track wie "2030" vielleicht verunsichert: Gibt es eine Prinzessin an Deiner Seite?
Ja klar. Der Maestro hält sich immer in der Gegenwart schöner Frauen auf. Oder nein, schreib es so: Die schönen Frauen halten sich immer gerne in der Gegenwart des Maestros auf.
Letzte Frage, sozusagen eine Anschluss-Frage an das letzte Interview mit uns...
... wo ihr so ultrakrass besoffen wart?
... an das letzte Interview mit uns. Jan Delay: Findest Du immer noch "zum Kotzen"?
(0,56 Sekunden Stille) Ja.
Letzte Worte an die laut.de-Leser?
Also bis kommenden Samstag, den 11. Oktober geht noch unsere Ausstellung "Neodunk", täglich von 11 bis 19 Uhr in der Brunnenstraße 56, Eintritt ist frei. Die Internetseite ist www.prinzpi.biz. Da gibt es Videos und Fotos von den Künstlern und der Ausstellung. Da sollte man, wenn man nicht zur Ausstellung selbst kommen kann, auf jeden Fall täglich mehrmals draufklicken um zu kucken, ob wir nicht neue Befehle für Euch haben.
Kein Wort zur anstehenden Tour mit Casper, Maeckes und Plan B? Kann das sein? Da sollte man ja auch hinkommen, nehme ich mal an?
Ja, eigentlich schon. Da sollten wir auch mal hinkommen.
Gut! Dann bedanke ich mich bei Dir für das Interview und wünsche Euch viel Erfolg mit "Neopunk" und allem, was von Euch in Zukunft zu erwarten ist.
Ich habe zu danken!
(Biztram meldet sich nochmal zu Wort.)
Hallo Biztram. Was würdest Du uns noch mit auf den Weg geben wollen?
Schreibst Du die Review zu "Neopunk"?
Aller Voraussicht nach: Ja.
Dann würde ich Dir, falls das Review nicht so gut ausfällt, gerne einen Arschtritt mit auf den Weg geben wollen.
Aufgrund dessen, was ich bisher auf der Preview gehört habe, denke ich, bleibt mir der erspart. Aber das wird das finale Album zeigen. Sonstige letzte Worte an die laut.de-Leser vom Produzenten, der trotz Gewaltandrohungs-Habitus kein Rapper werden will?
Eigentlich nicht, nein. Höchstens vielleicht, dass ich selber mindestens einmal täglich auf laut.de bin, um zu sehen, wie ihr andere Künstler zerreißt. Manch eine Kritik ist mir dann doch auch wieder zu positiv ausgefallen, aber sonst... also ich bin echt oft auf eurer Seite. Das kann man ruhig mal zugeben.
Wir zerreißen? Sprichst Du da jetzt konkret etwas an?
Nein, nein. Ich mein' allgemein, was ihr über die Musik schreibt, das finde ich immer ziemlich gelungen.
Vielen Dank! Das leite ich natürlich gerne weiter an die Redaktion.
Gut! Dann wünsch' ich Euch noch 'nen schönen Tag! Tschüss!
Dir ebenfalls. Mach's gut!
Weil die laut.de-Crew zu betrunken ist, interviewt Porno sich einfach selbst!
The Artist formerly known as Prinz Porno wartet sechs Monate nach seinem Meilenstein "Donnerwetter" bereits mit dem nächsten Release "Das PrinzIp Prinz Pi" auf, und tourt währenddessen fröhlich mit Newcomer Kollegah und den Berliner Slapstickern von K.I.Z. durch Deutschland. Für die laut.de Hip Hop-Fraktion ein willkommener Grund, den Berliner im Rahmen eines Betriebsausflugs nach Freiburg in die Mangel zu nehmen.
Drei ist eine besondere Zahl, das weiß jeder. Erst ab drei Leuten ist eine absolute Mehrheit möglich. Geometrische Formen mit weniger als drei Fixpunkten erweisen sich als erschreckend unspannend. Gott ist dreifaltig, und früher, als Zahnbürsten noch keinen Motor hatten, musste man sich dreimal täglich die Beißerchen schrubben. Auch in der Rapszene hat die Drei eine besondere Bedeutung: Nicht nur, weil viele Wortartisten sich gerne so präsentieren, als könnten sie nicht so weit zählen, sondern auch, weil eine traditionelle Rapkapelle aus drei Mitgliedern - MC, DJ, Produzent - besteht.
