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Ein großer Dünner (Patrick Carney) und ein Kleinerer (Dan Auerbach) überraschen Anfang des 21. Jahrhunderts mit einer aufregenden Mixtur aus Blues, Country, Soul, Boogie und Rock'n'Roll. Dabei stammen die beiden nicht einmal aus den US-Regionen, die als erste Verdächtige herhalten müssen, wenn es um musikalische Umtriebe dieser Sorte geht. Nix mit Texas, Mississippi, Chicago oder sonstwas. Die ehemalige Gummi-Metropole der USA und mittlerweile ziemlich verschlafene Akron im Bundesstaat Ohio ist die Heimat der beiden.
Das Duo lebt fast Tür an Tür und lernt sich bereits im Sandkasten kennen. 1997 beschließen sie aus einer Laune heraus, zusammen Mucke zu machen. Musik um ihrer selbst willen, nicht um damit die große Kohle abzusahnen oder sonstwie in die Schlagzeilen zu kommen. In diesen Anfängen sind auch die Gründe zu suchen, weshalb aus dem Zweier kein flotter Dreier oder eine größere Band wurde, Derartiges spielt in den Überlegungen der beiden keine Rolle. Im Keller von Patricks Vater nisten sie sich ein; ein simples Vierspur-Gerät ist alles, was sie brauchen, um ihre Ergebnisse auf Band zu bannen.
Einflüsse saugen Dan und Pat aus der Musik von Devo (die ebenfalls aus Akron stammen), Frank Zappa, alten Stax-, Motown-Platten und Classic-Rock-Sachen. An Devo lieben sie deren abgedrehten Humor, aber nachdem Auerbach den Bassisten Jerry V. Casale persönlich kennen lernt, ist die Sympathie dahin. "He's a fucking dick. He was a jaded egomaniac and his parents came to pick him up".
Etwa um die Zeit des Keller-Einzugs entdeckt Auerbach seine Liebe zum Blues. Robert Johnson, dessen Mentor Son House, T-Model Ford und vor allen anderen Junior Kimbrough, dessen eindringliches Gitarrenspiel einen unüberhörbaren Einfluss auf Dan hat, haben es ihm angetan.
Seine Liebe zu Kimbroughs und Fords Musik geht sogar so weit, dass er eines Tages seine Sachen packt, gen Süden reist, um die beiden Legenden zu besuchen. Kimbroughs Gesundheitszustand ist jedoch derart schlecht, dass es zu keiner Begegnung kommt. Mit T-Model jedoch hängt er drei Tage lang ab und spielt mit ihm seine alten Songs. Die Fertigkeiten an den sechs Saiten bringt sich Dan autodidaktisch bei, nachdem er nach nur einer Gitarrenstunde bei einem Musiklehrer merkt, dass dessen Musikverständnis mit seinem eigenen zu etwa 0% übereinstimmt.
So gniedeln die zwei auf ihren Instrumenten, ohne Druck, irgendetwas Wichtiges auf die Beine stellen zu müssen. An Auftritte ist nach wie vor nicht gedacht, nicht einmal ein Bandname existiert. 2002 spielen sie dann zum ersten Mal vor Publikum. Die Feuerprobe bestehen sie und so treten sie in den Clubs in und um Akron auf, bevor es sie weiter in die Ferne zieht. In einem abgewrackten Kleinbus bestreiten sie ihre Konzertreisen und müssen auch in ebendiesem übernachten, da die Kohle für andere Schlafgelegenheiten schlicht und einfach nicht vorhanden ist.
Nun spielen sie sogar mit dem Gedanken, ihre Songs auch auf Platte zu veröffentlichen. So entsteht in kürzester Zeit das Debüt "The Big Come Up", das über Alive auf den Markt kommt. Zum ersten und wohl einzigen Mal spielen sie dabei mit einem dritten Musiker, der ein paar Sounds auf einem Moog-Synthie beisteuert. Nach dieser Erfahrung ist Dan und Pat jedoch klar, dass ein drittes Mitglied nicht nötig ist und in den Kontext ihrer Musik auch gar nicht hinein passt.
