Porträt

laut.de-Biographie

Solange Knowles

Im Schatten eines Weltstars wächst man freilich nicht so leicht heran. Als kleine Schwester der Beyoncé Knowles trägt man bereits ein wenig Gepäck mit sich herum. Dass aus der vier Jahre jüngeren Solange dennoch ein respektables Künstlergewächs gedeihen konnte, ist vor allem ihrem Mut zu verdanken, sich auch mal neu zu erfinden. Solange Knowles ging vom musikalischen Tenniseltern-Spross zum aufmüpfigen Hipster-Girl.

Die Karriere der großen Schwester sollte weitläufig bekannt sein: Beyoncé Knowles avancierte von der süßen Destiny's Child-Leadsängerin zum "hottest chick in the game" (O-Ton Ehemann Jigga) und größten R'n'B-Diva des neuen Jahrtausends. Die treibende Kraft hinter der Ausnahmekarriere der Künstlerin: Vater Mathew Knowles. Der Geschäftsmann wittert auch im jüngsten Kind des Clans Star-Potential und züchtet Solange in bester Tenniseltern-Manier zum nächsten R'n'B-Häschen heran.

Solange selbst hat dagegen - angesichts des vorgemachten Welterfolgs der großen Schwester - freilich wenig einzuwenden. Auch sie träumt von der großen Bühnenkarriere. Auch sie ist passionierte Tänzerin und Sängerin. Und auch sie ist mit dem Knowles'schen Star-Gen geboren.

Ihre ersten Sporen verdient sich die gerade 14-Jährige als Background-Tänzerin für Destiny's Child. Wenn nötig springt sie bei den Live-Auftritten der Girlgroup für ein verhindertes Mitglied ein. Mit der Rolle der Statistin will sich Solange jedoch nicht zufrieden geben.

Die Motivation erkennt auch Daddy Knowles und nimmt sein zweites Töchterchen kurzerhand bei seinem eigens gegründeten Label Music World Entertainment unter Vertrag. Solange ist 16 und erfüllt jede Voraussetzung als Posterfrau der weichgespülten Generation R'n'B: süßes Kehlchen, süßes Gesicht, eine Handvoll Rap-Features, eine dicke Produzentenriege. Und fertig ist im Jahr 2003 das 08/15-Standardprogramm in Albumform mit Namen "Solo Star". Timbaland, Jermaine Dupri, Neptunes und Rockwilder schrauben die Beats, B2K und Lil Romeo kollaborieren rappend mit der 16-jährigen Knowles und fertig ist das bunt geschnürte Chartspaket.

Mathew Knowles hat sich zwar kein weiteres Nummer Eins-Mädel herangezüchtet, dennoch fließen die Investition via Platzierungen in den amerikanischen Top30 erfreulich schnell zurück. Als Nebenverdienst in der Knowles'schen Entertainment-Maschine kann man durchaus von einem Erfolg sprechen. Und Solange? Die gibt ihrer Karriere und ihrem Leben einige neue Impulse: Job-mäßig geht es in Richtung Schauspielerei, Design und Laufsteg, privat vor den Traualtar und in die Entbindungsstation. Da verwundert es nicht, dass zwischen Debüt und Nachfolgealbum fünf Jahre vergehen.

Ohne böses Blut löst sich Solange vom Familienunternehmen und unterschreibt bei Geffen. Es liegt wohl an der neuen musikalischen Ausrichtung Solanges, dass es mit dem Papa als Boss nicht mehr funktionieren will. Statt langweiligem R'n'Pop gibt es auf "Sol-Angel And The Hadley St. Dreams" 60s Soul-Reminiszenzen, Cee-Lo Green- und Mark Ronson-Kollaboration und einen ganzen Sack Eigenständigkeit. Aus dem generischen Massenprodukt im Black Music-Mantel ist ein bunter und exzentrischer Musikhistorienvogel geworden.

Die Kritiker wissen die neue Richtung zu schätzen, die zunehmend kleiner gewordene Käuferschicht jedoch nicht. Der musikalische Mut zahlt sich nicht in barer Münze aus, dennoch behält Solange ihren Kurs. Papa Knowles hätte in der Situation wahrscheinlich schon die Reißleine gezogen, aber Solange macht sich weiter auf in unbekannte Gefilde.

Mit einer neuen Affinität zur Indierock-Szene New Yorks durchbricht sie weitere Genre-Grenzen. In der Hipster-Bewegung, die musikalisch und lebensstilistisch vom Brooklyner Stadtteil Williamsburg ihre Kreise zieht, hat Solange mit ihren neuen musikalischen Vorlieben den Fuß in der Tür. Im Künstlerklüngel zwischen Animal Collective, Dirty Projectors und Grizzly Bear ist sie ein so genannter Blipster (in der nicht so ganz post-Rassismus-Ära-Lingo steht das für Black + Hipster).

Sie covert Dirty Projectors "Stillness Is The Move", legt in den Brooklyner Szene-Kneipen auf und steht mit Of Montreal auf der Bühne. Ihr einstiges Image als R'n'B-Hupfdohle hat sie damit ein für alle mal abgelegt und mit den ewigen Vergleichen mit der großen Schwester hat es sich damit auch endgültig getan.

Alben

  • Offizielle Seite

    Forum, Bio und Media-Downloads.

    http://www.solangemusic.com/
  • Blog

    Umfassend, aber veraltet.

    http://hadleystreetjournal.com/

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