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1995 erklären sich die Eltern von Stuart Price (der damals erst 17 Jahre alt ist) bereit, dessen Plattenvertrag mit Wall Of Sound zuzustimmen. Prices Nebenprojekt Les Rythmes Digitales ist es zu verdanken, dass er diesen Vertrag zunächst nicht erfüllen kann.
Damals tut Price so, als sei er Franzose und wird fortan als Jaques Lu Cont (wahrscheinlich unbeabsichtigt) mit den Vordenkern des französischen Elektropops in einem Atemzug genannt. Die Mahnungen vom Label türmen sich aber allmählich auf seinem Schreibtisch, weshalb seine Band Zoot Woman nach sechs Lehrjahren doch noch ihr erstes Album herausbringt.
In den Blake-Brüdern Johnny (Gesang, Jahrgang 1981) und Adam (Keyboards, Jahrgang 1977) findet Price perfekte Buddies, um seine Ideen zu verwirklichen. Diese speisen ihren Sound hauptsächlich mit minimalistisch-synthetischer Ästhetik der 80er Jahre, zapfen Inspiration bei New Order und wären wohl gerne mit Giorgio Moroder im Studio gewesen.
Stuarts Les Rythmes Digitales bilden für den polierten 80er-Pop einen fruchtbaren Nährboden, den Dünger für die Gewächse, die Human League, Erasure und Co. haben eingehen lassen. Dazu wwählt die Band ein visuelles Konzept zwischen Roxy Music, Spandau Ballet und Duran Duran. Airbrush-Makeup vs. Polyester-Tuxedo. Ultrafrisch und ultramodern wie Bryan Ferry-Klone.
Im Zusammenspiel erreicht die Band trotzdem einen äußerst sensiblen Konsens und klingt keineswegs steril. Ein Umstand, der auch an Johnnys Gesang liegt, der eine wohl dosierte Portion Soul in den Sound einbringt.
Bald wird Superstar Madonna auf Stuart Price aufmerksam. Die Queen of Pop engagiert den Soundtüftler als Chefmusiker. Mit ihr absolviert der Brite zwei Welttouren und unterzieht ihren Sound einer Frischzellenkur ("Confessions On A Dance Floor", 2005).
Zuvor kehren Zoot Woman 2003 mit dem Zweitling elegant konstruiert und auf den viel zitierten Punkt groovend zurück. Melancholischer, dafür abwechslungsreicher hält das Trio dem Erwartungsdruck mehr als Stand: auf der Bühne und im Club.
An der langen Wartezeit zwischen Zoot Woman-Alben ändert sich auch nach dem 2003er Werk nichts. Neben dem Madonna-Engagement verhilft Produzent Price auch Soulsänger Seal bei dessen Comebackscheibe "System". Erst Ende 2009 erscheint mit "Things Are What They Used To Be" schließlich der dritte Longplayer.
Die ständigen Star-Engagements ihres Kollegen Stuart ertragen die Blake-Brüder jedoch mit Fassung. Alle drei Zoot Womanizer betonen stets, dass eine raschere Veröffentlichungspolitik ja nicht automatisch qualitativ hochwertigere Ergebnisse mit sich brächte. Zudem sei man nach längerer Band-Auszeit heißer denn je auf die Arbeit.
2001 schlagen sie mit ihrem Song "Living In A Magazine" genau in die Kerbe des 80s-Revivals. Auch wegen ihres glamourösen Auftretens werden sie schnell als Retro-Act abgestempelt und mit Bands wie New Order, Human League oder Duran Duran verglichen.
2003 melden sie sich zurück, um es allen zu zeigen: Ihr Zweitling "Zoot Woman" strotzt nur so vor Eigenständigkeit und erhält durchweg positive Kritiken. Zwar sind die Einflüsse des 80s-Pop unverkennbar, jedoch recyclen Zoot Woman nicht einfach frühere Erfolgskonzepte, sondern kreieren gepaart mit Songwriting im Indierock-Schema ihren ganz eigenen Style. Wir sprachen mit Zoot Woman am Rande ihres Konzertes in der Roten Fabrik in Zürich.
