26. Januar 2012

"Terrorismus ist wie Lottospielen"

Interview geführt von

Prinz Pi interviewt sich diesmal nicht selbst, spricht dafür aber über Religion, Familie, die Gruseligkeit von Tim Bendzko und das Stigma Deutschrap.Noch hat man die Klänge seines letzten Albums im Ohr, als der "Rebell ohne Grund" bereits mit dem nächsten Projekt aufwartet: "Tschüß Deutschrap, hallo Musik!" Die Wahrscheinlichkeit, mit einem solchen Slogan treue Rapfans zu vergraulen, ist groß. Das Risiko geht Prinz Pi ein und spricht mit laut.de über das Stigma Deutschrap, über Verdummung und Wahn, unheilige Musik und seine heiligen Momente mit echten Menschen.

Drei Tage nach dem Release von "Hallo Musik", besuchten wir Prinz Pi und seinen Kollegen Wassif Hoteit im Büro ihres Labels Keine Liebe Records in Kreuzberg. Trotz des gemütlichen alten Holzofens schlägt Friedrich vor, in ein nahegelegenes Café zu gehen, um dort das Interview zu führen. Kaffee können alle brauchen - es ist schließlich noch vor zwölf. Während ich vom Prinzen persönlich schon mal zum Café geleitet werde, wartet Wassif noch auf eine Freundin des Hauses. Kurze Zeit später kommen die beiden nach und die Runde ist komplett.

Wie war denn die Autogrammstunde am Releasetag im Saturn?

War cool. Wir dachten nicht, dass es so krass voll wird - zumal das ja jetzt nicht das große neue Album ist, sondern eher ein "Spezialprojekt". Und dann kamen wir da an - der Laden ist unübersichtlich und groß - und haben gesehen, wie sich diese Schlange Menschen da durchmäandert hat. Das war schon krass! Aber es war sehr schön, sehr nett, waren nette Leute da, hat Spaß gemacht.

Gestern gabs dann noch ein Adventsgeschenk für deine Fans – "Nie Wieder" zusammen mit Casper.

Ja, genau. Da haben wir auch nochmal 'ne neue Version aufgenommen, die es aber nicht mehr aufs Album geschafft hat, weil er auf Tour war. Und dann haben wir uns gedacht, dass wir das den Fans in der Weihnachtsstimmung geben - als special goodie.

Wie kam "Hallo Musik" zustande und was hat es genau mit diesem Dachbodenkonzert auf sich?

Also tape.tv - das ist so 'n cooler Fernsehsender - die haben diese Reihe, bei der sie auf dem Dachboden von ihrem Sender Konzerte machen. Das ist dann nicht mit DJ und so, sondern da muss dann am besten 'ne Band spielen. Wir dachten, wir probieren das mal aus. Ich finde normalerweise nichts schlimmer, als wenn Hip Hop-Acts auf einmal so tun, als wären sie eine Rockband. Aber bei uns ist das ja so, dass wir ohnehin unsere Beats mit echten Musikern machen – nicht alles daran, aber die Basslines, die ganzen Klavierparts, alle Tasteninstrumente, viele Drums, Percussions und all so was nehmen wir immer mit echten Musikern auf, nur dass die nicht alle zeitgleich im Studio sind, wie bei 'ner Jamsession, sondern nach und nach kommen und ihre Sachen machen. Ja - dementsprechend hat sich das schon ein bisschen angeboten. Es hat super gut funktioniert und super viel Spaß gemacht. Wir haben für den Gig fünf oder sechs Songs einstudiert und dann haben wir gedacht, wir machen das Album voll und lassen den Rest die Fans auswählen ... Kaffee kommt ... und dann haben die ausgewählt.

Hat dich denn die Auswahl der Songs überrascht?

Teilweise ja. Bei "Elfenbeinturm" hab' ich schon gedacht, dass die Fans das wählen. Da haben wir auch schon mal 'n Video gemacht, is'n beliebter Song und den spielen wir auch live oft, aber zum Beispiel "Soviele Fragen" oder "Fluch der Besten" sind jetzt eher Songs, die auf dem Album irgendwie interessant sind, die sicher ihre Fans haben, aber ich hätte nicht gedacht, dass die bei so 'nem Voting durchkommen.

Der Promoslogan "Tschüß Deutschrap, hallo Musik" hat sicherlich einige Rapfans verunsichert. Willst du dich vom Rap entfernen?

