Porträt

laut.de-Biographie

Sandra

Eine Zeit lang sprach man von der Sängerin Sandra ebenso ehrfürchtig wie von Madonna. Zumindest in Deutschland. Und warum auch nicht? Sandras frühe Hits "Maria Magdalena" oder "Around My Heart" liegen soundtechnisch auch nicht unbedingt weit hinter "Like A Virgin" oder "True Blue".

Sandra - The Art Of Love
Sandra The Art Of Love
Darkness. Imprisoning me. All that I hear. Absolute horror.
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Sandra Lauer kommt am 18. Mai 1962 in Saarbrücken zur Welt. Schon im zarten Alter von zwölf Jahren begibt sie sich auf die Showbühne: Bei einem Gesangswettbewerb für Kinder präsentiert die Kleine eine überzeugende Vorstellung einer Olivia Newton-John-Nummer. Zwei Jahre später zieht sie das Interesse eines Musikproduzenten an, der in dem Ballett versessenen Mädchen Talent entdeckt.

So bekommt Sandra die unerhörte Chance, schon mit vierzehn Jahren ihre erste Platte einzusingen. Der Song "Andy, mein Freund" erscheint als Single und floppt gewaltig. Doch Sandra hat Blut geleckt und träumt von einer Karriere im Musikbusiness.

1979 kommt sie ihrem Traum schneller näher als gedacht: Ihre Eltern unterschreiben für die erst 16-Jährige den Plattenvertrag, der sie als Mitglied des Girl-Trios Arabesque ausweist. Mit der Freiburgerin Jasmin Elizabeth Vetter und der Frankfurterin Michaela Rose nimmt Sandra schnulzige Disco Pop-Platten auf, die dem Sound der Zeit entsprechen, zur Hochphase des Boney M.-Fiebers in Deutschland aber seltsamerweise keine Anhänger finden.

Doch ausgerechnet im fernen Japan scheint man auf die legitimen Nachfolger von ABBA gewartet zu haben: Arabesque-Platten mit Titeln wie "Hello Mr. Monkey" (1977), "City Cats" (1979) oder "Indio Boy" (1981) werden den Plattenhändlern aus den Händen gerissen. Das Trio veröffentlicht bis 1984 allein in Japan dreizehn Alben und dreißig Singles. In Deutschland sind es immerhin sechs Alben und dreizehn Singles.

Über ihre Zeit als modisch auffallendster Blickfang der Mädelstruppe sagt Sandra später: "Kein Mädchen würde sich wohl fühlen, in solchen Klamotten auf die Bühne zu gehen, aber es gehörte einfach zum Showeffekt. Heute würde ich sowas nicht mehr machen." Bald muss sie das auch nicht mehr.

Bereits Anfang der 80er Jahre lernt sie den rumänischen Produzenten Michael Cretu kennen. Als sie 1984 Arabesque verlässt, starten die verbliebenen Sängerinnen die Gruppe Rouge. Mit Cretus Hilfe spielt Sandra die Single "Japan Ist Weit" ein, eine deutsche Version des '84er Alphaville-Hits "Big In Japan". Die Single floppt, doch Sandra und Cretu, die längst auch privat zueinander fanden, geben nicht auf.

Gemeinsam setzen sie sich an eigene Songs, bei denen Cretu seine erworbene Erfahrung als Arrangeur und Produzent von u.a. Boney M. und Peter Cornelius einbringt. Mit dem Song "Cold Days Hot Nights" von Moti Special feiert Cretu 1985 auch als Komponist Charterfolge. Das Selbstbewusstsein steigt. Dann der Durchbruch: Die Single "Maria Magdalena", die in Zusammenarbeit mit NDW-Krähe Hubert Kah entsteht, chartet in sagenhaften 21 Ländern. Arabesque ist vergessen, Sandra ist der neue Superstar. Selbst in Ägypten schwingt man den Talar zum Sound Of Saarbrücken.

Die Hit-Produktion läuft derweil munter weiter: "In The Heat Of The Night", "Hi Hi Hi", "Everlasting Love", "Stop For A Minute"; kein Chart-Jahr vergeht ohne Sandra-Beteiligung. Auch die dazugehörigen Alben "The Long Play" (1985), "Mirrors" (1986) und "Into A Secret Land" (1988) verkaufen sich prächtig. Bereits 1987, zwei Jahre nach dem Start ihrer Solokarriere, erscheint das Best Of-Album "Ten On One".

Als sich die 80er Jahre allmählich verabschieden, sinkt auch Sandras Stern als deutsche Pop-Göttin. Bereits Anfang des Jahres 1988 heiratet sie Cretu und zieht mit ihm auf die spanische Insel Ibiza, wo sie auch ein Aufnahmestudio einrichten. Das '90er Album "Paintings In Yellow" wirft noch die Hitsingle "Hiroshima" ab, die nebenbei einige Elemente des im selben Jahr zu Ruhm kommenden Cretu-Projekts Enigma aufweist. Danach hat es sich aber mit dem Erfolg.

Als 1992 "Close To Seven" erscheint, interessiert sich niemand mehr für Sandras fröhliche Pop-Nummern. Da musste schon die im selben Jahr veröffentlichte Hitsammlung "18 Greatest Hits" verlorenes Investitionskapital reinholen. Etwa zur selben Zeit verlegt die Künstlerin ihr Augenmerk auf die Familie und bringt 1995 Zwillinge auf die Welt. Im selben Jahr nimmt sie mit "Fading Shades" auch wieder ein Album, tritt ansonsten aber nur gelegentlich auf Enigma-Songs in Erscheinung.

Mit "The Wheel Of Time" kommt sie nach langer Abstinenz mal wieder in Chartsnähe. Neben eigenen Songs wagt sie sich auch an Coverversionen von u.a. Depeche Mode und Mike & The Mechanics. Als Initiator für ihre Rückkehr ins Musikgeschehen nennt die Sängerin die "unzähligen E-Mails, Briefe, Karten und Anrufe von Kollegen, Management und Plattenfirma."

Im Oktober 2008 gibt die Sängerin ihre Trennung von Michael Cretu bekannt. Im Folgejahr versucht sie mit "Back To Life" erstmals, ohne ihn zu bestehen. Der Sound erinnert an eine eingängig-esoterische Wellness-Packung aus Enigma, Enya und Santana. Erst mit "Stay In Touch" kehrt Sandra 2012 offensiv zu ihren Hi-NRG-/Synthiepop-Trademarks zurück.

Alben

Sandra - Stay In Touch: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 1 Punkte

2012 Stay In Touch

Kritik von Sven Kabelitz

Wie ein von Rentnerhänden mit bunten Farben übermaltes Jesus-Fresko. (0 Kommentare)

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Infinite Kiss
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