Ihr seid das erste Mal in der Schweiz?
Adam: Nein, wir haben schon vor zwei Jahren ein paar Gigs hier gespielt.
In Zürich?
Adam: Einen in Zürich, einen in Fribourg. Aber das war, bevor unser zweites Album erschienen ist, weswegen das Set um einiges kürzer ausfiel. Die Fans hatten größere Erwartungen, aber wir konnten nicht viel länger als eine halbe Stunde spielen. (lacht beschämt)
Habt ihr damals in größeren Hallen gespielt?
Adam: Nein, das war alles etwa die selbe Größe wie hier.
Bereits lange vor eurem Debütalbum hattet ihr einige Songs, die jedoch niemals veröffentlicht wurden. Kannst du mir sagen, warum? Ich habe mir mal einen aus dem Internet heruntergeladen, und muss sagen, er gefiel mir ganz gut.
Adam: Wie ist denn der Name des Songs?
"You Got the Bread".
(Stuart und Adam lachen, und sogar Johnny, der sehr müde wirkt, taut etwas auf)
Stuart: "I Got The Bread"!
Adam: Tatsächlich wurde dieser Song veröffentlicht, auf einer CD namens "Chasing Cities". Aber viele der Songs die wir schrieben, bevor Johnny als Sänger in die Band kam, wurden nicht releast.
Die Songs auf "Living In A Magazine" unterscheiden sich aber doch sehr stark von diesen früheren Produkionen.
Adam: Wir wollten nicht, dass Zoot Woman mit diesen 'Klang-Collagen' an den Start geht. Wir legen Wert auf klare Song-Strukturen. Dies ist auch der Grund dafür, dass es nach diesen ersten Gehversuchen noch so lange dauerte, bis "Living In A Magazine" herauskam.
Mit eurem zweiten Album ist das nicht anders. Der Stil hat sich wieder stark verändert. Im Vergleich zu den vielen 80s-Pop Anleihen des Vorgängers wirkt euer Zweitling mehr wie ein Indie-Rock Album.
Adam: Diese Entwicklung ergab sich wohl dadurch, dass wir 2001 sehr viel live unterwegs waren. Unsere Erfahrungen von damals haben wir in das neue Album eingebracht. Es ist uns sehr wichtig, dass man uns als Live-Band sieht. Wir touren daher nur noch zu dritt, also nur die Leute, die auch für das Album verantwortlich zeichnen. Wir wollen keine Sessionmusiker mehr auf der Bühne. Wir denken es funktioniert ganz gut so, mit mir an den Drums, Stuart am Bass und Johnny an der Gitarre. Also ziehen wir es durch.
Warum seid ihr eigentlich immer noch bei "Wall Of Sound"?
Stuart: Good Question! (Alle lachen)
Meint ihr, euer Sound passt wirklich in das Konzept dieses Labels?
Stuart: Wir gingen zu Wall Of Sound, weil sie unseren Plattenvertrag unterschrieben. Für uns ist die Plattenfirma vollkommen unwichtig. Wir nahmen unsere Platten schon immer in unserem eigenen Studio auf, kreierten unser eigenes Image. Alle Entscheidungen liegen bei uns selbst. Die Plattenfirma übernimmt letztlich nur die Organisation der Musik, Bookings, Vertrieb. Ich denke, keiner von uns sieht mehr oder weniger in ihr als das.
Adam: Ich denke, im Grunde ist es ganz egal, ob du auf einem Independent- oder einem Majorlabel erscheinst. Da Wall of Sound Independent ist, hatten wir mehr Freiheiten, das zu tun, was wir tun möchten. Es ist ein bisschen ein Klischee, wenn man sagt, Independent sei gleichbedeutend mit Freiheit. Aber bei Wall Of Sound ist das wirklich so. Wir können machen, was wir wollen, und sie schauen, dass sie mit dem Ergebnis etwas anfangen können.