Gruselig wird es allerdings, wenn drei Rapverrückte auf ein Konzert mit drei Liveacts gehen, um den dreiunddreißigsten Geburtstag von Yo Mama Fromm zu zelebrieren. Zumindest so gruselig, dass drei Bier pro Nase definitiv nicht mehr ausreichen und wir zum After-Show-Interviewtermin betrunken erscheinen wie drei oder wahlweise auch zehn Russen. Laut.de versucht sich im Gonzojournalismus, und der Prinz des Deutschrap beweist glücklicherweise genug Humor: Er weigert sich, uns zu beleidigen und bietet an, sich notfalls selbst zu interviewen.
Gässlein: Ja, okay, ich habe aber vorher noch ein paar Fragen. Die habe ich mir gerade eben ausgedacht. Danach kannst du dich gerne selbst interviewen.
Das mache ich am liebsten.
Du bist ja neben deiner Rapkarriere auch Designstudent. In welchem Semester?
Ich bin jetzt im zehnten Semester und scheinfrei, und ich werde dieses Semester voraussichtlich mein Diplom machen. Danach kommt vermutlich so ein Post-Graduierten-Kurs, ein Doktoranden-Seminar, damit ich noch meinen Doktor in Kulturwissenschaften machen kann. Aber nicht auf die Pizza setzen hier!
Entschuldige. Ich kenne selbst ein paar Designstudenten, und die sind echt schwer ausgelastet, allein mit ihrem Studium. Denkst du, es wird Auswirkungen auf dein kreatives Schaffen haben, wenn du jetzt dein Diplom machst?
Nein, gar nicht. Ich habe die Uni bisher immer relativ leicht genommen und denke, dass man gerade das Diplom mit seinen privaten Projekten gut verknüpfen kann. Ich werde mir natürlich ein Thema aussuchen, das mich interessiert, und ich denke, das kann ich mit meiner normalen Arbeit - ich arbeite ja vollberuflich als Grafikdesigner - ganz gut verknüpfen.
Eine Frage zu deinem letzten Album "Donnerwetter": Du hast im Track "Keine Idole" eine Zeile gegen Angela Merkel. Wie sehr beschäftigt dich Politik, und wie würdest du die bisherige Arbeit der Kanzlerin bewerten?
Mittlerweile muss ich sagen, dass Frau Merkel mich etwas positiv überrascht hat. Erstaunlich finde ich, wie sie Deutschland nach außen hin repräsentiert. Das hätte ich nicht gedacht. Sie hat halt gerade am Anfang ihrer Amtszeit, zum Beispiel bei den Anti-Raucher-Gesetzen, große Inkompetenz bewiesen. Das war schon eine Blamage. Das Problem an der deutschen Politik ist, dass man immer nur zwischen mehreren Übeln wählen kann. Es gibt keine Partei oder auch nur einen Kandidaten, hinter dem ich zu 100% stehen könnte. Politik interessiert mich schon sehr, aber eher die internationale als die innerdeutsche.
Wenn du sagst, man müsste sich immer zwischen zwei Übeln entscheiden: Hast du bei der letzten Bundestagswahl gewählt, und wenn ja, dann was?
Ja, habe ich. Ich habe aus Trotz die Grünen und die FDP gewählt.
Okay, eine ganz andere Frage. Du bist gerade mit Kollegah auf Tour, und wie du sicherlich weißt, hat Kollegah vor ein paar Wochen Separate gedisst, der wiederum einer deiner langjährigen Wegbegleiter ist. Was hältst du davon? Nervt dich das? Ergreifst du Partei?
Ich muss dazu sagen: Als ich mich dazu entschlossen habe, mit Kollegah auf Tour zu gehen, gab es diesen Beef noch nicht. Der ist sozusagen erst während der Tour entstanden. Allerdings möchte ich mich zu diesem Thema jetzt auch nicht wirklich äußern.
Okay. Du warst jetzt innerhalb von eineinhalb Jahren dreimal auf Tour, oder?