Die Platte kommt bei der Presse äußerst gut an. So hören auch Sleater Kinney, die Jon Spencer Blues Explosion und Guided By Voices, für die sie 2003 im Vorprogramm spielen dürfen, von dem kruden Duo. Die positiven Resonanzen auf das Debüt locken sogleich die Major-Labels herbei. Sie verhandeln sogar mit ihnen, aber nachdem ihnen ein Labelsprecher von Sony mitteilt, der Vertrag wäre in zwei Wochen fertig, packen sie ihre Sachen, denn zwei Wochen sind im Black Keys-Kosmos eine zu lange Zeit, um sie mit Warten zu vergeuden.
Das renommierte Blues-Label Fat Possum erhält letztendlich den Zuschlag und schickt sie in eine Studio, in dem bereits Green Day und Fleetwood Mac Alben aufnahmen. Das Ambiente und die für ihre Verhältnisse überladene Studiotechnik lassen das Ergebnis nicht im Sinne der Band klingen und so beschließen sie, die Aufnahmen in die Tonne zukloppen und das kommende Album wieder im heimischen Keller aufzunehmen.
Im April 2003 erscheint der Zweitling "Thickfreakness", der noch besser beim Publikum und der schreibenden Zunft ankommt. Die Aufnahmen selbst gehen in 14 Stunden über die Bühnen, mit Mix und ein paar Overdubs ist die komplette Platte innerhalb von vier Tagen im Kasten. Bei einem Abstecher nach Europa nehmen sie in England mit Radio-Legende John Peel eine Session auf, die im Mai über den Äther geht. So langsam stellen auch die Europäer ihre Lauscher beim Namen The Black Keys auf. Mit dem im September 2004 erscheinenden dritten Album "Rubber Factory", das sie - wie der Albumtitel bereits andeutet - in einer ausrangierten Gummifabrik einspielen, erspielen sie sich auch im deutschsprachigen Raum viele Sympathien.
Im Anschluss an den Release lärmen sie überall dort, wo es noch Saft auf der Steckdose hat, sogar ein Auftritt auf dem rennomierten Lollapalooza 2005 steht auf dem Programm. So nach und nach steigt ihr Popularitätsgrad, was ihnen sogar eine Einladung zu Conan O'Brien einbringt. Mittlerweile haben sie nicht nur eine stetig wachsende Fangemeinde, sondern auch prominente Bewunderer. Dazu zählen neben Robert Plant auch noch Billy Gibbons sowie die Radioheadler Thom Yorke und Jonny Greenwod. Das dürfte mit ein Grund sein, weshalb die Black Keys für ebendiese auf der kleinen US-Tour 2006 den Support abgeben.
Nach dem sperrigeren "Magic Potion" tasten sie sich unter der Produktion von Danger Mouse langsam aber sicher an den Hip Hop heran. Schließlich schlägt sich diese Annäherung im von Damon Dash produzierten Projekt "Blakroc" nieder, was einen lang gehegten Traum des Duos in Erfüllung gehen lässt: "Wir haben als die Black Keys angefangen, weil wir den Sound der RZA-Produktionen so sehr liebten. Vom ersten Tag an wollten wir, dass unser Demo so dreckig klingt wie das Wu-Tang-Zeug. Im Prinzip war es so, dass wir die Blakroc-Aufnahmen vorbereiten, seit wir 16 Jahre alt waren."
Passend zum Ausflug in das Rap-Geschäft gibt es ordentlich Bling Bling: Mit dem Blakroc Camaro geht 2010 der zum Album passende Straßenkreuzer an den Start. Selbstverständlich mit massiv Ausstattung und Extras.
Nach dem bisher eher gemächlichen Reifen des Gesamt-Konzeptes knallt es plötzlich im Gebälk. Studio-Album Nummer sechs, "Brothers" , schlägt ein wie eine Bombe: "Wir hätten nicht gedacht, das 'Brothers' dermaßen einschlägt. Auf einmal setzt sich ein Rad in Bewegung, das größer ist, als alles was du dir vorher hättest vorstellen können," erinnert sich Drummer Patrick Carney.