Es gibt keine so offensichtlichen Hit-Singles wie "Living In A Magazine" auf dem neuen Album, war das beabsichtigt?
(Alle lachen, machen sich lustig über meine Frage)
Stuart: War das vorsätzlich? JA!
Adam (ironisch): Wir haben uns all die Hits für das dritte Album aufgespart ...
Wie verläuft bei euch der Songwriting-Prozess?
Stuart: Sehr individuell, wirklich. Wir sind anfangs nie gemeinsam im Studio. Erst gegen Ende des Songwritings kommen wir zusammen. Ganz einfach, weil wir unseren eigenen Freiraum brauchen, um kreativ zu sein. Später kommen wir dann zusammen, um den Song fertigzustellen.
Stuart, was ist mit deinem Soloprojekt "Les Rhythmes Digitales"? Arbeitest du auch daran? Wird es vielleicht bald ein neues Album geben?
Stuart: Ja. Ich werde demnächst auch mit einem weiteren Soloprojekt starten. Ich bin mir noch nicht sicher über den Namen. Ich tue das, da ich persönlich gerne Dance-Music mache, Musik, die mehr auf die Clubs ausgerichtet ist. Zoot Woman verarbeitet zwar auch Elemente der Dance-Music und bringt sie in den Kontext einer Band - gerade das macht für mich auch den Reiz aus - ein Loop wird live performt von einer Band, mit all der Dynamik, die von dieser Band ausgeht. Das macht es für mich aufregend. Aber mein Solomaterial basiert sehr stark auf elektronischen Sounds.
Du hast Madonna auf ihrer "Music"-Tour begleitet. Wie war die Arbeit mit ihr?
Stuart: Das ist jetzt wirklich bereits eine Weile her. Aber es war gut. Es war alles sehr groß angelegt. Es ist eine ganz andere Größenordnung als unsere Auftritte mit Zoot Woman. Aber ich gebe keinem von beiden den Vorzug. Beides hat seine guten und seine schlechten Seiten.
Gab es damals einen Zeitpunkt, an dem die Zukunft Zoot Womans gefährdet war?
Stuart: Vielleicht gab es ihn. Aber wir sind stark genug, um nicht gleich auseinander zu brechen, nur weil wir etwas länger getrennt sind.
Zoot Woman wird aber immer dein wichtigstes Projekt sein, oder?
Stuart: Ja, sicher. Zoot Woman ist das am längsten bestehende Projekt, bei dem ich mitwirke. Es ist aber nicht die Frage, was für mich am wichtigsten ist. Zoot Woman ist nie in Gefahr, beendet zu werden. Dazu müssten Impulse von außen kommen. Vielleicht durch Johnnys Soloprojekte. (grinst)
Hast du denn irgendwelche Soloprojekte, Johnny?
Johnny (sehr ironisch): Oh, ja, sicher. (alle lachen) Nein - mit der Scheiße habe ich nichts zu tun. Bei unseren letzten zwei Alben habe ich mich sehr auf die Arbeit mit Zoot Woman konzentriert. Ich hatte sehr viel Spaß an meiner Arbeit als Texter und auch als Sänger.
Wie ist es denn für euch als Brüder, gemeinsam in einer Band zu sein?
Manchmal ist es hart. Die ganze Zeit zusammen sein zu müssen auf Tour. Hast du einen Bruder oder Schwester?
Ich habe einen jüngeren Bruder. Und wir hatten viel Ärger in der Vergangenheit. Deswegen frage ich.
Man versucht, die Dinge weniger persönlich zu sehen. Professionell zu sein. Irgendwann geht dir jeder mal auf den Keks, mit dem du längere Zeit auf Tour bist. Man lebt eben sehr dicht beieinander, living in each others pockets. (alle lachen)
Wäre das nicht ein toller neuer Songtitel, "Living In Each Others Pockets" ...
Stuart, Adam (singen): Living in each others pockets ... (lachen)
So, ich denke das wars dann auch. Wir müssten genug haben.
Stuart: Cool.
Danke für das Gespräch.
Das Interview führte Andreas Hierling.