Nee, nicht ganz. Letztes Jahr war die erste, das jetzt ist die zweite.
Du studierst, gehst auf Tour, releast ein Album nach dem nächsten, designst deine ganzen Releases auch noch und leitest die geschäftlichen Belange deines eigenen Labels. Bist du ein Workaholic?
Naja, das stimmt schon auf jeden Fall. Aber man muss dazu sagen, dass ich bei dem Label nicht direkt die geschäftlichen Belange mache. Ich mache eigentlich die Grafik, für das Geschäft an sich sind zwei Leute zuständig, mit denen ich die Firma No Peanuts zusammen gegründet habe. Und wegen Uni: Ich weiß nicht, wie es da bei dir ist mit Klausuren und so, aber ich bin ja an einer Kunst-Uni, und wir haben nicht so viele tägliche oder wöchentliche Verpflichtungen, bei denen wir immer erscheinen müssen. Wir haben da halt unsere Projekte, die wir am Ende präsentieren müssen. Aber natürlich hast du Recht: Ich mache schon sehr sehr viel, auch viele unterschiedliche Sachen, und ich kann ohne diese Arbeit auch gar nicht leben.
Okay, eine letzte Frage habe ich noch: Meine Kollegin Fromm hier hat heute Geburtstag ...
Oh. Herzlichen Glückwunsch!
...und ich hab jetzt ja keine Ahnung, ob du Lust hättest auf einen Freestyle?
Einen Freestyle? Oh. Das hab ich schon lange nicht mehr gemacht. Nein, lasst mal gut sein, da würde ich mich nur blamieren.
Fromm: Schade...
Na hey, weißt du ... wenn ich früher gefreestyled habe, habe ich das nur gemacht, um Leute zu batteln. Und ich könnte dich jetzt natürlich auf die eine oder andere Art und Weise beleidigen, aber das will ich nicht, und schon gar nicht an deinem Geburtstag.
Betrunkener Fotograf Ahner aus dem Off: Na dann nimm doch einfach mich!
Ne, bei dir habe ich ja überhaupt keine Angriffsfläche. Ich hätte auch gerne so einen Bart wie du. Nein, mir haben diese Freestyles, wie sie früher üblich waren, nie so wirklich gelegen, das fand ich zu langweilig. Ich mochte diese Battlefreestyles, in denen es darum ging, den anderen möglichst gekonnt platt zu machen. Aber das funktioniert natürlich, ebenso wie bei einem Boxkampf, leichter, wenn einem der andere erst einmal eine Vorgabe liefert.
Gässlein: Also müsste ich dich jetzt einfach nur stilvoll beleidigen?
(Lacht) Ja, aber trotzdem würde ich jetzt keinen Freestyle machen.
Slick One unterbricht das Interview mit einer organisatorischen Frage, bringt die Fragesteller aus dem Konzept und rettet Pi somit den Kragen.
Okay, dann kommen jetzt meine eigenen Fragen. Meine Wunschfragen. Stellt ihr das dann auch so dar, als ob ihr die gestellt hättet?
Gässlein: Nein, wir stellen das ganz genau so dar, wie es jetzt abläuft.
Ja, das ist eine gute Frage, eine schwierige Frage. Und ich danke dir auch, dass du mir die Frage gestellt hast. Mein nächstes Album kommt übrigens im Dezember raus, und es wird vom Arbeitsaufwand so groß sein wie "Donnerwetter", wahrscheinlich sogar noch größer. Man kann jetzt schon sagen, dass es ein ziemlich epochales Meisterwerk sein wird ...
Du nimmst dich selber aber schon ganz schön für ernst, ne?
... ja ne, so kann man das jetzt nicht sagen. Aber so ein bisschen schizophren fühle ich mich schon manchmal. Es gibt so Tage, an denen ich mit mir selber rede, spreche, und mit mir selber Diskussionen anfange.
Ja, gut, kommen wir mal wieder zum Thema zurück. Du hast gerade deine DVD und dein Streetalbum gemacht, es heißt "Das PrinzIp Prinz Pi Vol.1". Was sagst du denn dazu, was hast du dir dabei gedacht, und wie gefällt dir die Resonanz darauf?