Nee - überhaupt nicht. Aber ich finde halt, dass Deutschrap nicht nur 'ne Musiksparte ist, sondern fast schon ein Stigma, so von wegen: "Das ist Unsinn, so Musik!" Mittlerweile gibt es viele Künstler, die es schaffen, das aufzubrechen, wie Kraftclub, Casper, Marteria oder sogar Peter Fox –der ist ja auch irgendwo Hip Hop oder Deutschrap, wenn man so will. Bei dem ist es allerdings so, dass er sich von vornherein aus dieser Schublade rausgezogen hat. Das ist das einzige, was ich damit auch machen möchte. Ich möchte als Musiker wahrgenommen werden, nicht als Schwachmat.

Immer wieder Thema für dich - auch in deinen Songs - ist, dass du deinen Platz nicht so wirklich findest. Hat sich das inzwischen geändert?

Nee - irgendwie habe ich den immer noch nicht so richtig gefunden. Mir macht das, was ich mache, natürlich total Spaß und ich geh' darin total auf. Für mich ist Musik meine Ausdrucksform, aber das ist jetzt keine Perspektive in dem Sinne, dass ich weiß, es mir leisten zu können, das die nächsten 30 Jahre zu machen.

Inwiefern "leisten"? Kräftemäßig?

Naja - ja. Das ist halt körperlich super anstrengend. Es kann sein, dass du das irgendwann nicht mehr machen kannst, auch wenn du gerne würdest. Wenn du, sagen wir mal, Fußballspieler, bist, dann wirst du auch nicht mit sechzig noch professioneller Fußballspieler sein können. Live zu singen - oder speziell: zu rappen - ist halt extrem anstrengend. Wenn du viel auftrittst, musst du echt viel Sport machen und super fit sein. Es ist unwahrscheinlich, dass ich das irgendwann nicht mehr machen kann aufgrund meiner körperlichen Verfassung, aber es ist zumindest irgendwie möglich. Man weiß es halt nicht! Kann ja auch sein, dass du es dir einfach nicht mehr leisten kannst in dem Sinne, dass keiner mehr deine Musik kauft. Dann kannst du das noch als Hobby machen, aber musst eben deine Zeit auch mit etwas verbringen, womit du deine Miete bezahlen kannst.

Machst du das noch, mit deinen Grafiksachen?

Nö. Mittlerweile nicht mehr. Ich komm' auch gar nicht mehr dazu, Grafik zu machen, weil alles, was ich mache, sich um Musik dreht. In den letzten Monaten hatten wir vielleicht einen Tag frei, ansonsten bin auch am Wochenende auf 'nem Auftritt oder arbeite. Es ist nicht so, dass man ein krass relaxtes Lotterleben führt. Wir haben zwar den Luxus, dass wir sagen können, wir gehen erst um zehn ins Büro und nicht um acht oder so, aber dafür sitzen wir oft bis nachts noch dort. Wir können mal ein längeres Mittagessen machen, aber dafür musst du nachts ran. Die Arbeit ist schon sehr zeitaufwändig.

"Religion ist ein krasser Anachronismus."


Du hast auch Familie, ne? Eine Tochter?

Ja.

Wie alt ist die jetzt?

Zweieinhalb.

Lebt sie bei dir?

Nee - bei meiner Exfreundin. Ich seh' sie leider sehr selten.

Dieser Typ, der in Oslo die ganzen Kinder umgebracht hat – was sollte man mit dem deiner Meinung nach machen: abschlachten oder langsam quälen? Das ist jetzt 'ne Charakterfrage!

Ich bin auf jeden Fall gegen die Todesstrafe. Wenn du diesen Menschen bestrafen möchtest, dann würdest du ihm einen Gefallen tun, wenn du ihn umbringst. Dann würde er sich als Märtyrer sterben sehen, als einer, der für eine gerechte Sache stirbt. Wenn du ihn die ganze Zeit im Knast hast, ist es relativ unwahrscheinlich, dass er sagt: "Ich sehe ein, dass ich ein riesiges Verbrechen begangen habe." Er sieht das ja nicht ein! Er glaubt ja, er hätte seinem Land einen großen Dienst damit erwiesen, weil er eben wahnsinnig ist. Er ist ja nicht so ein Nullachtfünfzehn-Mafiamörder, der ganz genau weiß, dass er ein Verbrechen begeht, aber das macht, um Geld zu verdienen oder weil er halt einfach ein skrupelloser Mensch ist. Er glaubt ja, er hätte damit was Gutes getan!