Sie zählen seit Jahren zu den angesagtesten Live-Acts der Techno-Szene: Der Dritte Raum alias Mastermind Andreas Krüger sowie Live-Co-Pilot Ralf Uhrlandt. Mit feinem Gespür für den richtigen Groove ist Der Dritte Raum zu einem sicheren Booking geworden, wenn das Motto "Party galore" heißt.
Nicht anders war es am 1. Dezember in Zürich, wo die beiden das ausverkaufte Rohstofflager rockten, dass das Kondenswasser von der Hallendecke regnete. Nach zwei Stunden Hoppeln, Knöpfchen drehen und mehreren Litern Flüssigkeitsverlust nahmen sich Andreas und Ralf zu frühmorgendlicher Stunde noch Zeit, um mit LAUT über ihren Hit "Hale Bopp", das gegenwärtige 80er Revival und ihr besonderes Verhältnis zum Safri Duo zu plaudern.
Seid ihr zufrieden wie der Auftritt heute gelaufen ist?
Andreas: Ja, aber es gab ein Problem mit dem Mischpult. Das war ein bisschen ärgerlich.
Habt ihr alle Songs spielen können, oder musstet ihr welche weg lassen auf Grund der Probleme?
Andreas: Ja, wir haben einen Track weggelassen. Einige haben wir auch ein bisschen kompakter ablaufen lassen. Wir können das auch immer ein bisschen anpassen. Je nach dem wie es so ankommt.
Wieviel Freiraum habt ihr bei den einzelnen Stücken. Gibt es da eine feste Reihenfolge?
Andreas: Die Reihenfolge ist natürlich ein wesentlicher Faktor. Aber dann hängt das eben auch von der Geschwindigkeit ab. Wenn ich ein Stück schneller abspiele, macht das bei manchen Stücken sehr viel aus. Die wirken dann einfach härter. Und dann kommt es natürlich darauf an, was man in den Vordergrund mixt.
Arbeitet ihr mit einer Setlist?
Andreas: Nein, die Reihenfolge ist jedesmal anders. Das ist auch gar nicht abgesprochen. Ich weiß dann auch manchmal gar nicht was als nächstes kommt.
Es ist also immer mit Überraschungen zu rechnen.
Andreas: (lacht) Ja, grob sprechen wir darüber. Über ein zwei markante Stücke, ob die eher vorne oder eher hinten kommen und womit wir anfangen. Aber ansonsten ist eigentlich alles offen. Habt ihr mal darüber nachgedacht, euren Back Catalogue bald wieder auf Vinyl zu veröffentlichen?
Andreas: Das ist ein bisschen schwierig. Ich fände es eigentlich auch ganz gut und vielleicht werden wir's irgendwann auch mal durchboxen. Aber für solche Experimente ist Virgin einfach die falsche Plattenfirma. Virgin, und überhaupt die Majors leben eben vom CD-Verkauf. Vinyl macht Ärger und bringt kein Geld. Vinyl läuft als Promotion. Mit Vinyl verdienst du nichts.
Ich fände es geil, wenn mehr Vinyl gemacht werden würde, aber es ist halt schwierig. Wir arbeiten genau an dem Problem und für das nächste Release sind wir auch am Überlegen ob wir nicht den Vertrieb wechseln sollen, um mal ein paar Sachen zu ändern. Das ist echt ein bisschen störend. Ich habe das auch schon von vielen Leuten gehört. Es gibt halt teilweise zu wenig Vinyl. Und die Leute in der Dance- oder DJ-Szene wollen eben Platten.
A propos Platten. Wann kommt denn eure neue Platte?
Andreas: Es gibt noch kein Datum. Ich arbeite gerade daran. Und wenn alles gut läuft ... Wir hatten geplant, dass sie im Frühjahr fertig wird und dann auch rauskommt. Aber genau kann ich das noch nicht sagen. Ich sag jetzt einfach mal so Februar, März, April, Mai, Juni. So grob. (lacht)
Gibt's schon einen Titel für die neue Platte?