Der soulige Rock auf "Brothers" landet auf Platz drei der Billboard-Charts und beschehrt den beiden Musikanten aus Ohio zwei Grammys. Die Jungs werden ordentlich rumgereicht und zahlen im Frühjahr 2011 den Preis des Preis des Ruhms, als sie - kurz vor dem Burnout stehend - einen Großteil ihrer Tour canceln, um zuhause den Akku wieder aufzuladen.
Das gelingt fixer als erwartet und schneller als sie gucken können befinden sich die Beiden mitten im Songwriting-Prozess für den "Brothers"-Nachfolger "El Camino" der Dezember 2011 erscheint.
Dan Auerbach und Patrick Carney über "El Camino", Danger Mouse und ein Naturtalent.
The Black Keys: Zwei Bluesrocker aus Ohio nehmen neun Jahre Anlauf und springen mit ihrem sechsten Output urplötzlich weiter als alle anderen. Doch statt den neuerlichen Ruhm exzessiv zu genießen und in feudale Studios einzuchecken, verbarrikadierten sich das Duo für den siebten Streich "El Camino" lieber vierzig Tage spartanisch eingerichteten Homestudio von Sänger Dan. Das nennt man bodenständig.
Kurz bevor die Jahrespoll-Listen schließen, bewirbt sich Anfang Dezember noch das kongeniale Duo Auerbach und Carney alias The Black Keys mit "El Camino" um die vorderen Plätze. Nach dem bahnbrechenden Erfolg des Vorgängers "Brothers" und dem fulminanten ersten Vorgeschmack auf die siebte Platte mit der Single "Lonely Boy" müsste es schon mit dem Teufel zugehen, sollte es nicht wenigstens für die Top Ten reichen.
Nachdem sich beide seit dem Debüt "The Big Come Up" (2002) eher unauffällig den Weg durchs Business bahnten, katapultierte sie "Brothers" förmlich über Nacht auf die roten Teppiche dieser Welt. Plötzlich standen alle Schlange und jeder wollte wissen, was es mit dem vierfach für den Grammy nominierten Bluesrock-Zweier aus Akron, Ohio auf sich hat.
Zwei der begehrten Musik-Oscars nennen die Black Keys mittlerweile ihr Eigen. Dazu gesellt sich ein MTV-Award. Im Frühjahr 2011 war dann Schluss mit lustig. Knapp dem Burn-Out entronnen, zogen Auerbach und Carney die Reißleine: Sie cancelten den Großteil der Tour, um den Akku wieder aufzuladen und am Nachfolger zu arbeiten.
Einige Tage nach dem Release der brandneuen Single "Lonely Boy" quartiert man sich im feudalen Berliner Lux*11 Design Hotel ein, um der Presse Rede und Antwort zu stehen. Die renommierten Gazetten reißen sich um die beiden Amerikaner, und so leuchtet bereits der Mond am dunklen Hauptstadt-Himmel, als wir auf zwei ziemlich übermüdet wirkende Protagonisten treffen.
Ihr seht müde aus. Ein anstrengender Tag?
Dan: Oh ja, das kann man wohl sagen.
Man könnte fast das Gefühl bekommen, ihr wärt unbelehrbar ...
Dan: Warum?
Patrick: Was meinst du?
Ich erinnere nur an die abgesagten Shows im Frühjahr. Ihr solltet doch am besten wissen, was passieren kann, wenn man sich 'übernimmt', oder?
Dan: Du hast Recht. Wir sollten mit unseren Kräften haushalten (lacht).
Patrick: Andererseits würden wir sonst nicht mit dir reden können.
Da ist was dran, das wäre schlimm! Ich durfte vorab ins neue Material reinhören. "Brothers" glänzte noch durch seinen intensiven Soul-Vibe. Auf "El Camino" gehts für eure Verhältnisse ziemlich hart zu. Für mich klingt das Album wie der perfekte Rock'n'Roll-Soundtrack für Shaft oder Starsky & Hutch.
