Porträt

laut.de-Biographie

Soulstice

"Respect these lines 'cause these lines are sacred ground." Ohne Zweifel, hier liebt und achtet einer, was er tut. Aus jeder einzelnen Zeile Soulstices spricht die Begeisterung für Reime und Rap-Skills Bände und macht aus dem Chicagoer MC weit mehr als nur einen Rapper: Im Fall Soulstice sieht man sich mit einem waschechten Lyricist konfrontiert.

Ursprünglich nennt er sich Solstice, ohne u. Der Soul findet erst durch einen schnöden Tippfehler Eingang in die Namensgebung. Solstice nimmt 1997 an der jährlichen "Midwest Who's The Illest"-Competition in Champaign, Illinois teil. Auf dem Line Up zu lesen: Soulstice. Zunächst nachvollziehbarerweise angekotzt, freundet sich So(u)lstice doch rasch mit der neuen Schreibweise an; es passt schlicht zu gut, ist es doch souliger Hip Hop, den Soulstice zu seinem Zenith zu führen wünscht.

Die musikalischen Grundlagen werden Soulstice, wie so oft, bereits in die Wiege gelegt. Er wächst am südlichen Stadtrand Chicagos auf, entsprechend den Vorlieben seiner Eltern begleitet von Songs von Michael Jackson, den Temptations und Stevie Wonder. Erste Kontakte zum Hip Hop entstehen in der Schulzeit: Etwa in der siebten Klasse beginnt er, gemeinsam mit seinem Bruder und mit Freunden zu freestylen. Bereits in den frühesten Anfängen um 1993 träumt Soulstice von der Veröffentlichung eines eigenen Albums.

Vor dem Erfolg steht allerdings in aller Regel der Schweiß: Soulstice macht sich bei Veranstaltungen in und um Chicago einen Namen in der Rap-Szene. Daneben absolviert er Schule und Studium; er erwirbt an der University of Illinois Bachelor- und Mastergrad in Elektro- und Computertechnik. Soulstice bringt beides unter einen Hut: Neben einem 24-Stunden-Dasein als MC arbeitet er tagsüber, ganz bürgerlich, als Software-Entwickler für Sonar-Systeme, die auf U-Booten zum Einsatz kommen. Absurd? Nicht wirklich, spielt doch die Akustik auf beiden Gebieten eine entscheidende Rolle.

Bei einer Open-Mic-Nacht trifft Soulstice den ebenfalls aus Chicago stammenden Produzenten S.M. Arsen. Gemeinsam tragen sie dazu bei, das Label Banarnar Records aufzubauen. 2003 erfüllt sich Soulstice seinen Herzenswunsch und veröffentlicht darauf sein Debüt "North By Northwest". Produktion, Marketing, Vertrieb: Soulstice macht alles selbst (was dem Kontrollfreak in ihm sehr entgegen kommt).

"North By Northwest" gerät ausgesprochen persönlich. Die Lyrics behandeln größtenteils die Erkundung und Entdeckung des eigenen Innenlebens. Sich selbst treu zu bleiben ist das zentrale Thema. "Betrachtet man einen Querschnitt dessen, das ich in diesen Texten erzähle, bekommt man einen recht genauen Eindruck davon, wer ich bin", gibt Soulstice im Interview zu Protokoll. Ehrlichkeit in seiner Musik steht für ihn an erster Stelle; "die Leute müssen die Songs fühlen und für sich etwas herausziehen können".

Obwohl er (in den Fußstapfen von Common und Capital D) zurecht als Repräsentant Chicagos betrachtet wird, kehrt er seiner Heimatstadt den Rücken und verlegt seinen Wohnsitz nach Washington D.C.. Hier nutzt er die Chance, mit Oddisee zusammen zu arbeiten, dessen Produktionen der typische Vibe des Neo-Soul anhaftet; die beiden lernen sich in D.C. – wie ungewöhnlich! - bei einer Open-Mic-Veranstaltung kennen. Des weiteren kollaboriert Soulstice mit Bring It Back, einem Produzententeam aus Virginia. Diverse Mixtapes und unzählige Auftritte (neben vielen anderen Orten rockt Soulstice mehrfach mit seiner Crew Bionic Six Champaigns Cotton Club) verschaffen ihm eine solide Fanbasis, die sich schleichend erst in den USA, dann bis nach Übersee ausbreitet.

Soulstice hegt Bewunderung für gut gemachten Hip Hop aller Art. Mos Def, Talib Kweli, Black Thought, die Roots und Jay-Z gehören ebenso zu seinen gerne gehörten Kollegen, wie Kool G Rap, Canibus, Ghostface und Jedi Mind Tricks. Daneben finden die Werke von Herbie Hancock, Miles Davis, India Arie, Joni Mitchell, Tom Petty und Radiohead Gefallen – all diese unterschiedlichen Strömungen halten Einzug in sein eigenes Schaffen.

2005 wird "North By Northwest" neu aufgelegt. War es zwei Jahre zuvor noch das Wichtigste, ein Album zu veröffentlichen, egal wie, legt Soulstice mittlerweile großen Wert darauf, eine runde, in sich schlüssige Sache zu produzieren. Mit wesentlich mehr Hintergrundwissen das Musikgeschäft betreffend, macht er sich an die Überarbeitung seines Debüts. Nur neun der ursprünglich 17 Tracks überstehen die kritische Prüfung; der Rest des Albums wird mit neuem, bisher unveröffentlichtem Material bestückt. Neben Oddisee sind Chicagos S.M. Arsen, Dijmon aus Frankreich und Shuko aus Deutschland an der Produktion beteiligt. "North By Northwest: Solid Ground" erscheint im Oktober 2005.

Parallel arbeitet Soulstice bereits an seinem zweiten Album "Dead Letter Perfect", das zum Zeitpunkt der Wiederveröffentlichung des Erstschlages schon nahezu im Kasten ist – es mangelt lediglich an einem geeigneten Label-Deal. "Dead Letter Perfect" soll voraussichtlich im Sommer erscheinen. Damit keine Langeweile aufkommt - zwischen Berufstätigkeit und Solokarriere - gründet Soulstice mit Jesus, einem MC aus Washington, die Gruppe Wade Waters. Eine gemeinsame Single mit Cuban Link erscheint im Herbst 2005. Auch hier ist der Release eines zugehörigen Albums nur eine Frage der Zeit.

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