Porträt

laut.de-Biographie

Justus

Justus Jonas ist ein Mysterium. Auf der Berlin-internen Abgedrehtheitsskala mögen ihn Leute wie MC Basstard und Orgasmus mittlerweile abgelöst haben. Einer der wortgewandtesten Rapper, den die Hauptstadt hervorgebracht hat, bleibt er dennoch. Außerdem gehört Justus mit Prinz Porno und Meyah Don zu den einzigen, die sich einen überregionalen Bekanntheitsgrad durch Consciousness-Rap erarbeitet haben.

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Seine ersten Erfahrungen sammelt Erik Keil gemeinsam mit einem Haufen anderer durchgeknallter, jugendlicher Rapper im Berliner Café Royal Bunker bei Open Mic Sessions. Mit von der Partie sind neben Martin B., Dr. Fumanschu und Illo 77, mit denen er sich 1994 unter dem Pseudonym Justus Jonas zu den "Funkfüxen" zusammen schließt, auch Kool Savas, Sido, B-Tight, Taktloss und andere. 1997, als das lose Zusammensein schon weitgehend Crewstrukturen gewichen ist, gründen Fumanschu, Justus und Kool Savas zusammen die Gruppe M.O.R.

Justus Jonas ist nicht nur der Name eines der berühmten "Die ???", sondern auch ein Mitreformator unter Martin Luther. Ähnlich zwiegespalten präsentiert sich Justus als Rapper. Während er sich auf seinem ersten Tape "Neue Wahrheit" im Jahr 1999 als Kritiker der Gesellschaft, politischer und wirtschaftlicher Systeme sieht, zeigt er bei Collabos seine blutdurstige Seite: "Der Spaß ist jetzt vorbei, ab morgen wird gestorben!/Im dritten Weltkrieg kämpft der Süden gegen den Norden/Ich bin vor den meisten anderen auf dem Schlachtfeld, nämlich jetzt schon/mit Tarnkleidung und Knarre bin ich am Mic bereits in Action/Weil wir Amerika entdeckten, beherrschen wir die Welt/doch das wird nicht immer so sein, bald lebst du in einem Zelt/Ich brauche kein Geld, sondern nur ein scharfes Schwert/mit dem ich jedem zwischen die Augen steche der sich beschwert ... Ich starte die Revolte mit dem Colt in der Hand/Double J greift an, und du brauchst nen Verband/Weil alles Lug und Trug und Schund und Tand ist, was die Industrie uns verkauft, bleib ich untergrund und unerkannt" (aus "Zeichentrick" mit Kool Savas).

2001 erscheint mit "NLP" der erste große Battlerap-Paukenschlag in Deutschland, und mit einem Mal bietet sich dem Berliner ein großes Forum für seine Reime. Bei der M.O.R.-Session bei Fett MTV schockt er die Zuschauer mit folgendem Text: "Seit Jahren auf Reisen/mit Jeep und Schießeisen/musste durch Wüsten und über Wiesen um auf Bauern zu schießen/Wir verfahren mit Rappern wie Japaner mit Delfinen: Schnappen uns Knüppel und machen Hackfleisch aus ihnen/Ich geb allen, was sie verdienen: Statt Flocken und Scheinen/fliegen Gesteinsbrocken von Brücken und durch Windschutzscheiben/Feige MCs bleiben auf der Strecke/erschreckt durch meine Raps reagieren sie wie Schnecken: Mit Rückzug und Verstecken/Justus ist ein Mack mit Macken: Ich kann kein Blut sehen, sonst muss ich lachen..."

Der Split mit ihrem populärsten Mitglied Kool Savas brach M.O.R. beinahe das Genick. Die Gruppe löst sich zwar nicht auf, nennt sich aber seitdem nur noch Ex-M.O.R. Justus, der seinen Nachnamen streicht, veröffentlicht im Jahr 2002 das überragende Solodebütalbum "Zeichen Und Muster" und rappt grandios im Zusammenspiel mit Meyah Don auf "Über Alles Grün" und Prinz Porno auf "Jung, Schön und Stylish".

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