Dan: (lacht) Das hast du schön gesagt.
Patrick: Bei uns hängt immer viel davon ab, was wir während der Zeit des Songwritings selber für Musik hören. Bei "Brothers" fuhren wir gerade total auf alten Soul und Hip Hop ab, während wir bei den letzten Aufnahmen eher rockige Sachen hörten. Da lassen wir uns dann einfach leiten. Dieses Mal wollten wir unbedingt deftiger und schneller zur Sache gehen und die Stimmung des kompletten Aufnahme-Umfeldes so authentisch wie möglich festhalten.
Ihr habt das Album im Studio von Dan in Nashville aufgenommen.
Patrick: Ja, wir brauchen einfach nicht viel. Dieser ganze Technikkram in gemieteten Studios ist doch fürn Arsch. Gib uns einen Raum, ein Drumset, ein paar Verstärker, eine Gitarre, ein 8-Spur-Recorder, fünf Mikros und wir sind glücklich. Ich meine, so haben wir damals angefangen, und so klappt es auch am besten.
Dan: Die High-Tech-Studios sind meiner Meinung nach völlig überbewertet. Versteh mich nicht falsch, in großen Studios sind große Alben entstanden, keine Frage. Aber wenn du dir die Mühe machst und recherchierst, wie und wo Meilensteine entstanden sind, die mit dem neuzeitlichen Kram nichts zu tun haben, dann wirst du feststellen, dass die Leute damals mit genauso wenig Equipment ausgekommen sind wie wir.
Ich kann mich erinnern, wir haben ja auch schon einige Sachen extern aufgenommen, fürs Radio oder fürs Fernsehen. Dort schleifte man uns in riesige Studios. Ich habe mich total unwohl gefühlt. Es ist einfach enorm wichtig, dass man sich ein Umfeld schafft, wo man das Gefühl hat, das Beste aus sich rausholen zu können. Bei uns ist das der Fall, wenns klein und gemütlich wird.
So genannte Freunde dürftet ihr mittlerweile ziemlich viele haben, wenn man sich die vergangenen fünfzehn Monate vor Augen führt ...
Dan: Nun, Freunde sind natürlich nicht gleich Freunde, wie jeder weiß. Aber du hast Recht, die letzten Monate waren schon ziemlich abgefahren.
Die Band hat sich neun Jahre lang kontinuierlich entwickelt, und plötzlich explodiert alles. Wie fühlt man sich das an?
Patrick: Das war natürlich im ersten Moment ganz schön befremdlich. Wir hätten nicht gedacht, das "Brothers" dermaßen einschlägt. Auf einmal setzt sich ein Rad in Bewegung, das größer ist, als alles was du dir vorher hättest vorstellen können. Wir wurden ziemlich rumgereicht. Dann kamen die Grammys, die schicken Anzüge und all die Promotermine. Das war nicht immer einfach, aber letztlich freuen wir uns natürlich über den Erfolg, ganz klar.
Ich denke, gerade die Grammys dürften euch in Erinnerung geblieben sein.
Patrick: Absolut. Das war schon toll. Auch Saturday Night Live war ein beeindruckendes Erlebnis. Es kam wirklich viel zusammen. Es gab aber auch vorher schon viele schöne und wichtige Momente. Ich kann mich erinnern, wie wir unser erstes Interview für den Rolling Stone gaben. Das war 2002. Wir fuhren damals noch mit unserem Van quer durch die Staaten. Vom Gefühl her würde ich das sogar über die Grammys stellen. Neun Jahre später sitzen wir hier mit dir in diesem schönen Hotel mitten in Berlin. Man muss sich manchmal schon kneifen.
Plötzlich entsteht auch eine öffentliche Erwartungshaltung hinsichtlich des neuen Albums. Habt ihr den Druck gespürt?
