Porträt

laut.de-Biographie

Of Montreal

Of Montreal machen es einem nicht einfach. Natürlich stammt die Band nicht aus der kanadischen Metropole, sondern aus dem beschaulichen Athens im US-Bundesstaat Georgia. Auch die Einordnung als Band wäre reichlich übertrieben, schließlich ist Of Montreal letztlich das alleinige Baby von Sänger und Songschreiber Kevin Barnes, der sich zur Umsetzung seiner Songs ständig wechselnde Musiker aus dem Umfeld von Elephant 6 suchte und seinen Bruder David die Albencover und Videos entwerfen lässt.

Zweifelsohne ist das in den neunziger Jahren gegründete Musikerkollektiv Elephant 6, dem auch Bands wie The Apples In Stereo oder Neutral Milk Hotel angehören, eine wichtige Koordinate für Of Montreal. Dem Labelsound, irgendwo zwischen knarzigem Indierock und ausuferndem Psychedelic Pop, fühlt sich auch Kevin Barnes in Grundzügen verpflichtet, der aber gleichzeitig wenig Berührungsängste hat, den Hybrid Of Montreal ständig weiterzuentwickeln.

Während das im Gründungsjahr 1997 veröffentlichte Debütalbum "Cherry Peel" noch lieblicher, einfach gestrickter Lo-Fi-Pop im Stil von Weezer, wird der Drittling "The Gay Parade" von der Musikpresse bereits als Indiepop-Version des Beatles-Geniestreichs "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" abgefeiert. Zunächst hilft das wenig, Of Montreal kursieren, vielleicht auch ob ihrer Affinität für eine queer-schrille Ansprache und eigenwillig-ekstatische Zirkusnummern, bis zur Veröffentlichung von "Hissing Fauna, Are You The Destroyer?" im US-Underground.

Dabei hatten bereits die beiden Vorgängeralben eine Kurskorrektur hin zu den tanzbaren Rhythmen von Prince, einer Ideenverdichtung und eingängigeren 60s-Harmonien eingeläutet. Doch erst jenes Album aus dem Jahr 2007, dass ein zunehmend depressiver Kevin Barnes mit Krautrock-Referenzen in Norwegen zusammendachte, wurde zur autobiographischen Katharsis und zum kommerziellen Durchbruch zugleich.

Diesem Popentwurf kommt auch das Hippie-Glam-Revival nicht ganz ungelegen. Kevin Barnes verbindet die sexuellen Fantasien, die ständig durch seine Texte schimmern, nämlich mit einer immer pompöseren Kostümierung seiner Band, die an die enthemmte Musical-Performance der Rocky Horror Picture Show erinnert. Und das zieht zwangsläufig jene Aufmerksamkeit auf sich, die Kevin Barnes so lange verwehrt blieb.

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1 Kommentar

  • Vor 6 Monaten

    Kommt noch eine Kritik zur neuen Platte "Lousy With Sylvianbriar"? International wird sie nämlich sehr gelobt, und da ihr vor kurzem schon "Foxygen" bewertet habt, bietet sie sich mit ihrem konsequenten Retro-Touch sehr an!

    Im Übrigen: Fantastische Band, die unglaubliche Songs aus dem Ärmel von Kevin Barnes schütteln lässt!