Wenn du diesen Typen bestrafen willst, dann hast du eigentlich nur die Chance dazu, indem du ihn möglichst lange einknastest. Vielleicht erkennt er irgendwann, dass er ein Verbrechen begangen hat. Dass das wahrscheinlich nicht stattfinden wird, ist klar, aber du kannst halt nicht als Gesellschaft - gerade als Gesellschaft, die viel auf ihre Werte gibt - Gleiches mit Gleichem vergelten, denn das ist dann ja "Auge um Auge, Zahn um Zahn". Wenn du einen Mörder mit Mord bestrafst oder einem Dieb die Hand abhackst, ist das halt Mittelalter.

Immer wieder anschießen? Langsam quälen?

Du würdest einem Menschen, der so krank im Kopf ist, einen Gefallen damit tun. Er möchte ja Beachtung erfahren und das kriegt er ja dann dadurch. Je größer das Medieninteresse ist an seinem Prozess, um so mehr hat er sein Ziel erreicht. Der ist wie ein Terrorist. Terrorismus ist ja ein bisschen so wie Lottospielen. Wenn du Lotto spielst, hast du die Aussicht auf einen Gewinn, den du höchstwahrscheinlich nicht kriegen wirst. Irgendjemand kriegt den Gewinn im Lotto, aber die Chance, dass du den selbst gewinnst, ist unwahrscheinlich gering. Beim Terrorismus ist es auch so. Die Chance, dass sich ein Terrorist mit einer Bombe selbst umbringt, ist unwahrscheinlich gering, aber trotzdem hat jeder Angst davor, dass er derjenige sein könnte, dem das passiert. Damit hat der Terrorist sein Ziel erreicht. Indem er diese Angst gesät hat. Das ist genau dasselbe wie bei dem Typen in Oslo.

Im Interview mit 16bars ging es um Medien wie die Bravo und deren Verbreitung von nicht altersgemäßen Inhalten. Du hast gesagt: "Musik kann so hart und explizit sein, wie sie nur will, aber sie darf dann halt auch nur Leuten zugänglich sein, die das entsprechende Alter haben." Wie trägst du Sorge dafür?

Ich muss dafür nicht sorgen. Da müssen die Eltern für sorgen. Meine Kunst ist ja jetzt auch nicht so explizit, dass man die jetzt wie einen Splatter-Horror-Film oder Musik, in der es um Mordfantasien geht, als artifizielles Produkt verstehen können muss. Das ist bei mir in der Regel nicht so der Fall. Daher besteht bei meiner Musik nicht so krass die Not, dass man die nur Leuten ab 18 zugänglich macht. Aber ... ich weiß ja nicht, wie das bei den meisten Leuten so is, aber bei mir war das so, dass meine Eltern das schon krass reglementiert haben, was ich im Fernsehen gesehen habe oder so. Die hätten mir jetzt niemals 'n Fernseher in mein Zimmer gestellt und gesagt: "Du kannst kucken, was du willst, wann du willst." Genauso will ich das bei meinen Kindern auch machen. Das sollte man mit Musik vielleicht auch so halten bis zu einem gewissen Alter. Wenn meine Tochter alt genug ist, kann sie sich meine Musik gern mal anhören, aber wie man halt so ist als Kind, findet man das sowieso immer peinlich, was die Eltern so machen.

In deinen Texten taucht das Wort "Gott" auffallend oft auf. Was oder wer ist das persönlich für dich?

Ich glaub' gar nicht an Gott. Ich finde Gott und das ganze Thema Glauben ist ein krasser Anachronismus, an dem ganz viele Menschen noch festhängen. Ich finde es gut, wenn Menschen gläubig sind in dem Sinne, dass sie sich an ein Wertesystem halten und darauf achten, moralisch nicht irgendwie verwerflich zu leben. Ich finde das schon gut, wenn man gläubiger Christ ist oder gläubiger Muslim und sich an gewisse Gebote hält, nicht tötet oder so und barmherzig ist. Dass es das für Leute gibt, ist auch vollkommen in Ordnung.