Auf laut.de ist ja dazu noch immer keine Review vorhanden. Ich habe ja schon zweimal geschaut, aber da gibt es leider immer noch keine. Was eigentlich eine Schande ist, denn die laut.de-Reviews sind immer gern gelesene Reviews, weil die mir immer sehr hohe Wertungen geben - höhöhöhö. Beim "PrinzIp Prinz Pi" ist ja noch eine Street-CD dabei, die vom Aufwand her aber vergleichbar mit einem normalen Rapalbum ist. Ich habe sie nur Street-CD genannt, weil sie gemessen an "Donnerwetter" natürlich sehr viel weniger arbeitsaufwändig war, viel mehr aus dem Handgelenk gerappt.
Okay, dann erzähl uns doch mal was über deine Lieblingssongs?
Ja, meine Lieblingssongs... also ein Song, der mir sehr gut gefällt ist "Fluch Der Besten".
Wieso ausgerechnet dieser Song? Ich finde den relativ schlecht, muss ich sagen.
Naja, einem Teil von mir gefällt der wahnsinnig gut, einem anderen dafür leider gar nicht. Es ist ein sehr persönliches Lied, und es befasst sich, ebenso wie "Wunderkind" damals mit dem Los, das man hat, wenn man in der Öffentlichkeit steht und viele Sachen macht. Viele Leute denken ja, dass Rapper eine Art Traumberuf ist, etwas das einem Spaß macht.
Aber was willst du denn sonst sein? Willst du etwa in einer Autowerkstatt arbeiten oder an der Kasse?
Nein, lieber Freund, das will ich nicht, aber Rappen ist trotzdem nicht mein Traumberuf, denn dieses Berufsbild erfordert, die meiste Zeit nur über oder mit sich selber zu reden, von teuren Autos anzugeben, die man sich höchstens mal mietweise leisten kann, von dummen Frauen zu erzählen und auf dummen Partys rumzurennen, auf denen die meisten Leute gefälschten Zirkoniaschmuck tragen. Das ist nicht ganz so mein Stil.
Aha okay. Was ist denn dann dein Stil? Wo siehst du dich denn in fünf Jahren?
Also, wenn nicht wegen Schizophrenie in der Psychiatrie, dann sehe ich uns an der Spitze der deutschen Musiklandschaft, weil ich es mir zur Aufgabe gesetzt habe, deutschen Rap aus diesen Klischees heraus zu führen. Ich will, dass Independent Musik auch im deutschen Hip Hop stattfinden kann, eine Musik, die sich nicht nur auf sich selber bezieht, wie cool man ist und wie uncool alle anderen sind, sondern dass man auch die Themen ansprechen kann, die zum Beispiel Rockmusiker oder Punkmusiker ansprechen.
Gut, dann danke ich mir für dieses Interview.
Ja, ich danke dir auch, für die schönen Fragen, die du gestellt hast ... oh, eine dritte Person betritt das Zwiegespräch!
Naja, wenn mich jemand fragt, was ich mache, und ich antworte "deutschen Hip Hop", dann sagen sie alle "Ach Okay", in einem Tonfall, der schon verrät, dass sie das für Proletenmusik mit Inhalt von "Ich fick dich, blablabla" halten. Und denen muss ich dann jedes Mal erklären, dass diese Musik auch andere Inhalte transportieren kann als das, was die Leute so denken. Wenn jemand sagt, er macht Independent-Rockmusik, dann guckt ihn keiner böse an und sagt zu ihm: Aha, du bist also dieser Rockstar, der genau in dieses Stereotyp hineinpasst.
Bei Hip Hop ist das halt sehr krass, weil diese Musik fast nur über Stereotype verkauft wird, die sich auf sich selbst beziehen. Bei anderen Musikrichtungen ist das nicht so. Bei Punkmusik würde mir jetzt als einziges Stereotyp einfallen, dass es eben eine rebellierende Musikrichtung ist, aber ansonsten ist das Spektrum da auch sehr weit. Und das ist halt das, was ich für Hip Hop machen möchte: Den Leuten zeigen, dass man auch andere Themen ansprechen kann.
