Porträt

laut.de-Biographie

The Fiery Furnaces

Abkürzungen sind manchmal ja schon toll. Im Musikbereich kennen wir zum Beispiel QOTSA, längst im täglichen Sprachgebrauch angekommen ist auch TAFKAP. Neben diesen Akronymen gibt es aber auch kürzere Dinger wie RW oder FF. Letzteres steht seit Frühjahr 2004 für die in ganz Kontinentaleuropa massivst abräumenden Franz Ferdinand. Dass die Amis der Fiery Furnaces den Schotten das "FF" bald streitig machen, ist anhand des obskuren Soundcocktails des Duos eher fragwürdig.

Die Band besteht aus dem Chicagoer Geschwisterpaar Eleanor und Matthew Friedberger, das im November 2000 erstmals öffentlich in Erscheinung tritt. Live ergänzt durch die Kollegen Toshi Yano and Andy Knowles, geben die Friedbergers in jenem Jahr im New Yorker Enid's ihr Live-Debüt und stoßen mit ihren extravaganten Klängen bald auf aufgeschlossene Ohren. Das musikalische Talent liegt in der Familie: Oma Friedberger verdingte sich als Chorleiterin einer griechisch-orthodoxen Kirche in Oak Park, Illinois, der Heimat der Fiery Furnaces, und Mutti kann sowohl singen, als auch Gitarre und Klavier bedienen. Der deutsch klingende Name der beiden geht übrigens auf die jüdische Abstammung ihrer Vorfahren zurück.

Dass den Sprösslingen eine gemeinsame musikalische Zukunft bevor steht, ist zunächst wenig wahrscheinlich. Stichwort: Pubertät. Matt, Jahrgang 1971, und die vier Jahre jüngere Eleanor liegen sich ständig in den Haaren, er hört tagein tagaus nichts als The Who, sie hört Led Zeppelin. Erst nach einer räumlichen Trennung hört Matt auf, sich ständig nur über seine Schwester lustig zu machen.

Während er an der University of Illinois in Urbana-Champaign erfolglos Kurse besucht, bereist Eleanor mit ihrer Mutter Europa und findet großen Gefallen an Süd-Frankreich, Griechenland, Italien und natürlich London, wo sich beide für ein Jahr häuslich einrichten. Kurz vor der Jahrtausendwende treffen sich die Drei in Brooklyn wieder, wo die Karriere der Fiery Furnaces ("Die glühenden Hochöfen") ihren Anfang nimmt. Matt lässt seine Keyboards bis zum Anschlag orgeln oder zupft die Gitarre und auch seine Schwester nimmt die Klampfe in die Hand, konzentriert sich aber vor allem auf den Gesang.

Nach einigen Solo-Auftritten spielen sie u.a. mit Sleater Kinney und The French Kicks zusammen, bevor sie 2002 das Interesse des Rough Trade-Labels hervor rufen. Das als Demo aufgenommene Debütalbum "Gallowsbird's Bark" mit ersten Song-Experimenten erscheint ein Jahr später. Im musikalischen Kosmos des Duos scheint erlaubt, was gefällt: uralte Moog-Synthies stehen gleichberechtigt neben Klaviersquenzen, zarte Akustikgitarren treffen auf fiese E-Gitarrensoli. Als wäre dies nicht genug, braut sich über dem Ganzen meist ein Unwetter böser Mollakkorde zusammen. Eine Art Avantgarde Electronic Folk für besonders Aufgeschlossene.

Diesem Rezept bleiben die Fiery Furnaces auch 2004 für "Blueberry Boat" treu, ein Konzeptalbum, das nun auch in Europa einige Wellen schlägt. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Auftritte mit Wilco, The Shinsund - aha! - Franz Ferdinand. 2005 bringen Matt und Eleanor "Rehearsing My Choir" heraus, ein 'Dialog-Album' mit der Großmutter. Eleanor drückt darauf die Hoffnungen junger Menschen aus, während die 83-jährige Oma Friedberger für die Enttäuschungen zuständig ist, die der Mensch mit zunehmendem Alter erfährt. Ihr viertes Album heißt "Bitter Tea" und erscheint 2006.

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