Andreas: Nee, aber es gibt ganz viele Stücke. So in Loop-Versionen. Einige sind auch schon ein bisschen weiter ausgefeilt. Ein paar haben wir heute auch gespielt. Ein paar housige Nummern. Die waren von der neuen, von der aktuellen Produktion.
Ralf: Es gibt noch was anderes. Das hat nicht unbedingt mit dem Dritten Raum zu tun. Aber im Januar kommt noch 'ne Platte. Wir haben ja noch ein paar andere Projekte. Und eines heißt Index ID. Da kommt im Januar ein neues Album mit dem Titel "Expedition". Das wäre so der nächste Stichtag.
Helft ihr euch denn gegenseitig bei euren Produktionen?
Ralf: Nee, das läuft eigentlich schon getrennt. Jeder schnuppert zwar mal beim anderen rein. Hört und guckt mal was so passiert. Aber im Grunde läuft das strikt getrennt ab. Jeder lebt seinen Film durch. Jeder hat ja auch so seine eigenen Macken und wir bieten dem anderen dann eher ein Forum. Nach dem Motto: "Hast du nicht noch Lust, ein Stück für meine Platte zu machen?", um vielleicht noch ein bisschen was anderes mit reinzubringen, einen anderen Charakter.
Gibt es auch ab und zu gemeinsame Auftritte?
Ralf: Ja, aber heute war ein reiner Dritter-Raum-Tag. Wir waren vor zwei Jahren mal im Matrix (Züricher Club, Anm. d. Red.), da hatten wir so einen gemischten Auftritt von Der Dritte Raum und Index ID. Und in den letzten Wochen waren zwei Termine dabei, da haben wir auch so ein gemischtes Ding zwischen dem Dritten Raum und dem Index ID Live Act gemacht. Das hat auch ganz gut geklappt. Es ist ja schon ziemlich artverwandt.
Wie werden denn die neuen Stücke vom Dritten Raum aussehen? Wieder mit gebrochenen Beats wie sie auf eurem letzten Album "Distanz" angeklungen sind?
Andreas: Nein, die wird clubbiger werden. Ich glaub' die wird ... ich kann's noch nicht genau sagen. Wie gesagt, viele Sachen sind noch in der Entwicklung. Modernere Beats eben und etwas clubbiger, aber schon mit typischen House- oder Technoelementen, die man so kennt. Es wird sich eher am Live-Act orientieren.
Ich habe auf eurer Homepage gelesen, dass ihr auch DJ-Sets macht (beide lachen). Ist das was Neues oder gibt's das schon länger?
Andreas: Das ist eigentlich nur so just for fun. Also der Ralf macht das schon länger, hat dann aber irgendwann wieder damit aufgehört. Und ich hab auch ganz, ganz früher mal ein bisschen aufgelegt, allerdings war das noch vor Techno. Das war noch Wave-Disco (lacht). Ich hab' da so EBM-Sachen aufgelegt. Aber nicht auf Beat gemixt. Das gab's damals noch nicht. War noch nicht so angesagt. Na egal, auf alle Fälle hab' ich letztens wieder angefangen. So vor einem Jahr, da hatte ich irgendwie Bock drauf.
Und jetzt leg ich gelegentlich mal so auf, mit CD Playern und mixe auf Beat, so gut es mir gelingt. Ich habe viele umgeschnittene Versionen, deshalb die Geschichte mit den CD-Playern. Das ist für mich der direkteste Weg. Ich kann mir eben Stücke aussuchen, die ich eigentlich gerne auflegen möchte. Dann suche ich mir schon so spezielle Sachen raus, die nicht jeder spielt: Ein richtig trashiges Set. Ich schneide mir die Stücke im Rechner ein bisschen zusammen, spiele was dazu, nehme Sachen raus, mache irgendwas länger. Und brenn mir die dann wieder auf CD, um damit zu mixen.
Sind das dann Tracks vom Dritten Raum?
