Porträt

laut.de-Biographie

Thomas Brinkmann

Die Kunst liegt Thomas Brinkmann am Herzen, vielleicht sogar im Blut. Student an der Kunstakademie in Düsseldorf bis zu seinem vorzeitigen Ausschluss, experimentierfreudiger Musiker, versierter Produzent und ideenreicher Konzeptkünstler sind vielleicht die wichtigsten Ausformulierungen seines kreativen Outputs.

Damit hat er sich in der elektronischen Musik einen derart guten Namen gemacht, dass beispielsweise auch Depeche Mode bei ihm mit einer Remixanfrage anklopfen und er von Richie Hawtin für die Variationen seiner "Concept-Series" großes Lob erhält.

Dem kanadischen Minimal-Papst Hawtin sind Brinkmanns Tracks ideell durchaus verbunden. Neben einer reduzierten Soundästhetik gehört das Experimentieren und Umfunktionieren von Produktionsmaschinen zum festen künstlerischen Vokabular von sowohl Hawtin wie Brinkmann. Der eine entwickelt seine eigene Software, der andere bastelt sich seine Plattenspieler. Auf denen spielt er Tracks von Kompakt-Gründer Wolfgang Voigt versetzt ab und verschafft sich mit den sogenannten "Studio 1-Variationen" international Gehör.

Geboren im rheinischen Mönchengladbach, kann sich Thomas Brinkmann zwar für Human League, Tangerine Dream oder Kraftwerk begeistern. Die lärmenden Sounds des Punk bleiben dem Tüftler und Bastler jedoch fremd, auch wenn er später an den Drums sitzt und von der Experimental-Legende Jaki Liebezeit Lektionen erhält. Weit größeren Einfluss auf Brinkmanns eigene Produktionen haben die schwarzen Musikstile Funk, Soul und Rare Grooves, für die er sich Ende der 80er im Soul Center-Club in Mönchengladbach begeistert.

Dort arbeitet er zunächst als Designer, bevor er über Aufenthalte in Italien und Frankreich zur bildenden Kunst findet. An der Kunstakademie in Düsseldorf, wo auch Joseph Beuys lange Jahre lehrt, beschäftigt er sich vor allem mit den kunstbezogenen Wissenschaften. 1996 verweigert ihm eine Kommissionsentscheidung die Fortführung des Studiums. Ein langwieriger Prozess folgt, den Brinkmann 2002 schließlich für sich entscheiden kann. Zu diesem Zeitpunkt hat seine Karriere als Musiker bereits derart an Fahrt gewonnen, dass eine Rückkehr in den akademischen Betrieb für ihn nicht in Frage kommt.

Brinkmann betreibt die eigenen Labels Max, Ernst und Maxernst. Er veröffentlicht unter seinem eigenen Namen, sowie unter dem Pseudonym Soul Center und gehört neben Pole und Mike Ink. zu den großen Namen des deutschen Minimal-Dub. Sein 2000er Release "Klick" reduziert die Tracks gar zu einzelnen Loops. Eine Idee, die weder auf Kompakt noch bei Mille Plateaux auf offene Ohren stößt, so dass der Macher Brinkmann sie kurzerhand auf seinem eigens dazu ins Leben gerufenen Label Maxernst veröffentlicht.

2005, nachdem die Synthie-Ikonen Depeche Mode einen ihrer Tracks von Brinkmann als Remix abholen, erscheint mit "Lucky Hands" ein für seine Verhältnisse ungeheuer poppiges Album. Über weite Strecken tanzbar und mit Vocals unter anderem von Morrissey zeigt Brinkmann, dass ihm das Image des verkopften Produzenten viel zu eng ist. Lockeres Arschwackeln ist hier Pflicht, wie Brinkmann auch selbst findet.

Drei Jahre später dominieren dunklere Töne das Brinkmann-Release "When Horses Die ...". Das Album greift auf bluesige Einflüsse zurück und interpretiert sie elektronisch. Das Ergebnis ist eine düstere Mischung, die irgendwo zwischen Nick Cave, Nine Inch Nails und dem bisherigen Schaffen von Brinkmann anzusiedeln ist.

Alben

Thomas Brinkmann - Lucky Hands: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Lucky Hands

Kritik von Daniel Straub

Entführt Morrissey und Django Reinhardt in den Club. (0 Kommentare)

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