Patrick: Nein, wir haben überhaupt keinen Druck gespürt und haben uns vor allem auch selber keinen Druck gemacht. Wir wollten von Anfang an keine Kopie von "Brothers" machen, sondern uns vielmehr der Herausforderung stellen, etwas Neues zu kreieren. Dementsprechend anders klingt "El Camino" dann auch.
Dan: Dieser Typ war einfach da. Wir fragten ihn, ob er Lust hätte, im Clip ein bisschen zu tanzen und dabei seine Lippen zu bewegen, so als würde er mitsingen. Er war einfach unglaublich, ein Naturtalent. Er hatte den ganzen Text drauf und fing plötzlich, an sich zu bewegen. Es waren ungefähr dreißig Leute hinter der Kamera, die sich bepisst haben vor Lachen, und er hat es einfach durchgezogen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
Patrick: Wir haben nur diesen einen "Take" gemacht, mehr nicht. Es war perfekt.
"El Camino" bedeutet spanisch so viel wie "der Weg" oder "die Route". Auf dem Cover ist ein Van abgebildet, mit dem ihr zu Beginn eurer Karriere durch die Landen gefahren seid. Schwingt da Wehmut mit?
Dan: Das ist ein 92er Plymouth Grande Voyager. Ein treuer Weggefährte über viele Jahre hin. Wir fliegen mittlerweile auch gerne, aber die Erinnerung an dieses Auto und die damit verbundene Zeit wird uns immer begleiten. Da kommt keine Wehmut auf, eher ein Gefühl für Erdung und Bodenständigkeit, und dass man nie vergisst, wie alles mal angefangen hat.
Lasst uns noch kurz über die Zukunft sprechen. Ihr holt zwei der vier im vergangenen Frühjahr gecancelten Deutschland-Konzerte im Januar nach. Müssen sich die Fans abermals Sorgen machen?
Patrick: Nein, ich denke nicht, auch wenn wir momentan ziemlich ausgelaugt erscheinen (lacht). Der Tag war einfach lang, und diese ganzen Promo-Termine schlauchen ganz schön. Aber sie sind auch enorm wichtig. Als wir uns im Frühjahr dazu entschieden, die Tour abzubrechen, standen wir kurz vor dem Burn-Out. Das war eine andere Hausnummer. Wir spielten noch die Saturday Night Live-Geschichte, und danach war Schluss. Wir konnten einfach nicht mehr, was uns sehr leid getan hat für die Fans, aber wir brauchten einfach eine Auszeit.
Dan: Die dauerte allerdings nicht sonderlich lange. Kurz danach haben wir uns bereits mit den Aufnahmen zu "El Camino" beschäftigt.
Patrick: Auf jeden Fall freuen wir uns schon sehr auf die Tour. Macht euch also keine Sorgen.
Dein Wort in Gottes Ohr!
Dan Auerbach über Hip Hop, deutsche Vorfahren und den Anfang jeder Geschichte.
Dan Auerbach, Sänger der Black Keys, spricht im Interview über Idole, Produktionsbedingungen und den Ursprung jeder Geschichte - einen Mann und eine Frau.
Die rauchige Gesangsstimme von Dan Auerbach hört sich am Telefon doch recht normal an. Er gibt sich ehrlich, schlicht und direkt, wie "The Black Keys" in ihren besten Songs. Das Interview ist ähnlich kurzweilig und schnell eingepielt wie ihre Alben.
Wie waren die Aufnahmen zu eurem neuen Album "Brothers", wie lange habt ihr gebraucht?
Es dauerte etwa eine Woche in Ohio und etwa eineinhalb Wochen im Muscle Shoals Studio in Alabama. Alles in allem also zweieinhalb Wochen.
Also ziemlich schnell, wie immer.
Ja.
Wie kamt ihr auf die berühmten Muscle Shoals Studios? Die Rolling Stones, Aretha Franklin - alle waren schon da.