Andreas: Nein gar nicht. Das sind total verschiedene Sachen. Also die letzten beiden, die ich umgeschnitten habe, waren ein Yello Stück und eines von Mouse On Mars. Wenn man so obskure Sachen ein bisschen umschneidet und verlängert, dann kann man die richtig cool mixen. Das ist ganz witzig. Das macht voll Bock. Aber ich will jetzt hier keinen auf DJ machen.
Wie ist denn euer Verhältnis zum Safri Duo, das ja gerade mit so einem ähnlichen Track wie "Trommelmaschine" in den Charts ganz groß abräumen?
Andreas: Zu Safri Duo haben wir eine ganz spezielle Geschichte, nicht Ralle? (beide lachen)
Ralf: Ja, da haben wir eine ganz spezielle Geschichte.
Andreas: Safri Duo hab ich gekannt ... also die ganze Geschichte ist ein bisschen länger. Speziell zu Safri Duo: die Musik finde ich fürchterlich. Horror. Das ist eine total billige Manta-Rave-Klang-Collage. Was ich halt ganz cool finde, ist die Art wie sie live auftreten. Die trommeln beide echt geil. Da kann man nichts sagen. Wir hätten mit denen mal ein Live-Set spielen sollen, dazu aber gleich mehr (Ralf lacht). Ich habe irgendwann deren Live-Set im Fernsehen gesehen und da haben die halt so herum getrommelt. Das war total geil. Ich dachte: was ist das denn? Und irgendwann kamen dann diese Rave-Fanfaren. Oh mein Gott, der ganze Rummelzauber ... und alles war kaputt.
Und wir hatten irgendwann einmal in Holland, man könnte sagen, es war eigentlich ein Fehlbooking. Da hätten wir mit denen auf so einer Rave-Veranstaltung zusammen spielen sollen. Wir sind also dort angekommen, haben unser Equipment hinter die Bühne geschafft und haben uns dann erstmal ein bisschen diese Party angeschaut. Und vor uns waren eben Safri Duo dran. Die hatten gerade angefangen, aber das war einfach nicht zu ertragen. Wir waren ... wie kann man das nennen? Beschämt?
Ralf: Ja, beschämt!
Andreas: Und enttäuscht ... Wir haben unsere Sachen gepackt und sind wieder abgehauen. Wir sind nicht aufgetreten. Das war uns einfach zu peinlich. Das hätten wir nicht machen können. Wir waren, ich würde sagen, einfach zu stolz. Auf solch einer Veranstaltung mit diesem Affensound noch dazwischen zu stehen und richtig Musik zu machen, das war mir einfach zu assig. Es gab dann aber einen Riesenärger.
Ralf: Aber es hat auf alle Fälle Akzente gesetzt.
Andreas: Es hat Akzente gesetzt und das hat vor allem dazu geführt, dass wir keine Anfragen für Kommerz-Trend-Raves mehr bekommen. Endlich. Wir hatten ja mit "Hale Bopp" schon einen kleineren Erfolg. Dadurch sind halt Leute auf den Dritten Raum gekommen, die sonst mit der Musik nichts am Hut haben und die auch etwas völlig anderes erwarten. Diese Safri Duo-Geschichte war halt der Höhepunkt und auch die vorerst letzte Veranstaltung dieser Art. (beide lachen)
Es hat euch aber nicht gestört, dass die sich soundtechnisch so dicht an euch angelehnt haben?
Ralf: Du meinst wegen der Trommeln?
Ja genau.
Ralf: Ach nee, das stört uns nicht. Da gibt es viele Stücke, die so ähnlich klingen.
Andreas: Nö, da bin ich jetzt gar nicht drauf gekommen. Es ist ja auch anders gemacht. Die haben halt irgendeinen Produzenten, der die Sachen für die macht und die beiden stellen sich dahin und trommeln ein bisschen rum. Und das ist eben was völlig anderes.
Hat euch der Erfolg von "Raumgleiter" und "Hale Bopp" eigentlich überrascht oder habt ihr euch schon beim Einspielen gedacht, dass das ein Hit werden könnte?
