Porträt

laut.de-Biographie

form/prim

"form ist voll sehr gut und entzieht sich wirklich ziemlich stark einer Festlegung." Eine ebenso angemessene wie treffende Selbsteinschätzung, mit der sich form - stets klein geschrieben - vorstellt.

Bescheidenheit braucht kein Mensch, ein umtriebiger wie form gleich zweimal nicht. Sprache, Musik und was immer sich damit anstellen lässt heißen die Domänen, in denen sich der Mann aus Cottenweiler zu Hause fühlt.

"Alle sagen immer den Namen der nächstgrößeren Stadt, obwohl sie da gar nicht herkommen", so form gegenüber hiphopstuttgart.de. "Es ist halt einfach ein Unterschied, ob man aus Stuttgart oder Cottenweiler stammt." Cottenweiler, nur zu Orientierungszwecken, liegt etwa 30 Kinometer nordöstlich der schwäbischen Hauptstadt.

"Ich habe das Ziel, dass man form - wenn ich dort mal ein Urgestein bin - sofort mit Cottenweiler verbindet. ... Diese Aussage, dass die Stadt viel besser als das Land ist, kommt aber von Leuten, die genau die gleichen Bauern sind wie die, von denen sie sich distanzieren möchten." Mit seiner ländlichen Herkunft hat form, den das Studium später nach Mainz und seine Reisen einmal um die ganze Welt führen, so wenig ein Problem wie mit dem Vorwurf, ein "Gutmensch" zu sein.

"Yeah, Lieblingsthema!", freut er sich im Gespräch mit rap.de "Ein Gutmensch ist jemand, der/die Probleme mit Arschlöchern nicht nur hat, sondern diese auch noch ausdrückt und etwas dagegen tut. ... Geilo, dann bin ich halt ein Gutmensch, du Vollidiot. Wenn wir schon so weit sind, dass die Zusammenführung von 'gut' und 'Mensch' als Beleidigung benutzt wird, dann gute Nacht."

form artikuliert seine Meinung gerne und unverblümt, wettert gegen Engstirnigkeit, Dummheit, Ungerechtigkeit und Beschränktheit in all ihren Erscheinungsformen. Er prangert politische Missstände an, schimpft wahlweise auf das aberwitzige Bahnprojekt Stuttgart 21, Roland Koch oder "all die anderen Gartennazis".

Munter ruft er mit seiner Nummer "Und Sie Bewegt Sich Doch Nicht" zum Kirchenaustritt auf: "Es gibt auch atheistische Arschlöcher. Feier' ich halt auch nicht." Was er dagegen feiert: "den Realness-Gedanken am Rap. Deshalb finde ich es am besten, wenn jeder so rappt, wie er auch ist. ... Bei Kunst darf nix müssen. Jedoch finde ich es persönlich ganz interessant, wenn es um etwas geht, das in der Realität fußt."

Forms Realität hat verdammt viele Gesichter. Er veröffentlicht EPs, Alben, Instrumental-Projekte und Remixe, schreibt Musik Für Theaterstücke, Gedichte und Bücher, tritt bei Poetry Slams und Freestyle-Sessions auf, veranstaltet sein eigenes Festival, gibt das Magazin mit dem schönen Namen FICKO heraus und stellt Bilder aus.

Auch musikalisch lässt sich form nicht in eine Schublade sperren. Hardcore-Rap, minimalistische Instrumentals, Drum'n'Bass, Breakbeats, Volksmusik-Samples, Texte auf Deutsch, Schwäbisch oder Portugiesisch: alles drin. "form tut Dinge, die noch nie jemand mit Rap tat. Rap freut sich, denn Rap beschwert sich ja sonst immer über die fehlende Innovation."

Für die Fülle an Aktivitäten reicht ein Name nicht aus. form ist außerdem unter dem Alias prim aktiv: "'prim' kommt von meiner Überzeugung, dass alle Menschen zumindest das Potenzial dazu haben, eine unvergleichliche, unberechenbare, einzigartige Persönlichkeit zu werden", erklärt form - oder prim? - ausschweifend gegenüber rap.de. "Mich haben Primzahlen immer fasziniert und ich hätte gerne, dass alle Primzahlen werden, nur durch sich selbst und 1 teilbar und sehr freistehend in Q."

"Künstlerisch ist die Trennung jetzt so, dass form die lautstarke Megafonatombombe ist, extrovertiert und wahnhaft aufgedreht, prim jedoch leidet, trauert und weint. ... form schreit rum, prim sinkt in sich zusammen. Ich hätte gerne alles unter form prim veröffentlicht, zusammen ergibt der Name ja auch Sinn und ist symmetrisch, aber es ist ja offensichtlich jetzt schon schwer fürs Publikum, mitzukommen."

Um es noch etwas komplizierter zu machen, bringt form, prim oder form prim zusätzlich unter einem weiteren Namen genau das heraus, das selbiger behauptet: Musik für Menschen. Zusammen mit Koljah bildet er zudem die Crew Rechthabaz.

Rapper, Sänger oder doch Produzent? "Zum Texte schreiben muss man in der Stimmung sein. Beats bauen ist hingehen wie mit Legosteinchen spielen. Das geht immer. Aber 'Producer am Mic' ist etwas geiles, mit dem ich mich schon identifizieren kann."

Vergleiche mit Kinderzimmer Productions oder anderen Kollegen wischt der Halbfranzose vom Tisch: "Ich check' nicht, was die Leute meinen. Meine Beats sind komplett anders, mein Flow und der Inhalt ebenfalls. Außerdem wurde mir schon Ähnlichkeit zu Sentence attestiert. Und Curse! Und Fler. Weshalb nur?"

So untypisch und eigenständig sich seine Musik gestaltet, sein großes Ziel klingt dann doch wieder herrlich nach Hip Hop-Klischee: "Ich will unsterblich werden und ich will, dass meine Enkel mit mir angeben." Dann ist aber auch schon wieder Schluss mit den Stereotypen: "Außerdem ein Feature mit Chilly Gonzales, Helge Schneider, Maïa Vidal und Serj Tankian."

form, prim, form prim und Musik für Menschen besitzen bei allen Unterschieden eine gemeinsame Zielgruppe: "Alle Nestbeschmutzer, Gutmenschen und Gsichtsgedullahs. Menschen mit Humor, Liebe und Haltung. Die wissen, wann es angebracht ist, zu singen, zu tanzen oder zuzuschlagen."

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