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BIOGRAFIE

Kettcar

 
 

Es gibt sie noch. Die guten Momente im Musikbiz. Als Tomte-Chef Thees Uhlmann Ende August 2002 mit seiner großen Klappe verkündet, dass er und halb Kettcar alias BA-Records nun einfach auf alle Bosse einen Dreck geben und die Sache selbst in die Hand nehmen, war das so einer. Ein Quäntchen Hoffung unter millionenschweren Promokampagnen. Ihr macht es nicht zu unseren Konditionen? Alles klar, das geht auch ohne euch!

Wer heutzutage zwei Majorangebote ablehnt und lieber alles selbst anpackt, dem gebührt Respekt. Aber Kettcar sind viel zu lange im Geschäft, als dass sie sich von irgendjemand verarschen lassen würden. "Nur Idioten Brauchen Führer" hieß es bei der inzwischen legendären Vorgängerband ... But Alive, mit der Mastermind Marcus Wiebusch (Gesang, Gitarre) und Drummer Frank Tirado-Rosales in den Neunzigern so ziemlich jeden ansprachen, der auf politischen Punkrock stand, aber mit Nieten, Kotze und Popperkloppen doch nicht wirklich etwas zu tun haben wollte. Intelligenz-Punk auf Gymnasialstufe ohne elitär zu sein, sozusagen.

Die Pop-Hinwendung der letzten und mit Abstand besten ... But Alive-Platte "Hallo Endorphin!?" (1999) ebnete den Hamburgern den Weg. Nimm das Beste vom Punk, hau hier und da noch ein bisschen Elektronik rein, verpacke das Paket als Pop und benenne es nach deinem liebsten (und immer noch coolsten) Spielzeug. Marcus Bruder Lars Wiebusch hilft da noch am Keyboard, Eric Lange an der zweiten Gitarre und Kettcar lebt. Auch der Deutsch-Rock-Einschlag stört hier nicht weiter.

2000 Mp3-Downloads, unzählige Kopien der ersten Mini-Gratis-CD samt unschlagbaren Titel "So Lange Die Dicke Frau Noch Singt, Ist Die Oper Nicht Zu Ende" und überquellende Clubs lügen nicht. Dass die ehemaligen Bands (Basser Reimer Bustorff war mit Marcus auch noch bei den Hamburger Ska-Brüdern Rantanplan) nicht ganz unschuldig am Szene-Hype ohne greifbaren Tonträger sind, leugnet ja niemand. Aber ganz ohne Qualität läuft auch nichts. Die neue Supergroup des deutschsprachigen Indierock kommt alles andere als leise, dafür aber überlegt langsam. Um so besser. Gewusst wie.

Am 28. Oktober 2002 erscheint das Album "Du Und Wieviel Von Deinen Freunden" mit elf Songs und dem Mut zur großen Geste. Von fünf Leuten aus Hamburg, die zu Elliott Smith kuscheln können, zu Fugazi saufen und gleichzeitig schreien.

Die Platte entwickelt sich wie erwartet zum Indie-Renner und so sind Kettcar im darauf folgenden Sommer gern gesehene Gäste auf sämtlichen Festivalbühnen der Republik. Fast nahtlos geht es weiter und 2004 stehen die Hamburger schon wieder im Studio, um den zweiten Coup "Von Spatzen Und Tauben, Dächern Und Händen" auf Spur zu bringen. Die Platte, auf der sich im Vergleich zum Vorgänger wenig geändert hat, erscheint im März 2005. Artikel über Kettcar erscheinen in jeder größeren Tageszeitung und sogar die Tagesthemen widmen sich dem neuen Album, das bis auf Platz 5 der Charts steigt.

Wenn nicht schon die Platzierung als Beleg genügt, dann kündigen zahlreiche ausverkaufte Konzerte vom Durchbruch der Band. Trotzdem lassen die "Pur für Alkoholiker" (dieses Zitat ziert die Werbung zum "Von Spatzen und Tauben...") drei Jahre ins Land gehen, bis das dritte Album erscheint. Hinter den Kulissen setzt Marcus Wiebusch derweil zum einmaligen Sprung auf die Kinoleinwand an.

Im Film "Keine Lieder Über Liebe" schart Jürgen Vogel die fiktive Hansen Band für eine fiktive Dokumentation um sich. Ganz real spielt hierzu eine Grand Hotel van Cleef-Supergroup (bestehend aus eben Wiebusch, Thees Uhlmann, Felix Gebhard und Max Schröder) ein Album ein und absolviert weitaus mehr Auftritte als ursprünglich geplant, bis hin zu einer Label-eigenen Festivaltour. Auf der seit Sommer 2006 stattfindende Fest van Cleef verdingen sich auch Kettcar, wenn schon nicht als Band, dann als Organisatoren.

August 2007 haben die Musiker genug Material zur Hand und begeben sich bis Januar 2008 in die Studios in Hamburg und Berlin, wo Swen Meyer, Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) und Tobias Siebert (Klez.e) an den Reglern Platz nehmen. Nach den bis dato ausufernden Albumnamen firmiert der dritte Langspieler unter dem weitestgehend bedeutungsfreien Titel "Sylt". Den Überbau zum roh und düster ausfallenden Album liefern die begeisterten Kritiker gleich hinterher.

Zur Veröffentlichung im April 2008 sollen Kettcar ursprünglich an vier Tagen vier verschiedene Bühnen Hamburgs bespielen. Doch dank der enormen Nachfrage werden daraus schnell acht Termine, darunter die inzwischen wohl obligatorische Fahrt auf der Elbe. Die folgenden Monate geht es durch die Clubs und auf die einschlägigen Festivalbühnen des Landes.

 
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