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"We're still a punk band, we still play punk music, and we still hate you", verteidigt Distillers-Sängerin Brody Dalle ihr drittes Album "Coral Fang" im Jahr 2004. Kritiker und Fans betrachten dieses Werk eher als Mittelding zwischen Ausverkauf und Klassiker, den Distillers beschert es jedoch trotzdem einige Aufmerksamkeit. Ob dafür jetzt eher die großartige mediale Ausschlachtbarkeit von Brody Dalles Leben oder die musikalischen Qualitäten ihrer Band verantwortlich sind, bleibt eine Streitfrage.
Brody Dalle ist jedenfalls ein gefundenes Fressen für die Presse. Ihr rotziges Riot-Girl-Image hat das Skandal-Kaliber einer Courtney Love (mit der sie neben Kosmetik auch noch stimmliche Ähnlichkeiten teilt), und auch ihr Privatleben gibt einige gute Stories her.
Als Dalle 1995 in ihrem Heimatland Australien mit ihrer damaligen Band Sourpuss bei einem Festival auftritt, lernt sie Tim Armstrong kennen, seines Zeichens Sänger der US-Punker Rancid, und verliebt sich prompt in ihn. Mit nicht mal 17 Jahren zieht sie zu ihm nach Los Angeles und schreibt dort weiter ihre eigenen Songs. Die sind natürlich tief im Punk verwurzelt. Hingerotzter Gossenpunk in der Tradition von den Circle Jerks oder, wie Brody immer wieder betont, von ihrer Lieblingsband Discharge. Eine britische Hardcore-Band, die in den frühen Achtzigern ihr Unwesen trieb, und deren Sänger Kevin Morris Brody mit seiner Stimme nachhaltig beeinflusste.
Zu einer richtigen Band bringt es Brody erst 1998, als sie beim Arbeiten durch die gemeinsame Liebe zu schnellem Punk-Rock die Bassistin Kim Chi kennen lernt. Aus Detroit holen die beiden noch Gitarristin Rose Capser und Drummer Matt Young, um die Distillers zu gründen. 2000 erscheint dann ihr erstes selbstbetiteltes Album auf Epitaph Records. Brody, inzwischen mit Tim Armstrong verheiratet, gibt dort ein geballtes Package an In-You-Face Punk-Rock ab.
Noch im selben Jahr veröffentlichen die Distillers ihr zweites Album "Sing Sing Death House", das wieder in dieselbe 70ies/80ies-Punk-Kerbe haut. Am Mischpult sitzt kein geringerer als Bad Religion-Gitarrist und Epitaph-Gründer Brett Gurrewitz. Auf dem Epitaph-Unterlabel Unterlabel Hellcat, das wiederum das Label von Rancid ist, erscheint die Platte. Brody hat es also endgültig geschafft in die Musiker-Welt aufgenommen zu werden. Vom kaputten Street-Kid aus Australien, das sich mit Drogen voll pumpte, wurde sie zum Szene-Darling der kalifornischen Punk-Szene. Voll integriert in die Musiker-Szene gelingt den Distillers mit dem Song "Seneca Falls" zwei Jahre nach Release plötzlich ein mittlerer Hit. Das dazugehörige Album "Sing Sing Death House" wird deshalb noch einmal wiederveröffentlicht.
Inzwischen haben die Distillers aber einen heftigen Personal-Wechsel hinter sich. Vom einstigen Line-Up ist nur noch Brody Armstrong übrig. Matt und Kim verließen die Band, um gemeinsam zu den Original Sinners überzulaufen. Und auch Rose Casper dreht Brody den Rücken zu. Brody rekrutiert sich schnell neues Personal: den Bassisten Ryan Sinn, Gitarrist Tony Bradley und Drummer Andy Granelli, der vorher bei den Nerve Agents auf die Trommeln einschlug. Das neue Bandgefügte nimmt mit Top-Produzent Gil Norton (Foo Fighters etc.) das dritte Werk "Coral Fang" auf.
Brody ist mittlerweile von Tim Armstrong geschieden, hat mit ihrem neuen Lover Josh Homme von den Queens Of The Stone Age aber schon ein ähnliches Kaliber am Start. Auch musikalisch schlägt sie auf dem dritten Album einen etwas anderen Weg an. Das rotzt deutlich weniger, schmeichelt dafür mit mehr Melodien und breiten Gitarren. Einmal mehr wird klar, warum Brody den Vergleich mit Courtney Love zutiefst hasst: auf "Coral Fang" klingt sie nämlich mehr nach deren Ehemann, als nach Zickenterror.
In Amerika wird die Platte schon im Oktober 2003 veröffentlicht, wohingegen die deutschen Fans sich noch bis Januar 2004 gedulden müssen. Wenigstens läuft der Release in Europa ohne Hindernisse ab. In den Staaten hatten sich die großen Supermarkt-Ketten wegen dem anstößigen Cover (eine aufgeschlitzte Frau am Kreuz) geweigert, die Platte zu verkaufen. Die Band reagiert prompt mit einem "safer cover", das nun Bärchen, Delphine und Giraffen zeigt. Aber mit ihren rot blitzenden Augen sind diese Tierchen mindestens genau so böse wie Brody Dalle.
Im Januar 2006 macht ihre Karriere eine Wendung in eine etwas andere Richtung: Am 17. Januar bekommt sie ihr erstes Kind, Camille Homme. Vater ist Josh Homme von den Queens Of The Stone Age. Während das Familienglück ihren Partner nicht vom Arbeiten abhält, geht bei Brodys Band bald nichts mehr. Im Februar 2007 gibt sie auf der offiziellen Seite den Bandsplit bekannt.
Statt einer ausführlichen Begründung hält sie sich lieber kurz: "Hey lovers, new band, new site, new board". Ihr neues Projekt nennt sich Spinnerette und hat selbstverständlich auch schon eine Homepage. In einem Interview ist sie auf Anfrage nach ihren musikalischen Einflüssen schon weitaus gesprächiger. So sollen Prince, Devo, Roky Erickson, Django Reinhardt, My Bloody Valentine, The Gun Club, Black Flag, Cyndi Lauper und Tom Petty für den neuen Sound Pate stehen.
Sing Sing Death House (2002), The Distillers (2000)
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