Wir suchten ein Studio, das ein bisschen aus der Stadt draußen ist, irgendwo, wo wir noch nie vorher waren. Also habe ich mit verschiedenen Studios telefoniert und Muscle Shoals hat am besten gepasst. Also sind wir da gelandet. Wir haben fünf Lieder in meinem Studio aufgenommen und den Rest dort. Wir wollten aus der Stadt raus und uns etwas isolieren, abseits von Freunden und Familie.
Hat euch das Studio beeinflusst?
Es hat uns definitiv inspiriert. Dort wurden so viele coole Alben produziert. Aber wir hätten unser Album auch anderswo genauso gemacht, weil es das ist, was wir gerade hören, wo wir unseren Kopf drin haben, auch nach dem "Blakroc"-Projekt. Wir hörten viel Soul, das hat das Album natürlich beeinflusst.
Das hört man auch absolut. Ein richtiges Soul-Album.
Wir haben auch über andere Studios nachgedacht, wo wir spielen könnten, aber es waren keine Soul-Studios. Aber trotzdem hätte das Album so geklungen.
Der Titel ist "Brothers". Hat das mit der Beziehung zwischen dir und Patrick zu tun?
Ja. Es gibt einen Song auf dem Album: "Unknown Brother", über meinen Schwippschwager, der an Krebs gestorben ist. Pat und ich haben beide Brüder und unterhielten uns darüber, wie verrückt es sein muss, wenn dein Bruder stirbt. Das ist der Grund für den Titel. Wir hatten das Gefühl, das wäre der richtige Titel für dieses Album. Nach all den Jahre, die wir zusammen Musik gemacht haben, um die Welt tourten, Hochs und Tiefs, das passte perfekt.
Damon Dash rief uns an, er wollte mit uns arbeiten. Er hatte keine spezielle Idee, aber er war für alles bereit, wir sollten uns bei ihm melden. Also beschlossen wir, Musik zu machen. Er wollte Jim Jones ins Studio holen, damit war die Sache klar. Wir gingen nach Brooklyn, fingen mit den Aufnahmen an, aber Jim tauchte nicht auf. Wir waren erst deprimiert, aber zum Glück war Mos Def gerade in der Stadt und wir haben ihn ins Studio gekriegt. Er war der erste, der mit uns arbeitete. Das war fantastisch, wir kamen sehr gut miteinander aus. Das brachte den Ball ins Rollen, danach kamen die Leute durch unser Studio und machten mit. Das war sehr cool, das Album war in elf Tagen eingespielt.
Was ist deine Beziehung zu Hip Hop?
Ich höre Hip Hop, seit ich 14 bin. Ich liebe einige Sachen im Hip Hop, allerdings bin ich genauso wählerisch wie bei allem anderen auch. Ich mag nicht alles. Aber das was ich mag, mag ich wirklich. RZA, viel von dem Wu-Tang Stuff. Die Produktion ist so gut! So voller Energie und die Charaktere sind großartig. Ich liebe es.
Also war es ein besonderes Gefühl, mit den Jungs zusammen zu arbeiten.
Ja! Manche waren früher meine Helden. Vor allem RZA. Wir haben mit Musik angefangen, weil wir Musik machen wollten, die klingt wie RZA. Wir wollten Gitarren- und Schlagzeug-Musik machen. Auf unserem ersten Album hatten wir einige Samples, wir waren da echt scharf drauf. Das war also eine echte Ehre, mit ihnen ins Studio zu gehen. Und zu merken, wie gut es funktioniert.
Kannte RZA euch denn schon?
Ich weiß es nicht. Ich glaube, die meisten kannten uns. Er könnte aber der einzige gewesen sein, der uns nicht kannte.
Wie läuft denn so was? Man kann ja nicht einfach anrufen, sich vorstellen und fragen, ob sie mit dir arbeiten wollen?
Ja natürlich. Ohne Damon hätte das sicherlich nicht geklappt. Er hat für uns gesprochen, hat alle ins Studio gebracht.
Habt ihr zuerst die Musik gemacht und dann die Lyrics, oder andersherum?