Aber Religion ist so 'ne Sache, die im Verlauf der Geschichte der Menschheit immer wieder genutzt wurde unter der Prämisse, den Leuten allerlei Mist anzutun. Sei es jetzt, dass gesagt wurde, man darf keine Kondome benützen und nicht verhüten, dafür gibts dann halt Überbevölkerung. Sei es, dass gesagt wurde, man muss nach Jerusalem fahren und da ein Blutbad anrichten. Oder das Kastensystem in Indien, wo völlig klar ist: Wenn die Leute sich nicht aus religiösen Gründen damit abfinden würden, dass sie arm sind, weil ihnen ihre Religion verspricht, dass sie im nächsten Leben um so reicher sind, je ärmer sie jetzt sind, dann hätte es da ja schon längst Aufstände gegeben. Religion ist da eben das Mittel, das sowas unterdrückt.

Aber das ist ja das Institutionelle - der Überbau sozusagen, der Missbrauch von Glauben durch die Institutionen. Aber woran glaubst du? Das ist ja auch Thema in deinen Texten. Du stellst immer wieder Fragen wie 'Ist das alles nur 'ne Farce? Ist das alles hier 'n Videospiel?' usw.

Dieser Jenseitsglaube - also der Glaube an ein Jenseits oder einen Gott, der über einen richtet - ist eine typische Vereinfachung, die sich die Menschen oft machen. Das ist ein bisschen wie 'ne Verschwörungstheorie. Es hat halt seinen Reiz, dass man die Verantwortung auf irgendwen weiterschiebt. Ich muss jetzt nicht dafür verantwortlich sein, was ich hier mache, denn Gott wird mich irgendwann richten. Wenn ich gut war, komm ich in den Himmel und wenn ich schlecht war, in die Hölle. Und egal was passiert, das ist gottgewollt und das hilft mir, mich damit abzufinden und so. Das ist das, was die Leute machen, weil sie nicht fähig sind, die Realität zu verkraften. Wenn die Leute dazu fähig wären, das zu verkraften, würden sie sich nicht so ein Gedankengebäude bauen müssen. Und damit beschäftige ich mich halt super viel.

Kein Gott, also. Und nach dem Tod – kommt da noch was?

Nee. Ich glaub', da sind die Lampen aus.

"Tim Bendzko ist der Teufel im Schafspelz"


Du bastelst grade schon an deinem neuen Album. Wie wird sich das ungefähr anhören?

Das wird sich so anhören, wie "Rebell Ohne Grund", nur noch cooler (lacht). Ja - natürlich versuchen wir uns immer noch zu steigern, das noch schöner zu machen oder noch besser klingen zu lassen. Man hat ja als Künstler immer den Anspruch, sich weiterzuentwickeln. Es gibt natürlich die Fans, die möchten, dass man immer noch so klingt wie auf der ersten Platte, die sie von einem gehört haben. Aber als Musiker möchte man sagen können, dass man jetzt ein Album gemacht hat, dass noch besser ist als das davor. Ob das dann auch beim Fan als "besser" wahrgenommen wird, ist natürlich noch mal 'ne andere Sache. Aber den Anspruch sollte man haben, finde ich.

Kommt denn auch noch mal ein Akustikalbum?

Im Endeffekt war es ein schönes Ding, das zu machen und ich hab' jetzt nichts dagegen, wenn Songs so instrumentiert sind. Das macht auch voll Spaß und ich werde auch bei dem Album jetzt wieder gerne mit vielen Musikern zusammenarbeiten, aber ich werde mich jetzt nicht hinsetzten mit 'ner Band und mit 'ner Band das Album aufnehmen, so wie ich das Akustikalbum aufgenommen habe. Du kannst nicht jede Strophe noch mal einzeln einspielen, kannst jetzt nicht hundert Versuche machen - da flippt ja die Band aus, nä? Die Zeit möchte ich mir aber gern nehmen.

Spielst du eigentlich auch ein Instrument?

Ja - ich hab' Klavier gespielt.

Jetzt noch zu Tim Bendzko. Du hast ihn neulich als "Antichrist der deutschen Musikszene" betitelt. Ich finde ja, der wirkt eher harmlos ...

