Porträt

laut.de-Biographie

Sickless

"Das ist brotlose Kunst in einer schwarzweißen Welt", behauptet Sickless über sein Metier. Dabei mag seine Kunst vielleicht (noch) brotlos sein. Schwarzweiß trifft auf seine Welt ganz bestimmt nicht zu.

Allein schon die Bandbreite der Kollegen, mit denen er sich die Bühnen teilt, künden von der Vielseitigkeit des Rappers. Alligatoah, Megaloh, Chakuza, Cro, Weekend, die Orsons, Kool Savas, Marsimoto, RAF Camora ... die Liste derer, die auf seine Anheizerdienste vertrauen, ist lang, noch lange nicht vollständig, und beschränkt sich keinesfalls auf einheimische Sprechgesangsartisten: Auch als Support für Pharoahe Monch, Vinnie Paz, die Beatnuts oder die Dead Prez tritt Sickless auf.

Sein Ziel - neben dem schlichten, aber hehren Vorhaben, "einfach gute Musik" zu machen - besteht darin, Texte zu schreiben, mit denen sich möglichst viele seiner Hörer identifizieren können. Ob Lehrling, Student oder MC-Kollege: Alle finden sich in Sickless' Zeilen wieder, die Backspin als "erfrischend abwechslungsreich" lobt.

Das Juice-Magazin preist an Sickless' 2014 erschienenes Album "Horus" besonders dessen "bemerkenswerte Mikrofonpräsenz". Bei jemandem, der sich in Battlerap-Turnieren wie dem VBT gar nicht einmal so übel geschlagen hat: kein Wunder. 2012 erreicht Sickless dort immerhin das Sechzehntel-Finale.

Trotzdem: Ihn als VBT-Rapper zu bezeichnen, griffe viel zu kurz. Viel mehr liefert Sickless ein lebendes Beispiel dafür, wie sich mit Fleiß, Ausdauer und Hingabe Visionen in die Realität umsetzen lassen. Unzählige Live-Auftritte, Musikvideos und Veröffentlichungen sprechen eine deutliche Sprache.

Sickless' Lebensweg nimmt 1989 in Aalen seinen Anfang. Den Startschuss für seine Rap-Begeisterung feuern allerdings Kollegen aus München ab: "Damals hatte ich schon auch Creutzfeld & Jakob, Das Bo, Dynamite Deluxe", erinnert sich Alexander Föll, so Sickless' bürgerlicher Name, an sein Erweckungserlebnis im Jahr 2004.

"Aber erst über die ersten Blumentopf-Platten, die ich damals in die Hände bekommen habe, bin ich tiefer in die Materie hereingekommen, was Vergleiche oder Wortspiele angeht. Ich habe die Texte Zeile für Zeile auseinandergenommen, und dann hatte ich ein Ziel!"

Zwei Jahre später kommt er diesem Ziel erstmals ein Stück näher: Mit der "Zweitausendundsick EP" lässt der Rapper, unterstützt von Goodvibes und Busenfreund Prinz Harry, sieben Tracks auf die Gemeinschaft der Internetuser los.

Wie ein anderes musikalisches Vorbild, der Wuppertaler Prezident, bleibt er dem Prinzip des Gratisdownloads bei seinen folgenden Veröffentlichungen treu. "Um eine Platte für Geld an den Mann zu bringen, braucht man ein gewisses Fundament. Und das ist ein gutes Label."

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2007 geht Sickless, dennoch ohne Plattenfirma im Rücken, den nächsten Schritt und schiebt gleich zwei Veröffentlichungen hinterher. Auf "Musicktherapie" und dem Mixtape "The Sickth Sense" präsentiert sich der Zwölftklässler als technisch versierter Wortartist, der trotz fehlender Erfahrung eine große inhaltliche Bandbreite abdeckt.

Für die breiter gestreute Gästeliste gewinnt er Prezident und steuert im Gegenzug zu dessen dritter EP "Verdammt Nah Am Unaussprechlichen" ein Battlemonster mit Namen "Anscheinend Bleibts An Uns" bei.

Nach einer mehrjährigen Ruhepause meldet sich der Wahl-Stuttgarter im Jahre 2011 wieder zurück: mit einem neuen Mixtape. "Einsickartig" erscheint im Mai heraus und kommt - wieder einmal - als Freedownload unter die Heads.

Das eigene Label steht allerdings bereits in den Startlöchern: Unter dem schönen Namen wirscheissengold kümmert sich Sickless ab 2011 nicht nur um musikalische Belange, sondern auch um Viodeos, Grafik und Eventplanung.

2014 erscheint nach zahlreichen Free-Releases das Debütalbum "Horus" beim eigenen Label: gefühlt ein Debüt-Album, so Sickless, obwohl er längst auf eine vergleichsweise umfangreiche Diskografie zurück blickt. Traditioneller Boombap, verträumte, samplebasierte Instrumentals und einfache, aber treffende Erzählungen verbinden sich zu einer gelungenen Mischung.

Für Sickless aber kein Grund, sich auszuruhen. Im Gegenteil: Zusammen mit Labelgenossen Marz begleitet er Afrob auf dessen Tour zu seinem Album "Push". Das nächste große Ziel hat er sich auch bereits auf die Fahnen (und seine Labelhomepage) geschrieben: sich neben Chimperator und 0711 Entertainment als dritte große Stuttgarter Hip Hop-Institution zu etablieren. Mit harter Arbeit und Geduld: nur eine Frage der Zeit.

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