Wir haben zuerst die Musik gemacht. Wir kamen früh morgens ins Studio, machten die ganze Musik und dann kamen die MCs rein und brachten die Vocals ein. Am Ende des Abends hatten wir den Song fertig. Das war eine Beschränkung, die wir uns auferlegt haben. Wir haben keine weiteren Nachholarbeiten zugelassen, keine Fummelei. Wir fingen morgens an, hörten nachts auf, und das wars! Nach elf Tagen war das Album durch. Wir wollten keine Radiohits machen oder so was. Die einzige Aufgabe war es, schnell zu arbeiten. Mit Leuten, die vorher noch nie mit uns gearbeitet haben.
Echt cool.
Ja, das war lustig.
Glaubst du, der Hip Hop steckt fest? Braucht er mehr Soul?
Ich glaube alles steckt fest (lacht). Verstehst du, was ich meine? Ich weiß nicht, ob es ein Genre gibt, das nicht feststeckt? Auf irgendeine Weise. Es ist alles eine Wiederholung von irgendetwas, oder nicht? Alles. Ich glaube nicht, dass irgendetwas mehr feststeckt als etwas anderes. Es wird immer interessante Musiker geben und Lieder, die wirklich großartig sind. Aber das ist der Grund, warum sie großartig sind. Weil sie sich nicht einordnen lassen und herausstechen.
Wenn man Blues oder Rock mit Hip Hop zusammenbringt, schafft man etwas Neues?
Ich glaube nicht. Das wurde schon vorher gemacht. In den 90igern zum Beispiel. Nichts ist neu. Ich habe seit langer Zeit keine neue musikalische Kunstform mehr gehört. Aber ich schaue auch nicht danach, das interessiert mich nicht. Ich suche gute Musik! Ich mache mir da keine Sorgen über Genres und so. Wenn es gut ist, ist es gut - wenn nicht, dann nicht. Ich glaube, so einfach ist es wirklich. Für mich sowieso.
Ja, mein Großvater ist ein deutscher Nachfahre. Er wurde in Amerika geboren, deshalb weiß er wohl nicht mehr viel über seine deutschen Verwandten. Er hat das jedenfalls nie weitergegeben. Ich glaube der Vater meines Opas, mein Uropa Auerbach (spricht: Auerback) war ein Schmuggler in Amerika. Aber eigentlich weiß ich gar nichts über meine europäischen Wurzeln. Jedenfalls nicht von meiner Vaterseite.
Werdet ihr durch Deutschland touren? Wisst ihr das schon?
Ich weiß nicht. Es ist immer sehr schwierig, weil wir überall sein müssen. Ich würde liebend gern in Deutschland ein paar Shows spielen, aber das hängt halt von vielen Dingen ab. Wir müssen durch die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Westeuropa,…. Und das alles zweimal! Wir müssen da mindesten zweimal überall hin (lacht). Das kann einen verrückt machen.
Sowieso arbeitet ihr dermaßen viel. Dein Keep It Hid, "Blakroc", jetzt "Brothers" - alles innerhalb von einem Jahr. Freizeit kennst du nicht, oder?
Das hängt davon ab, wie man Freizeit definiert (lacht). Ich verdiene Geld mit meinem Hobby, das ist ein absoluter Segen. In meiner Freizeit möchte ich Musik machen, wirklich! Ich hab noch mehr Alben mit unterschiedlichen Leuten fertig gemacht, ich hab immer etwas, an dem ich gerade arbeite.
Auf "Brothers" ist mir aufgefallen, dass es viel um Liebe geht. Soul, Blues und Liebe bzw. Frauen und Soul, gehört das zusammen?
Naja, ich meine, ein Mann und eine Frau ist so ziemlich die Basis von allem (lacht). Die Basis von jeder Geschichte, die jemals aufgeschrieben wurde (lacht). Und im Soul geht es um alles, was du magst, also um jede Geschichte, die jemals geschrieben wurde. Das ist alles: Es geht immer um einen Mann und eine Frau. Egal was du machst.
Thickfreakness (2003), The Big Come Up (2002)
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Black Keys felixthecat78 |
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27.10.06, 14:48 chrid |
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