Das ist halt der Teufel im Schafspelz ... (schmunzelt)

Für mich ist das Unsinn. Die Texte sind für mich so was Schlimmes, Doofes - sowas wie die gesungene Bildzeitung. Du hast ja auch Philosophie studiert: Es gibt bei Nietzsche diese Stellen in "Ecce Homo", wo er sich darüber auslässt, wie schlimm die Deutschen sind und wie verdorben unsere Kultur ist im Gegensatz zur französischen Kultur bzw. vor allem französischer Literatur - genauso ist das, wenn du so Leute hast wie Xavier Naidoo mit diesen dummen, pathetischen, gottgeschwängerten Unsinnstexten! Oder meinetwegen auch diese späten Herbert Grönemeyer-Sachen. Ich fand die frühen Sachen gut, aber mittlerweile sind die auch so möchtegern-intellektuell/philosophisch - das find' ich einfach ganz furchtbar. Oder Unheilig. Das ist alles so die gleiche Richtung an untiefer Lyrik, die aber den Anspruch hat oder so tut, als wäre sie wirklich tief. Was dieser Tim Bendzko macht, finde ich wirklich ganz, ganz fürchterlich.

Feierst du denn Weihnachten?

Ja - mit meiner Familie. Meine Familie ist jetzt leider sehr klein, aber es ist schön, wenn die dann doch mal zusammen kommt. Klar! Da bin ich dann bei meinen Eltern und meinem Bruder. Ich find' das als Fest, an dem man mal wieder zusammen kommt, schon sehr schön. Aber das hat für mich vielleicht auch 'ne neue Bedeutung seit ich Vater bin. Dass man da ein anderes Verhältnis zur Familie hat ...

Kommt deine Kleine dann zu dir?

Leider nein.

Gibt es Geschehnisse 2011, die dich besonders inspiriert, bewegt oder auch abgeschreckt haben?

Wow, ja - eigentlich schon ziemlich viel passiert. Für mich die schönsten Ereignisse waren die ganzen Touren, die wir gespielt haben, die ganzen Liveauftritte. Es ist schon krass, wenn du siehst, wie viele Leute deine Musik toll finden oder wahrnehmen, was das für manche Leute für 'ne Bedeutung hat. Wenn man hier in Berlin so als Musiker in seinem Studio vor sich hinarbeitet in seinem Kreis aus anderen Musikern, dann gehts halt immer um irgendwelche Details, wie dies klingt und wie jenes klingt und wie mans noch schöner machen könnte - man verliert da irgendwie so völlig die Perspektive. Wenn man dann sieht, was das für manche Leute für 'ne krasse Bedeutung hat, gibt dir das auf einmal so 'ne Bestätigung und das Gefühl, wirklich etwas richtig gemacht zu haben.

Es ist echt nicht so wichtig, ob jemand meine Platte mit drei, vier oder fünf Sternen bespricht - oder Kronen oder Kreisen oder Mikros oder was auch immer. Wenn ich aber richtige Menschen treffe, die sich die Platte gekauft haben und denen wir die nicht zugeschickt haben - von wegen eins von 50 Alben, die du als Journalist besprichst - sondern wenn das echte Menschen sind (rundum Geschmunzel), die sich ... - also nicht "echte Menschen" (allgemeines Gelächter), aber halt Menschen, die ihr Geld genommen haben, um sich diese CD zu kaufen und das dann nachfühlen können, dann ist das schon wirklich ein tolles Gefühl. Das habe ich dieses Jahr in wesentlich größerem Maße miterleben können als zuvor. Das hat mir schon sehr viel gegeben.

Dann war natürlich krass wichtig, wie meine Tochter immer größer geworden ist. Diese ganzen Entwicklungsschritte sind momentan so spannend - das ist einfach super interessant, das zu sehen. Das ist die totale Freude, wenn sie anfängt zu sprechen und zu laufen, sich zu artikulieren und Witze zu machen. Es gibt wahrscheinlich für niemanden, der Kinder hat, eine größere Freude als zu sehen, wie Kinder erwachsen werden. Mit zweieinhalb ist sie natürlich noch fern weg von erwachsen, aber ...

... das geht ganz schnell.

Das geht ganz schnell - ja. Das ist schon super schön.

Vor dem Hintergrund, dass die laut.de-Crew vor einigen Jahren so betrunken war, dass Prinz Pi sich selber interviewen musste:

Welche Frage würdest du dir denn dieses Jahr stellen, wenn du dich wieder selber interviewen müsstest?

Wassif von der Seite: Wer bin ich? (Gelächter.)

Ich weiß es nicht. Ich glaube, das kann ich nur machen, wenn der eigentliche Journalist krass weggetreten ist (lacht). Dann muss ich die Rolle einnehmen - sonst kann ich diesen Charaktertausch nicht vollziehen.

Noch etwas zum Abschluss?

Ich danke dir für dieses unalkoholische Interview! Es war mir eine Freude.

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