Ich habe ja diesen Song gemacht über die Atomwaffenarsenale, die es noch gibt ("Die Bomben Schlafen"), ich habe viele Tracks über Beziehungen - gute, schlechte, gescheiterte - und das ist ja das, was die meisten Pop- und Rockmusiker machen oder auch R'n'B bis hin zu Motown. Die Leute, die ich erreichen will, sind nicht unbedingt diejenigen, die bisher schon Hip Hop hören. Denjenigen, die denken, sie seien zu alt für Hip Hop, zu reif, oder zu cool, will ich zeigen: Hip Hop ist eine wunderbare Musikrichtung, eine unglaublich offene Musikrichtung, eine Musikrichtung die besser als jede andere Musik mit anderen Stilen vermischt werden kann, Rock, House, Grime, Garage, Jazz, R'n'B, fast jede Richtung.
Es ist unheimlich schade, wie engstirnig die meisten Leute sind, die Rapmusik machen, und auch die, die es hören. Das muss und kann man verändern. In England mit den Ninja Tunes, oder auch in den Staaten, mit diesen ganzen Leuten um Company Flow, die haben gezeigt was man alles aus Musik machen kann, welche Wege man begehen kann. Herbalizer oder DJ Shadow früher, das ist für mich absolut credibile Hip Hop Musik, und trotzdem geht sie einen Schritt weiter. In Deutschland gibt es so etwas bisher noch nicht. Jan Delay glaub zwar zum Beispiel, dass er so etwas macht, und seine Band ist auch cool, aber Jan Delay selbst finde ich so was von zum kotzen, sorry.
Besoffene Fromm: Da hilft ein Name wir "Prinz Porno" natürlich nicht unbedingt, solche Klischees zu überwinden!?
Das ist ja auch genau der Grund, weswegen ich den Namen geändert habe. Wir haben CDs verschickt, und die Leute haben sich die Musik nicht mal angehört, weil sie sich gesagt haben: "Okay, das ist jetzt wieder so ein Proletenrapper aus Berlin, mit dem Scheiß wollen wir uns gar nicht erst auseinandersetzen." Darum habe ich den Namen geändert, denn diese Redakteure sehen den Namen und hören es sich dann nicht an. So viele Leute sind zu mir gekommen und meinten, sie hätten sich die Musik niemals angehört, wenn sie den Namen "Prinz Porno" vorher gelesen hätten. Der Name hat mir und uns viele Sachen verbaut, das muss man einfach so sagen.
Fromm: Es war also ein Fehler mit dem Namen?
Naja, sagen wir es so: Wenn es darum geht, viele Leute zu erreichen, dann schon. Auf jeden Fall. Aber dieser Name ... ich habe früher "Porno" gemalt, das war mein erster Hip Hop-Szene-Name oder so was, und den wollte ich halt nicht ablegen. Aber ich habe dann gesehen, dass die Leute zu beschränkt sind, um mal hinter diesen Namen zu gucken.
Wir danken für dieses Interview. Und obwohl wir kaum gerade stehen können gehen wir jetzt noch auf die Aftershowparty!
Nachtrag: Fromm bekam ihren Geburtstagsfreestyle dann noch im Ausgang vom "Z" von einem unbekannten Freiburger Jugendlichen. Mag sein, dass es am guten Tannenzäpfle lag, aber wir fühlten uns prächtig unterhalten. Grüße an Slick One, der sich mit uns ablichten ließ, obwohl wir das geplante Kollegah-Interview im Anschluss partout nicht mehr hinbekamen. Und von Pi, der Kollegin Fromms Geburtstagswunsch in der Juice im Nachhinein mit der infamen Falschbehauptung abtat: "Gerade gestern wollte eine Frau von der Süddeutschen Zeitung (!), dass ich ihr einen Geburtstags-Freestyle vortrage. Da musste ich dankend ablehnen, denn ich hasse Spaß-Freestyles. Ich meinte dann, ich könne sie ja beleidigen - aber da hatte sie irgendwie keine Lust drauf. Nicht an ihrem Geburtstag", erwarten wir beim nächsten Mal nicht nur einen Freestyle, sondern einen Exclusive Track.
Das Interview führten Philipp Gässlein, eine doppelt zu sehende Dani Fromm und ein Thomas Ahner, der auch doppelt zu sehen war, obwohl man das gar nicht wollte.
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