Andreas: Nein, das hat micht echt gewundert. Ich hatte witzigerweise auf ein ganz anderes Stück gesetzt. Das war das "Tagnachtlied". Ich hätte eher gedacht, dass das bekannt wird. Aber das ist total untergegangen. Der Klaus wollte das ja eigentlich auch auf seinem Label rausbringen, weil der total darauf abgefahren ist. Das ist dann aber eben ganz anders gekommen. Die "Hale Bopp"-Melodie ist halt schon speziell, dieser Sequenzerlauf und so.
Aber im Grunde genommen ist es vom Sound her überhaupt nicht so richtig clubkompatibel, da die Sounds total dünn sind. Es sollte ja eigentlich so 70er Jahre mäßig klingen, wie alte Jean Michel Jarre- oder Giorgio Moroder-Sachen mit 'ner pappigen Bassdrum. Da sind auch so dünne Plastik-Stringsounds drauf. Und das hat mich schon gewundert, dass das dann so gespielt wird, weil es eigentlich nicht ravekompatibel ist. Na ja, so kann's kommen. (lacht)
Was meint ihr zum gegenwärtigen 80er Revival?
Ralf: Echt, findet da so was statt?
Na, es wird zumindest von vielen herbei geredet.
Andreas: Also generell find ich's eigentlich ganz geil, dass solche Styles wieder aufgegriffen werden. Zum Teil kommen auch echt interessante Sachen dabei raus. Aber, wie es halt immer so ist, das was kommerziell bekannt wird ... Dieses "I wear my sunglasses tonight", das kennt ihr doch bestimmt? (singt: "Sunglasses At Night" von Tiga & Zyntherius)
Das ist so ein uralter komischer Hit und der kommt jetzt halt als 80er-Retro-Techno-Version raus. Aber das meiste ist eben total billiger Kirmes-Dorf-Disco-Trash. Da ist mal wieder ein bisschen was nach hinten losgegangen. Aber es kommen dazwischen auch coole Sachen raus. Zoot Woman sind zum Beispiel einfach göttlich.
Klingt das ein bisschen nach Ladytron?
Andreas: Ja, aber die finde ich jetzt nicht so gut. Das ist mir einfach zu kitschig und die Sounds sind mir auch einfach zu platt. Das kann ich zum Beispiel überhaupt nicht ausstehen ... In den wirklichen 80ern fand ich das schon immer zum Kotzen. Dieser Oktavsprungbass: dummpahh, dummpahh, dummpahh, dummpahh. Irgendwie ist das in den Augen der 80er-Retro-Revival-Leute das 80er Merkmal überhaupt. Somit kommen fast alle 80er-Revival-Bands mit diesem blöden Oktavsprungbass. Der Relaunch eurer Homepage ist gerade in Arbeit. Könntet ihr euch auch vorstellen, Soundvorlagen auf die Seite zu stellen, die die Fans dann bearbeiten können?
Andreas: Ja, so etwas soll auf der neuen Seite erscheinen. Es gab ja auf der alten Seite auch so einen Download-Bereich, wo man sich die Songs runterladen konnte. Und das wollen wir in abgespeckter Form jetzt auch wieder machen. Die Plattenfirma hat's zum Glück noch nicht mitgekriegt (lacht). Plattenfirmen mögen sowas nicht besonders, deshalb muss man das immer so ein bisschen verstecken. Dieses mal soll's auf jeden Fall auch Midi-Files aus dem Archiv geben. Ich habe nämlich mein Archiv mal ein bisschen aufgeräumt und manches von dem möchte ich gerne auf die Seite stellen.
Vielen Dank für das Interview!
Mit Neuigkeiten eher vorsichtig, dafür mit Musik, Videos, Merchandise ...
http://www.zootwoman.com/
Johnny Blake akustisch vorm Wiener Narrenturm.
http://theyshootmusic.at/posts/zoot_woman
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Zoot Woman? BzR |
100 |
22.09.09, 19:00 Getuppo |
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Songtext in deutsch von "Losing Sight" Florismum |
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06.05.09, 08:31 Florismum |
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